Frankreich im Zahrzehnd vor der Februarrevolution. 541
Gewinnung eines Stammes tüchtiger Unteroffiziere aus dem Schiffsjungen-Institut.Außerdem wird als Stammannschaft für die vollständige, kriegsmäßige Ausrüstungder aus 36 Kanonenschaluppen und 6 Kanonenjollen bestehenden Küstenflotille einesolche Anzahl Marine-Unteroffiziere unterhalten und für den Dienst eingeübt, daßdavon bei der Kriegsausrüstung jedem der genannten Fahrzeuge ein Marine-Unter-offtzier, jeder Schaluppe sieben Matrosen, jeder Jolle vier Matrosen abgegeben wer-den können. Um dieser Matrosen-Stammannschaft die nöthige Ausbildung zu ge-winnen, wird eine Division von neun Schaluppen vollständig bemannt erhalten. Die-selbe soll alljährlich während drei Monaten größere Übungen ausführen. Für dieseDivision, ferner zur Hergäbe der Detachements an Bord der größer» armirtenSchiffe, sowie zum Wachtdienst in den drei Marinedepots zu Stettin, Stralsundund Danzig, sind aber endlich als Stamm des Marinecorps zwei Marinecompagniengebildet, welche dem regelmäßigen Ersatzturnus bei dreijähriger Dienstzeit unterliegen.
Die jeht (1850) in Angriff sich befindenden Neubauten gehen einmal auf dieErrichtung eines Marineetablifsement für die Küstenflotille auf dem Dänholm beiStralsund, dann aber auf die Herstellung von zweä Kriegsdampfschiffen von derClasse der Avisoschiffe und Korvetten hinaus.
Man ersieht aus dem Vorgehenden, wie das bisjetzt Geschaffene, so vielver-sprechend es auch sein mag, doch nur immer als Anfang gelten kann. Es liegtferner zutage, daß, soll Deutschland überhaupt zu einer Entfaltung seiner Kräftezur See gelangen, die Gesammtheit des großen Vaterlandes ihre Kräfte in derselbenRichtung anspannen muß, und daß ein engerer Anschluß der preußischen maritimenBestrebungen an diejenigen Deutschlands gewiß wünschenswerth ist. Darf man aberin Dem, was hisjetzt geschah, nur ein Provisorisches erblicken, so könnte ein nähe-res Eingehen auf dasselbe leicht als voreilig und zu frühzeitig erscheinen.
Wir sind somit an den Schluß unserer Darstellung gelangt. Wenn es darge-legt wurde, wie der preußische Heeresorganismus auf die Betheiligung der ganzenNation begründet ist, wie er die höchstmögliche Entwickelung ihrer Wehrkraft vor-bereitet, wie er sich mit den sittlichen Grundlagen ihres Lebens im Einklang befin-det, wie ihm geschichtliche Erinnerungen eine erhöhte Spannkraft verleihen: so wirdhier wol die Behauptung gerechtfertigt erscheinen, daß durch ihn Preußen die Befähi-gung erlangt hat, die ihm von der Geschichte gestellten Aufgaben, wenn es Noththut, auch mit dem Schwerte durchzuführen. Möge es diese Aufgaben erfassen,möge es erkennen, welche unendliche Kraft in seinem Volke wohnt, wenn es für einenationale Sache zu den Fahnen tritt! Möge durch den chaotischen Wirrwarr derJetztzeit hindurch der Ruf Deutschlands zu ihm dringen, und es an seiner Spitzedie alte Größe der Nation in erneutem Glänze wieder aufrichten!
Frankreich im Jahrzehnt» vor der Februarrevolution.
Die politische Lage der Zuliregierung; die Quadruplcallianz, die orientalische Angelegenheit;Sturz dek Ministeriums vom I. März; Bildung des Ministeriums vom 29. Oct.;Wiedereintritt Frankreichs in das europäische Gleichgewicht.
8ür daS Julikönigthum waren von jeher zwei Arten der Politik denkbar: die Po-litik der Vereinzelung, und die des Bündnisses. In Folge der Julirevolution standFrankreich wirklich vereinzelt da, und hatte entweder in diesem Zustande zu verharren,»der sich einen Verbündeten zu suchen. Das Erstere wäre gewagt und vielleicht ge-fährlich gewesen. Frankreich hätte alsdann nur durch Drohungen in der europäischenPolitik mitwirken können, vielleicht gar nur mit den Waffen in der Hand; der Krieg