Band 
Fünfter Band.
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544
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544 Frankreich im Jahrzehnd vor der Februarrevolution.

die französische Regierung erst nach dem Abschlüsse des Vertrags von demselben be-nachrichtigt, ohne zuvor ein letztes mal angefragt und derselben zum Nachdenken Zeitgegeben zu haben. Der Unwille Frankreichs war übrigens um so gerechter, als dieVerbündeten beschlossen, im Falle der Weigerung von Seiten des Pascha augenblick-lich zu Gewaltmaßregeln zu schreiten, ohne einen Notenwechsel abzuwarten. DieseStrenge ließ eine Zeit lang wirklich vermuthen,, daß Frankreich dem Pascha, stattzur Unterwerfung, vielmehr zum Widerstände gerathen hatte; aber wir brauchen nurdas folgende Schreiben von Thiers an den französischen Geschäftsträger anzuführen,um das Gegentheil zu beweisen. Aus diesem Schreiben wird man gleichzeitig er-sehen, unter welchen Bedingungen Frankreich die orientalische Angelegenheit geordnetwissen wollte. Thiers schreibt am 17. Sept. 1840: „Die Regierung des Königshat mit lebhafter Zufriedenheit den Erfolg Ihrer Bestrebungen vernommen, um Me-hemed Ali begreiflich zu machen, was die Umstände von ihm verlangen. Die Be-dingungen, die er sich anzunehmen entschlossen hat: «Ägypten erblich und Sy-rien auf Lebenszeit, mit der Wiedererstattung von Kandien, Adana und denheiligen Städten an die Pforte», sind diejenigen, die wir immer als die Grund-lage eines genügenden und ehrenvollen Vertrags zwischen den beiden beseitigten Par-teien betrachtet haben. Selbst die beschränkte Erblichkeit Ägyptens würde den Vice-könig über den Rang eines einfachen Beamten erheben, um ihn zu einem Fürstendes osmanischen Reichs zu machen. Der lebenslängliche Besitz von Syrien ließeihn im Besitze des wahrhaft nützlichen Theils seiner Eroberungen, desjenigen, derfür ihn ein wahrhaftes Element der Größe und Macht ist."

Wenn man bedenkt, daß Östreich mit Frankreich gleichzeitig Ägypten erblich, undstatt Syrien St.-Jean-d'Acre auf Lebzeiten an den Pascha verliehen haben wollte, jasogar dafür die Zustimmung der andern drei Verbündeten erhalten hatte: so muß rnauannehmen, wie es sich in der That weniger um eine Schlichtung des orientalisch^Streits, als um eine Demüthigung Frankreichs gehandelt habe. Indessen suchte LordPalmerston seine Politik zunächst Guizot, dem damaligen französischen Gesandten MLondon gegenüber, zu rechtfertigen. In dem „Memorandum", das er Guizot un-mittelbar nach dem Abschluß des Julivertrags übergab, sagte er im Ganzen Folgen-des: Die französische Regierung hat im Lause der Unterhandlungen, die im Herbstevorigen Jahres begannen, nicht allein die „öftersten", „offenbarsten" und „unleug-barsten" Beweise erhalten, daß die Höfe von Ostreich, Großbritannien, Preußen undRußland den Wunsch eines Einverständnisses mit der französischen Regierung üb^die nöthigen Verträge zur Herstellung des Friedens im Oriente hatten, sondern auchdie Beweise von der großen Wichtigkeit, die die Höfe der moralischen Wirkungzuschrieben, welche eine Vereinigung und Mitwirkung der fünf Mächte in einer An-gelegenheit von so bedeutendem und an den europäischen Frieden so eng geknüpftesInteresse erzeugen mußte. Nun, fährt Lord Palmerston fort, haben die Höfe aber„mit dem größten Bedauern" gesehen, daß ihre Bestrebungen gescheitert seien: Frau -reich habe sich allen Vorschlägen widersetzt. Da man also die Wahl gehabt, eu ^weder den Frieden Europas preiszugeben, oder ohne Frankreich zu handeln, soman das Letztere vorgezogen. Die Mächte bedauern sehr, daß sie sich deshalb lden Augenblick von Frankreich haben trennen müssen, und wünschen ein schleumg ,herzliches Einverständniß. Die Heuchelei ist hier offenbar: man sollte meinen,Palmerston habe selbst die Unziemlichkeit des Streichs eingesehen, und sich..,müht, die Pille zu vergolden. Als er Guizot am 17. Juli das Memorandum " ^

gab, protestirte dieser augenblicklich und antwortete nur auf einzelne Phrasen, lNer sich die eigentliche Antwort vorbehielt. Das englische Cabinet suchte die wlcyAngelegenheit einige Tage geheimzuhalten; der Sturm brach aber bald i^woFrankreich wie in England los, wo ein Theil der Presse sich entschieden gegenPalmerston's Politik auSsprach. r. L wie

Der bedeutsamste Zug in dieser verwickelten Angelegenheit war der, day,Guizot am 22. Juli 1840 an Thiers schrieb, die entscheidende vorwandliche uri