Band 
Fünfter Band.
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Das Königreich Sachsen. 583

Person des Prinzen. Man besorgte für den Abend unruhige Auftritte. Wie ge-wöhnlich brachte das Mufikcorps der Communalgarde dem Prinzen einen festlichen .Zapfenstreich. Der Prinz saß mit mehren Offizieren der Communalgarde und derGarnison sowie andern Eingeladenen im Hotel de Pruste bei Tafel. Mit dem Mu-sikcorps fand sich eine zahlreiche Menschenmenge vor dem Hotel ein, aus deren Mittezuerst — wie es schien, auf Verabredung — der Gesang des Lutherlieds: „Einefeste Burg", sodann vereinzelte und verworrene Rufe.: Nonge lebe hoch! Fort mitden Jesuiten! u. s. w. ertönten, immer lauter und tobender, je weniger man drinnendavon Notiz nahm o^der von außen her etwas geschah, um die Menge zu zerstreuen.Die Spitzen der Behörden waren beim Prinzen versammelt; aber keiner dieser Männerhatte den Muth oder die Entschlossenheit, zur Menge zu reden und sie von ihremfrevelhaften Beginnen abzumahnen. Die auf dem Platze anwesende schwache Poli-zeimannschaft vermochte gegen den Strom nichts auszurichten. Mit banger Span-nung erwarteten die zahlreichen friedlichen Zuschauer, welche in einiger Entfernung,von den höher gelegenen Promenaden aus, dem Skandal beiwohnten, das Herannahender Communalgarde, um demselben ein Ende zu machen. Als der tobende Haufedie ersten, gemäßigten Kundgebungen seines souverainen Unwillens nicht beachtet sah,ging er zu stärker» und gewaltthätigern über: Steine flogen gegen die Fenster unddas Thor des Hotels; man versuchte einzudringen, stand aber davon ab, als die Po-lizeimannschaft Widerstand leistete. Da plötzlich rückte eine starke Abtheilung Schützenvon der Garnison der Stadt im Sturmschritt heran und stellte sich vor dem Hotel

auf. Die Menge wich zurück, und der weite Platz vor dem Hotel ward frei. Da§

Geschrei verstummte, die Masse wogte zwar noch hin und her, die Vorder» warfensich nach rückwärts, die Hintern drängten nach vorn, einzelne Steine wurden gegendie Schützen geschleudert, doch schien im Ganzen der Tumult im Abnehmen, dieMenge im Verlaufen. Da — mit einem mal, ertönen rasch nacheinander zwei Ge-wehrsalven; viele Menschen fallen getroffen nieder, der Platz und die Promenadenleeren sich, Alles stürzt in die innere Stadt. Aber hier erhebt sich jetzt ein Wuth-geschrei, welches bald in allen Theilen der Stadt sein Echo findet, über das muth-

willige Schießen und den Verlust so vieler Menschenleben. Wie sich später ergab,hatten die Kugeln fast nur fernerstehende, am Tumult nicht betheiligte, zum Theilblos zufällig vorübergehende Personen getroffen. Die Studenten erbrechen den Fecht-boden, bewaffnen sich und stürmen durch das innere Thor nach dem Schauplatz des Blut-vergießens hinaus, mit ihnen eine wieder zusammengerottete Menge. Mit Mühe hälteine Abtheilung der Communalgarde, welche das Thor beseht hat, sie zurück, andereAbtheilungen zerstreuen die auf dem Platze draußen sich von neuem sammelnden Hau-fen. So wird die Ruhe während der Nacht aufrechterhalten. Aber am andernMorgen haben sich abermals vor dem Hotel des Prinzen und längs des Wegs, dener bei seiner erwarteten Abreise nehmen muß, drohende Gruppen gebildet. Der Prinzwird, als er aus dem Hotel fährt, mit Verwünschungen empfangen und verfolgt, jaMan wirft Steine nach seinem Wagen, der im raschesten Galopp, unter Bedeckung.einer Abtheilung reitender Communalgarde, auf Nebenwegen das Stadtthor und dasfreie Feld erreicht.

Die Erbitterung, welche in der Stadt herrschte, war unbeschreiblich. Daß dasMilitair durch sein rasches, ungerechtfertigtes und nicht einmal vorher gehörig ange-kündigtes Feuern die Grenze der Mäßigung, wenn nicht des gesetzlichen Machtge-Lauchs überschritten habe, darüber war fast nur eine Stimme. Der Tod und die^erwundung so vieler erwiesenermaßen Unbeteiligter erschien als ein lautredendes^bugniß gegen dasselbe. Ein nicht minder schwerer Anklagepunkt war der, daß man^ücht vor dem Einschreiten des Militairs die Communalgarde zur Herstellung derOrdnung verwandt habe, wie es das Gesetz vorschrieb. Dadurch, meinte man, hättedas Blutvergießen gänzlich vermieden werden können, denn der Communalgarde würdedö gelungen sein, ohne Anwendung äußerster Gewalt das Volk zu zerstreuen. Vielewaren geneigt, in der verfrühten Anwendung des regulairen Militairs zur Bekäm-