560 Frankreich im Jahrzehnt) vor der Februarrevolution.
schlecht vertheilt, und das Capital ging auf eine immer kleinere Masse von Menschenüber, sodaß die kleinern Eigenthümer täglich mehr verarmten. Die Hypothekenschuldin Frankreich betrug in den letzten Jahren der Juliregierrmg wenigstens 12'/r Mil-liarden, und die Anzahl der Auctionen von Gerichtswegen hatte in erschreckenderWeise zugenommen: 1841 verkaufte man 4016, 1847 aber 7659 Güter. Der Werthder verkauften Güter betrug von 1856—40 jährlich im Durchschnitt 1,507,000000,von 1841—47: 1,568,000000. Diese Zahlen sprechen lauter als alle Angriffredenin der Kammer gesprochen haben.
Um gerecht zu sein, mag jedoch bemerkt werden, daß die Juliregierung erstlichdurch den Krieg mit Algier das Budget des Kriegs bedeutend vermehren mußte,und daß sie ungleich mehr öffentliche Arbeiten ausführte als die Restauration. Letz-tere hatte 1829 nur 44,921574 Francs für öffentliche Arbeiten ausgegeben; dieJuliregierung brachte es auf 185 und 190 Millionen jährlich. Für 1848 würdendie Ausgaben für öffentliche Arbeiten mehr als 200 Millionen betragen haben. DieOpposition hat der Regierung vorgeworfen, daß sie diese öffentlichen Arbeiten zumTheil aus bestechlichen Absichten unternehme, um dadurch locale Interessen zu for-dern, für welche man ihr alsdann hülfreich die Hand biete. Soviel ist gewiß, daßwenn Ökonomisten wie Michel Chevalier auch Recht haben, die Anwendung solcherSummen im Allgemeinen zu loben und den Reichthum eines Landes nach seinen Aus-gaben zu schätzen, eine rechtmäßig vertheilte Besteuerung diese Ausgaben allein rechtfer-tigen könnte. Sie rechtfertigen sich aber nicht, wenn, wie dies in Frankreich der Fallwar, die Ärmern verhältnißmäßig mehr dazu beitragen als die Reichen. Das B"d'get des Kriegs, das im Jahre 1829: 215 Millionen betrug, steigerte sich 1845 am559 Millionen; das Budget der Marine von 74 auf 98 in demselben ZeitraumsMichel Chevalier selbst hat nachgewiesen, daß Frankreich vom 1. Jan. 1859 biszum 51. Dec. 1846, im Vergleich mit England, nur wegen seines Kriegbudgetum 1200 Millionen ärmer geworden ist. Die Eisenbahnbauten, gegen derenlichkeit an sich nichts eingewendet werden kann, trugen für die genuß- und gewinn-süchtige französische Gesellschaft den Übelstand mit sich, daß die Actien zu einer maß-losen Speculationswuth Veranlassung gaben, wodurch in letzterer Zeit eine Menge vonFamilien verarmten. Die unbegrenzte Concurrenz, deren Beschränkung die konserva-tiven Ökonomisten anempfahlen, hatte in Frankreich einen völligen Ruin mittelmä-ßig begüterter Häuser zur Folge. In Paris richteten riesige, von reichen Gesell-schaften errichtete Handlungsha'user und Waarenmagazine die kleinern zugrunde, undder Luxus in Laden und Waaren machte es bald nur den großem Capitalien mög-lich, Geschäfte zu errichten und zu erhalten. Dazu kamen in den letzten Jahren eineallgemeine Geld- und Handelskrisis, Getreidetheuerung und ähnliche die Unzufrieden-heit vergrößernde Unfälle.
Nichts aber wirkte mehr auf die Demoralisation der Massen ein als jene Recheskandalöser Ereignisse, an denen namentlich das Jahr 1847 so überreich war. O"Pair von Frankreich, ein Mann arrs der unmittelbarsten Nähe des Hofs, der Herzogvon Praslin, ermordete seine Frau, die Tochter des Marschalls Sebastian!, unter denscheußlichsten Umständen. Er wird gefangengenommen, und soll vor den Pairshosgestellt werden, als man wahrnimmt, daß er noch Zeit gefunden hat, sich zu vergn^ten und so durch Selbstmord dem Schaffet zu entgehen. Nach seinem Tode werdeBriefe veröffentlicht, aus denen sich ergibt, daß er ein vertrautes Verhältniß mttErzieherin seiner Kinder gehabt hat, und wegen dieser Person daS Zerwürfniß "iseiner Frau bis zu deren Ermordung steigerte. Der General DepanS-Cubiere,Pair von Frankreich und ehemaliger Kriegsminister, und der ehemalige Minister Tej /einer der Präsidenten des Cassationshofs, wurden, der Eine wegen Bestechung,Andere wegen Bestechlichkeit, von dem Pairshofe verurtheilt; und nach demLeugnen mußte Letzterer endlich eingestehen, 100000 Francs für die Ertheilung elConcession zur Anlegung von Minen angenommen zu haben. Er versuchte stchGefängniß selbst zu erschießen, und man sagte allgemein, sein eigener Sohn habe ry