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Fünfter Band.
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540 Der preußische Heeresorganismus im Jahre 1850.

ßern, wenn auch nur in einer Beziehung, wirklich einmal realisirt; dann aber wirddie praktische Zusammenführung der verschiedenen Wehrkräfte fruchttragender dafürwirken, daß sich die Nation auch in ihren untern Schichten als eine und dieselbefühlt, als die lautesten Deklamationen dies vermögen.

Die Marine.

Wenn die Wehrkraft Preußens in den Militairconventionen wahrend der letztenJahre von außen eine Verstärkung gewann, so wurde ihr gleichzeitig eine inneredurch die Anfänge einer preußischen Marine. Schon der Beginn des dänischenKriegs zeigte, daß eS eine Lebensfrage für Deutschland wie für Preußen sei, durchdie Organisation der vorhandenen Kräfte sich eine achtunggebietende Stellung auchzur See zu verschaffen. Hätte es aber noch eines weiter» Beweises bedurft, somöchte ihn der eben erfolgte traurige Abschluß des Friedens in genügender Weiseliefern. Es wurde denn auch schon im Jahre 1848 eine Marinecommission fürPreußen neben derjenigen für Deutschland niedergesetzt, welche die Vorarbeiten zueinem weiter» Vorgehen in die Hand nehmen sollte. In Folge ihrer Vorschläge wurdedie Marineabtheilung des Ministeriums geschaffen und ein Marinecorps errichtet.

Die technische Neichs-Marinecommission hatte gleichzeitig einen Plan zur Orga-nisation einer deutschen Flotte festgestellt. Man glaubte in Preußen bei der Aus-führung dieses Plans die Verhältnisse der Ostsee zu wenig berücksichtigt und in Folgedessen genöthigt zu sein, sich an der Thätigkeit für die Beschaffung einer Flotte fürdas Eesammtvaterland nicht in vollem Maße betheiligen zu dürfen. Indessen hieltsich doch die preußische Verwaltung bei dem Fortgange ihrer maritimen Einrichtun-gen an die Festsetzungen der Neichscommission, um in Zukunft keine Elemente indie deutsche Marine zu bringen, welche mit den in derselben vorhandenen nichtsammenpaßten. So wurde mit dem Bau von Kanonenschaluppen und Jollen derAnfang gemacht, und das Holz für zwei Dampfavisos und zwei Dampfcorvettennoch im Jahre 1848 angekauft. Von den in Preußen befindlichen See-Dampf*booten war nur das Postschiff „Preußischer Adler" völlig geeignet, vier schwere Ge-schütze zu tragen. Dasselbe wurde demgemäß eingerichtet, sowie die Armirung desPost-Dampfschiffs „Königin Elisabeth" und des Privat-Dampfboots „Danzig", jedesmit einem schweren Geschütz und zwei leichten, vorbereitet.

So waren im Juli 1848 schlagfertig: 1 Segelcorvette, 2 Dampfschiffe, 21Kanonenschaluppen, 6 Kanonenjollen, zusammen mit 67 Geschützen, 37 Offizierenund 1521 Mann. In der Formation und theilweise noch im Bau begriffen waren15 Kanonenschaluppen mit 30 Geschützen, I I Offizieren und 232 Mann. NachAbschluß deß Waffenstillstandes mit Dänemark wurde ein Theil der Offiziere ent-lassen oder auf unbestimmte Zeit beurlaubt, und der Stand der Mannschaft aufetwa 650 Köpfe reducirt.

Von den Ständen ward auf das Jahr 1850 für die Erhaltung des vorhande-nen Materials und für die Unterhaltung und Übung des Personals, das etwa einViertel der zur vollständigen kriegsmäßigen Bemannung des vorhandenen Materialsbenöthigten Stärke beträgt, 282448 Thaler verlangt, während für die nothwendigeVermehrung des vorhandenen Materials und seine Unterkunft 717550 Thaler ge-federt wurden. Beide Summen sind bewilligt worden.

Die Grundzüge der neuen Formation für den Frieden sind nun die folgenden.Zunächst fährt das königliche Dampfschiff „Preußischer Adler" auch während derZeit seines Frieden-gebrauchs als Postschiff mit einer der Kriegsmarine angehörigeNBemannung. Sodann ist die Segelcorvette „Amazone" völlig kriegsmäßig ausge*rüstet und bemannt, und führt eine Anzahl Kadetten am Bord. Zugleich wardein vorerst gemiethetes Transportschiff, mit Neservelebcnsmitteln befrachtet und,nächst den nöthigen Matrosen, mit einer Anzahl Schiffsjungen bemannt, zu größernFahrten in Dienst gestellt. Man bezweckt damit eine gründliche Heranbildung vonOffizieren, Kadetten und Matrosen für den Kriegs-Marinedienst und die successive