530
Der preußische Heeresorganismus im Jahre 1850.
penkorpern deS stehenden Heeres einbersfen, und bei einer Mobilmachung zur Ver-vollständigung der Kriegsstarke derselben verwendet. Wir können damit auch hierüber die Letzter» gleich alles Benöthigte sagen. Jeder Landwehr-Dataillonsbezirkstellt eine Landwehr-Artilleriecompagnie in der Stärke von 2 Offizieren 105 Mann,sodaß 104 Bataillonsbezirke 104 Compagnien in der Stärke von 10920 Mannstellen. In gleicher Weise stellen die Landwehr-Bataillonsbezirke Detachements vonJägern und Pionnieren, die indessen keinen besondern Etat haben, jedoch ebenfallszur Vervollständigung der Kriegsstärke dienen. Diese Landwehrartilleristen u. s. w-halten ihre alljährlichen Übungen bei den Truppenteilen des stehenden Heeres ab.
Dem territorialen Charakter gemäß, welcher in der Landwehr viel entschiedenerfestgehalten werden konnte als im stehenden Heere, haben deren Truppen auch eineganz andere Einteilung erhalten. Nach Bezirken zerfällt die Landwehr in 104 Ba-taillone, von denen jedes aus einem Jnsanteriebataillon und einer Cavalerie-(Ulanen')Schwadron besteht. Hiernach ergeben sich also 104 Jnfanteriebataillone und 10 ^Schwadronen, wozu noch 12 Garde-Landwehrbataillone ohne Cavalerie kommen-Je drei. solcher Bataillone werden zu einem Infanterie- und einem Cavalerieregimentzusammengefaßt, und führen eine, einem Linien-Infanterieregimente entsprechen^Nummer, ohne daß das letztere ausschließlich auf den Bezirk des Landwehrregiment§angewiesen wäre; nur mit den Brigaden gleicht sich dies aus. Die Stärke der Land*wehr läßt sich in bestimmten Zahlen selbstredend nicht angeben. Dieselbe Wechselund ist auch in den verschiedenen Bezirken verschieden, gerade weil alle von der Lin^Entlassenen zu ihr gehören und sich von diesen nicht in allen Bezirken gleich Vielvorfinden werden. Als Verhältniß der Stärke der Waffengattungen untereinandekann man annehmen, daß dieses für den Krieg etwa das folgende sein wird: Jnst"^terie zehn Dreizehntel; Cavalerie zwei Dreizehntel; Artillerie ein Dreizehntel.stimmtere Zahlen lassen sich aufstellen 1) für die Stämme: mit 116 Majors, 12^Unteroffizieren, 1656 Gemeinen, 116 Bataillonsärzten, 116 Büchsenmachern, ^Summa 5256 Mann; 2) für die Übungsmannschaften, welche während des rv! .dens alljährlich auf vorgeschriebene Zeit zu jenen Stammen eingezogen werden,
526 Hauptleuten und Rittmeistern, 550 Premierlieutenants, 1588 Secondelie"nants und Adjutanten, 8116 Unteroffizieren und Hautboisten und 80518 Geniesund Spielleuten, in Summa 91278 Mann.*) Tritt die Linie mit der Landw^zusammen, befinden sich also die Truppen auf dem Kriegsfuß, so kann man ^Verhältniß der einzelnen Waffen zueinander wie folgt annehmen: Infanterieundsechszig Neunundsiebenzigstel; Cavalerie elf Neunundsiebenzigstel; ArtillerieNeunundsiebenzigstel, und Pionniere ein Neunundsiebenzigstel.
Für die Formation der Landwehr zweiten AufgebotS fehlt es an genauernstimmungen. Sie schrillt nur in Jnfanteriebataillonen sormirt auftreten zu solle"'
Die Lruppenkörper.
der
Den Schlußstein des ganzen Heeresorganismus bildet nun die Darstellung -Truppen in bestimmten Truppenkörpern, und die Zusammenfassung dieser zu erArmeetheilen, die dann stark genug sind, um nach den verschiedenen Zwecken HVerwendung selbständig auftreten zu können. Das Princip der fortwährendenbereitschaft, welches das ganze Organisationssystem durchgingt, mußte dahin nw itedaß man für die Friedensformation auch die für den Krieg als zweckmäßig ^Ä^ngmaßgebend machte. Die letzten Kriege haben namentlich über die richtigeder Waffen, über die Verwendung nach allen Seiten hin selbständiger Truppe"ganz andere Ansichten verbreitet, und indem man diese als richtig anerkannte,man auch sofort in der Formation der Armee darauf Bezug. Namentlich " ^ßi-
ki-f-L ^ ^ <7- . ^ -c_der
treff dieses letzterwähnten Punkts findet sich in der Friedensformation
*) Beide letztere Zahlen sind aus der Budgetvorlage der Ministerien an die Kamnommen.
mcc"