Das Königreich Sachsen.
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der Versammlung ward von der Menge nicht versucht, von der Versammlung selbstdurch ihre feste und gemessene Haltung im voraus abgewiesen. Dem Ansinnen, ditVerhandlungen aus dem gewöhnlichen Locale in ein geräumigeres zu verlegen, damitein größerer Theil des Volks ihnen beiwohnen könne, ward entschieden widersprochen,weil man damit das Ansehen der Versammlung und ihre Herrschaft über die sieumgebende Menge zu gefährden fürchtete, und die Menge ihrerseits bestand nichtweiter darauf. Zwar bildete sich noch ein zweiter Mittelpunkt der Bewegung in dentäglichen, zahlreich besuchten und oft ziemlich aufgeregten Versammlungen des Rede-übungsvereins im Schützenhause, eine Wiederholung jener Schützenhausversammlun-gen des Jahres 1845; aber diese Versammlungen ließen sich jetzt nicht beikommen,die gesetzlichen Gemcindeorgane zu terrorisiren — eine Folge des entschlossenen Vor-angehens der letztem in Dem, was die Lage der Verhältnisse gebot. Die äu-ßere Ruhe der Stadt ward nicht gestört. Zwar durchzog gewöhnlich noch am spa-ten Abend eine zahlreiche, aus jenen Versammlungen kommende Menge — oft vieleHunderte stark — die Straßen und brachte dem oder jenem Wortführer der allge-meinen Stimmung ein Lebehoch. Allein nirgend kamen wahrend der fast vierzehn-tagigen Zeit, durch welche die Erregung anhielt, Excesse vor, eine einzige tuwul-tuarische Scene an dem Hause eines Bürgers ausgenommen. Zur Unterstützung derCommunalgarde in Aufrechthaltung der Ruhe bildeten sich zahlreiche freiwillige CorpS.So bot Leipzig zwar äußerlich einen ziemlich kriegerischen Anblick dar, allein im Innernherrschte Eintracht und Ordnung. Allerdings steigerte sich von Tag zu Tag dieAufregung, die Erhitzung der Gemüther, mit jeder unbefriedigenden Antwort, die vonDresden kam, mit jeder Nachricht, die einen neuen Fortschritt der Volksbewegungin andern Theilen Deutschlands meldete (wie solche namentlich immer zahlreicher ausden südlichen Staaten einliefen), wuchs die Erbitterung über die Zurückweisung derso gemäßigten Federungen, die man hier stellte, über die Verblendung und Hart-näckigkeit, womit das herrschende System sich gegen den erklärten Volköwillen zu be-haupten versuchte, über die Erfolglosigkeit dieser so friedlichen Agitation, von der man,so begannen die Heftigern zu predigen, endlich, da Alles nichts helfe, zu einer wirk-samern, thatkräftigern übergehen müsse. Mit Mühe hielten die Besonnener« denAusbruch ungesetzlicher Kraftäußerungen zurück; aber schon begann auch den belieb-testen Lenkern des Volks bange zu werden um dr'e Möglichkeit, länger den Strom"i den geordneten Bahnen zu erhalten; schon tauchten neue Führer und neue Ele-mente der Bewegung auf, welche dem zügelnden Wort Jener nicht gehorchen woll-en; schon zeigten sich Spuren einer socialen Strömung neben und inmitten der po-etischen. Wenige Tage noch, und nach Erschöpfung aller Mittel und aller Stufenber friedlichen Agitation mußten die gesetzlichen Organe, welche bisher die Bewegungbeherrscht hatten, entweder ihren Platz und ihre Macht an andere Gewalten abtre-Ai, oder selbst die Bewegung, um ihrer Herr zu bleiben, in neue, der gesteigertenErregung entsprechende Bahnen hinüberleiten!
Die Lage Leipzigs war aus dem Grunde so schwierig, weil die von hier ausgegan-gene Agitation weder im übrigen Lande eine ausreichend wirksame Unterstützungin den auswärtigen Ereignissen einen sichernden Rückhalt fand. Zwar war in^elen süddeutschen Staaten das alte System gestürzt; zwar hatte der Bundestag^bst die bisher so straffen Zügel etwas nachgelassen, hatte in einer Ansprache vorn- März sich an das Vertrauen der Nation, das so lange mit Füßen getretene,^wendet, hatte drei Tage darauf die 30 Jahre lang hartnäckig aufrechtgehalteneZensur preisgegeben; allein von jener Bewegung im Süden durch einen weiten^^schcnraum getrennt, angelehnt an die beiden Großstaaten, in denen zur Zeitrio^ Ebiu Rückschlag der dortigen Vorgänge sichtbar war, konnte man hier immerÜo Ersuchen, das alte System aufrechtzuerhalten und die alleinstehende Oppofi-u einer einzelnen Stadt mit Gewalt zu ersticken. Im Lande begann es sich zwarlegen z aus vielen Städten, namentlich des Erzgebirges, kamen nicht nur Dank-