Band 
Fünfter Band.
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552
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552 Frankreich im Jahrzehnt) vor der Februarrevolution.

lipp in Harnisch, und foderte Guizot auf, Bresson zu einem feierlichen Widerrufezu zwingen. Der König wollte nimmermehr, daß beide Heirathen gleichzeitig voll-zogen würden, damit England ja nicht Frankreich Absichten auf den spanischen Thronzuschreibe. Ludwig Philipp ging sogar soweit, die Form der Widerrufung zu be-stimmen: die Konigin von Frankreich sollte an Marie Christine, und Guizot anBresson schreiben; Letzterer sollte Marie Christinen den Brief seines Ministers vor-lesen und ihr eine Abschrift davon zurücklassen. Man sollte sagen: Bresson's Wunsch,der Konigin gefällig zu sein, habe ihn seine Vollmachten überschreiten lassen. DerKonig der Franzosen wünsche zwar immer noch die Vermählung seines Sohnes mitder Jnfantin; aber erst nachdem die Heirath der jungen Königin mit einem Bour-bonischen Prinzen vollzogen worden, könnten die Unterhandlungen wegen der zweitenHeirath beginnen.

Während Ludwig Philipp auf diese Weise den Sieg vonsichwies, erhielt derenglische Gesandte in Madrid, Bulwer, die Weisung von Lord Palmerston, daß derPrinz von Koburg der wirkliche Candidat Englands sei. Nun gerieth Ludwig Phi-lipp erst in Angst und beeilte sich, Bresson's Zugeständniß zu bestätigen. So kamenjene wichtigen und vielbesprochenen spanischen Heirathen zustande, die gewiß zu denbedeutendsten diplomatischen Siegen gehören, welche je ein Cabinet über ein anderesdavongetragen hat. Ludwig Philipp aber fehlte eS in Frankreich nicht allein anSympathie für den errungenen Sieg, sondern sein Ministerium wurde im Gegen-theil von allen Seiten deswegen angegriffen. Ein wie schlimmes Zeichen dies auchrücksichtlich der Volksthümlichkeit des Königs war, so geschah doch auch der Wider-spruch keineswegs ohne gute Gründe. Der friedliebende Monarch hatte möglicher-weise einen Kriegsfall herbeigeführt, und für diesen war das Ergebniß dann dochwieder zu klein. Ganz anders würde die Nation dem Könige entgegengekommensein, wenn er es hätte durchsetzen wollen, seinen Sohn der Königin selbst zu ver-mählen. Aber man kannte die Treulosigkeit des englischen Cabinets nicht, und sahdie ganze Angelegenheit ganz einfach so an, als ob Ludwig Philipp das theuer er-kaufte englische Bündniß einer reichen Privatheirath wegen aufs Spiel gesetzt hätte.Wahr ist allerdings, daß der König jeden Schein einer größer» politischen Absichtbei dieser Heirath zu vermeiden suchte. Welchen Vortheil konnte also die Nationfür sich dabei erkennen? Dennoch handelte die französische Opposition unpolitischund unnational, als sie einen offenbaren Sieg über die englische Politik ohne Wei-teres tadelte. Für die europäische Politik hatten die spanischen Heirathen zunächstkeine andern Folgen, als daß die absolutistischen Mächte, gestützt auf das ZerwürfnißFrankreichs und Englands, die Republik Krakau ungestört aufheben konnten. Wirbemerkten schon, daß Frankreich es in Spanien mit der gemäßigten Partei hielt,während England die demokratische unterstützte. Als nun die Königin von Portugalihren bekannten reactionairen Staatsstreich versuchte, fürchtete Frankreich, obgleich inPortugal das umgekehrte Verhältniß stattfand und die Liberalen sich zur Abschaffungdes englischen Jochs mehr auf Frankreich stützten, die gemäßigte Partei in Spanienund mit ihr den spanischen Thron zu erschüttern, wenn es zu Gunsten der Liberalenin Portugal einschritte. Daher gerieth Frankreich in die falsche Lage, sich zu Gunstender Königin Donna Maria auszusprechen, und als Lord Palmerston dies sah, wollteer den Junten den entschiedensten Beistand Englands zusichern. Aber diesmal griffder persönliche Wille der Königin Victoria durch, die als Verwandte Donna Maria'skeine offenen Feindseligkeiten wünschte. So kam denn das gemeinsame EinschreitenFrankreichs, Englands und Spaniens zu Stande, und die Ruhe wurde in Portugalwiederhergestellt, nachdem die Königin ihre unconstitutionellen Verfügungen zurück-genommen, das Ministerium aufgelöst, Amnestie ertheilt und die Cortes zusammen-Lerufen hatte.

Ein anderer Berührungspunkt zwischen Frankreich und England bot sich in derAngelegenheit von La Plata dar. Beide Cabincte hatten je einen Agenten dorthingesendet, die gemeinsam folgende Vorschriften mitsichführten: Die kriegführenden Par-