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Fünfter Band.
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546
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546 Frankreich im Iahrzehnd vor der Februarrevolution.

Thiers' Politik ging von jeher auf engste Verbindung Frankreichs mit Eng- >

land: er ließ dieser seiner Lieblingsidee zu Gefallen sogar die Unterordnung der <

französischen Seemacht unter die englische zu. Sein Bruch mit England war .

also ein gezwungener, kein natürlicher. Auch war er stets beiweitem weniger krie- i 1gerisch gesinnt als man 1840, wo er die ganze Janitscharenmusik, die Frankreich !

damals anstimmte, allein zu blasen schien, geglaubt hat. Seine Lage war ihm !

von seinen Vorgängern im Cabinete, noch mehr aber von der Kammer, die der i

Regierung damals für einen Augenblick das Heft aus der Hand gewunden hatte, 1

bereitet worden. Indem er das Ministerium übernahm, trat er natürlich auch die r

schwere Erbschaft an, und gerieth so in einen Weg, dem er mit dem Herzen nicht z

folgte. Da nun außerdem der Julivertrag der Mächte in die Zeit seines Mini- o

steriums fiel, mußte er die ihm unliebe Spannung wol mehr als je aufrechthalten. r

Dieselben Mächte, welche 18 !4 und 1815 gegen Frankreich verbündet gewesen, hat- r

ten aufs neue dessen Einfluß aus die europäischen Angelegenheiten zu hemmen ge- ri

sucht; und wenn Frankreich nicht der Voraussetzung Recht geben wollte, daß es wol k

schmollen, aber nicht handeln würde, weil seine Factionen im Innern es an einer l,

großen Politik nach außen verhinderten, mußte es sich mindestens waffnen, und zwar e

ernstlich, mit Vermeidung jedes Verdachts, daß es sich nur um ein Gaukelspiel n

handele. Dies geschah denn auch. Man verstärkte die Grenzfesten, hob neue Sol- ?baten aus, schaffte Waffen an, befestigte sogar Paris. Die Kammern hielten zu v

dieser Zeit keine Sitzungen, und die Regierung glaubte ihre Macht nicht zu über- a

schreiten, wenn sie ohne deren Zustimmung Rüstungen unternahm. Die plötzliche 8kriegerische Haltung Frankreichs warf einen Feuerbrand in ganz Europa: man glaubte 1 k

Frankreich sei wieder revolutionär geworden und wolle einen Propagandakrieg wa- - dl

chen. Man schien dabei zu übersehen, daß Frankreich diesmal der angegriffene Thel siwar, und daß Thiers die vereinzelte Stellung, die man dem Lande bereitet, witWürde annahm, aber keinen Krieg aus Princip wollte. Nun ging Frankreich aber Hdoch nicht so weit, seine Flotte dem Pascha zu Hülfe zu schicken, was allerdings L

eine offene Kriegserklärung gewesen wäre, jedenfalls aber auf die Haltung Mehemed F

Ali's den größten Einfluß ausgeübt haben würde. Man sprach vielmehr nur von . d<

einem möglichen Kriege im nächsten Frühjahr, und berief die Flotte von Alexandrien ^ lb

nach Toulon zurück, um sie dort, wie man sich diplomatisch ausdrückte, auf die n,

Spitze des Telegraphen zu stellen. Thiers hatte die Verantwortlichkeit dieses wich- ihtigen Actes übernommen: er durfte dies, da er einerseits entschlossen war, den w

Krieg vor dem Frühjahr nicht anzufangen, und andererseits der Zustimmung der w

Krone zur Fortsetzung der Bewaffnung sicher zu sein glaubte. Allein bald stellte in

sich heraus, daß er sich bitter getäuscht hatte. Sei es, daß Ludwig Philipp den de

Krieg von jeher um keinen Preis, sondern durch ein Gaukelspiel nur die Festungs- K

werke von Paris erringen wollte; sei es, daß die plötzliche Furcht vor einer möglichen re

Erschütterung seines Throns bei einer so sieberischen Bewegung ihm den Muth be- vc

nahm; sei es, daß er seine Minister wirklich ganz verrieth, indem er, wie man ihin rjl

lange nachsagte, die auswärtigen Mächte heimlich wissen ließ, es handele sich nur in

darum, dem Lande durch die Rüstungen eine gewisse Genugthuung zu geben: soviel b«

ist gewiß, daß, als Thiers die Vervollständigung und eigentliche Nealisirung der De- sc!

waffnungen wollte und ebendeshalb die Kammern einberief, Ludwig Philipp fü

Zustimmung verweigerte und die Thronrede zur Eröffnung der Kammern weniger Nrkriegerisch wünschte als das Cabinet. Diesem war hiermit eine Gelegenheit gegeben, jsich ohne Weiteres mit Ehren, ja mit einem gewissen Anschein von Größe zurück^ scl

zuziehen, wobei es aber allerdings die Krone nicht allein physisch, sondern auch wo- iv

ralisch blosgestellt hätte. Physisch, insofern der König um neue Räthe verlegen war, Ur

und eine Ministerkrisis in diesem Augenblicke eine weit größere hätte zur Folge ha- ze

ben können; moralisch, insofern sich alsdann unzweifelhaft herausgestellt, daß der rn

ganze schmähliche Rückzug dem König zur Last fiel. Thiers hatte in der Note vow al

8. Oct. 1840 das Ultimatum seiner Politik veröffentlicht und, indem er nur aus