Die Engländer und Russen in Persien und Mittelasien. 641
ein Theil der Kisilbasch durch das Land der Hasarah nach Kabal ziehen, um ihmin der Eroberung Peschawers beizustehen. Wäre dies aber aus irgend einem Grundenicht möglich, so werde man Dost-Muhammed mit Subsidien unterstützen. Dies seija sehr leicht, denn der Schah schulde dem Kaiser große Summen. Witkowitsch er-klärte, es sei seine Absicht, nach Lahor zu gehen; er wolle zwischen Rußland unddem Maharadschah einen freundschaftlichen Verkehr anknüpfen; auch müsse er ei-nen Bericht über die Macht der Hülfsquellen des Reichs der Sikh nach Peters-burg senden.
Der Kriegszug nach Afghanistan wird beschlossen.
Die Afghanen wußten recht gut, daß Persien vorgeschoben werde, Rußland aberin der That der Hebel aller Bewegungen sei in Chorasan wie in Indien. Es warenja die Afghanen in den letzten Jahrzehnden durch mancherlei Beziehungen des Han-dels, der Politik und Religion mit Rußland, mit seinen Wünschen und Interessennäher bekannt geworden. Ein Enkel des Siman-Schah, welcher in Bochara län-gere Zeit gefangen gehalten wurde, kam als Flüchtling nach Orenburg, ging vonhier nach Petersburg und ward dem Kaiser vorgestellt. Die sunnitischen Af-ghanen, welche nach Mekka wallfahrten, nahmen nicht selten ihren Weg über Ruß-land; die viel nähere Straße über Zran war ihnen durch das fanatische Benehmender schiitischen Perser verleidet. Durch diese mannichfachen Verbindungen erfuhrendie Afghanen viel von den Hoffnungen und Bestrebungen Rußlands in Betreff Mit-tel- und Südasiens. So schreibt der Gesandte des Emir von Kabal an dem Hofezu Teheran: Die Russen sind eifrig bemüht, einen Weg nach Indien zu erhalten;sie wollen gegen die Engländer ziehen. Und dies war in der That die Sprache derrussischen Agenten in den dreißiger Jahren, denen man allenthalben in den Grenzlän-dern Indiens begegnete. Der Zar, so hieß es, hat sich mit Persien und der Türkeiverständigt; jetzt wolle man gegen Turkestan und Kabal bis zu den Grenzen Hin-dostans den Einfluß und die Herrschaft Rußlands erweitern. Rußland suchte sich,wo dies nur immer möglich, durch Geld Freunde zu erkaufen. Für Dost-Muham-med waren bereits 40000 Dukaten angewiesen ; die Sirdars von Kandahar hatten10000 erhalten, und der Agent verhieß ihnen eine gleiche Summe, wenn sie alleihre Macht sammeln und gegen Herat aufbrechen würden. Die Häuptlinge waren auchhierzu entschlossen und suchten selbst die Emir von Sindh, durch große Versprechungen,M das russische Interesse zu ziehen. Die indische Regierung faßte nun, mit vollerZustimmung des Vorsitzenden der Oberaufsichtbehörde oder des Ministers für die in-dischen Angelegenheiten, Sir James Hobhouse, den Entschluß, diesem gefährlichen3»itriguenspiel in ihren westlichen Grenzla'ndern durch Waffengewalt zu begegnen, einZerfahren, das von Burnes nicht blos gebilligt, sondern angerathen wurde. MitAnrecht wird hier und da das Gegentheil behauptet. „Nach reiflichem Nachdenken überdie jetzt in Mittelasien vorgehenden Ereignisse ist es meine feste Überzeugung", so schreibtder einsichtvolle Reisende und Staatsmann an die Regierung zu Kalkutta, „daß sie^vn den größten, von den ernstlichsten Folgen sein werden, wenn Großbritannienuch nicht bald entschließt, ihnen schnell und entschieden entgegenzutreten." Was aber"ach seiner Meinung geschehen könne und solle, ob er es geeignet finde, die Durani"ach Afghanistan zurückzuführen und in der Person des Schah Schudschah einenwenden Schattenkönig einzusetzen, darüber schweigen die blos im Auszuge mitgetheiltenUnd dem Parlamente vorgelegten Staat^schriften des tüchtigen Mannes.
^ Es war dies zu einer Zeit, wo man noch nicht ahnen konnte, es würden diePerser, durch die Drohungen Englands bewogen, sich von Herat zurückziehen; manÄußre deshalb darauf gefaßt sein, auch den nachteiligsten Ereignissen zu begegnen.
Nüsimigen wurden in dem Maßstabe unternommen, um, wenn es nothwendigA^n, auch einem persisch-russischen Heer die Spitze bieten zu können. Das nächste^el war aber die Vernichtung der Baraksi-Herrschaften und die Wiederaufrichtung des
Die Gegenwart. V.
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