642 Die Engländer und Russen in Persien und Mittelasien.
Königreichs der Dllrani in der Person des Schah Schudschah el Mulk, unter, derOberherrlichkeit Großbritanniens. Das Haupt der indischen Regierung hatte die Über-zeugung gewonnen, es sei unmöglich, mit Dost-Muhammed eine zuverlässige Verbin-dung einzugehen. Nun wäre es aber unumgänglich nothwendig, daß die GebieterAfghanistans in friedlichem, nachbarlichem Verkehr mit Großbritannien ständen. DieRuhe und Sicherheit der indischen Regierung hänge davon ab, sowie alle Vortheile,die man sich von der neueröffneten Wasserstraße auf dem Indus versprechen könne.England bedürfe, unter den jetzigen Umständen, an seiner nord- und südwestlichenGrenze eines Verbündeten, der keinen Eroberungsplanen nachhänge, sondern desseneigenes, wohlverstandenes Interesse es sei, jedem Feinde sich entgegenzustellen, welcheran den Indus vordringen möchte. Diese Zwecke können aber, so dachte die britisch-indische Regierung, nur durch die Erhebung Schah Schudschah's erreicht werden.Dies sei nothwendig, um den russisch-persischen Einfluß an den Thoren Indiens vonGrund aus zu vertilgen.
Lord Auckland hielt die Umstände für so gefährlich und dringend, daß er sichentschloß, alsbald die nothwendigen Verkehrungen zu treffen, lkm den Pensionair derCompagnie zu Lodianah, aus Kosten Hindostans, durch anglo-indische Truppen in dasLand seiner Vater zurückzuführen. Der Zug nach Afghanistan, erklärte der Lord, werdezwar große Summen kosten; diese Rücksicht verschwinde jedoch, wenn man die Vor-theile bedenke, welche erreicht würden. Durch die Oberherrlichkeit Großbritanniensüber Afghanistan sei jede von Westen her kommende Unternehmung gegen das indischeReich rein unmöglich. Der Statthalter wäre sich wol bewußt, welche große mora-lische Verantwortlichkeit er.aufsichnehme; er habe aber dies Alles zuvor vielfach er-wogen und nach reiflicher Überlegung gefunden, daß es seine Pflicht sei, schnell undentschieden zu handeln.
Herr Macnaghten, Secretair im auswärtigen Amte der anglo-indischen Regie-rung, ging nach Lahor, um den MaharA>schah für diese Plane zu gewinnen. Mansuchte Ranadschit, welcher schnell dem Grabe zueilte, begreiflich zu machen, auchsein eigenes Interesse erheische die Vernichtung der Baraksi-Herrschasten; dann, fügteman hinzu, seien ja beide, England und die Sikh, von jeher so innige Freunde ge-wesen, daß der eine sich wol gern nach den Wünschen des andern richten werde.Man ließ auch Drohungen mit einstießen, um die Furcht des Fürsten zu erregen«Die britisch-indische Regierung, erklärte Lord Auckland, sei weit entfernt nach Erobe-rungen zu trachten; sie habe Land genug. Sie würde es vorziehen, die zahlreichenMoorgegenden Hindostans mit dem Pfluge zu erobern und in den Gegenden Dörferanzulegen, wo jetzt Tigerhöhlen sind. Sie fühle sich aber stark genug, wenn dieNothwendigkeit es erheische, alle ihre Gegner zubodenzuschlagen. Es ständen 100000Mann in Bengalen bereit, noch 100000 könnten leicht aus den PräsidentschaftenMadras und Bombay gezogen werden; und diese Truppen wären sämmtlich unterder Anführung bewährter europäischer Hauptleute.
Die Gesandtschaft begab sich nach Adinagar, wo Ranadschit zu der Zeit seinenHos hielt. Der Maharadschah genehmigte alsbald den Antrag der indischen Reg^gierung; er gab seine Zustimmung zu einem Bündnisse mit der Compagnie, urnSchah Schudschah neuerdings auf den Thron Afghanistans zu erheben. Vielemächtigsten Hauptleute, worunter auch der erste Minister Dhian Singh, waren die*ser Verbindung entgegen und suchten sie zu hintertreiben. Ranadschit hegte abereinerseits solch eine eingewurzelte Feindschaft'gegen Dost. Muhammed, und andersseits eine so große begründete Besorgniß vor der Macht Großbritanniens, daß ^von den beiden mächtigsten Triebfedern des Menschen, von Haß und Furcht getr^"den, Wort hielt und den Großen seines Hofs unter Androhung seiner Ungnadebot, niemals mehr hierüber zu sprechen. Der Maharadschah erklärte, er kenne keinesandern Ausweg als sich unbedingt dem Willen Englands zu ergeben. Er sch^eine Offensiv- und Defensivverbindung mit der britischen Regierung und gestatteden englischen Truppen, freilich nach vielem Widerstreben, den Durchzug durch