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Die Märzkatastrophe in Östreich.
Freund, aber bleibt!" zog er sie in eitle Ecke und verschwand gleich wieder in deninnern Gemächern des Erzherzogs Ludwig. Statt seiner erschien abermals Graf
Hartig und richtete von neuem an Scherzer die naive Frage: „Was wollen Sie denn
eigentlich?" Die Antwort war nur zu bündig: Obwol auS der Bürgerpetition dreiPunkte besonders dringend erschienen, so sei es doch eine Concession, die alle anderninsichschließen würde: Das sei der Rücktritt Fürst Metternich's. Das war ein Don-nerschlag für den treuen Elisa des freilich noch nicht zum Himmel gefahrenenDiplomaten Elias, oder schien es wenigstens. Er fuhr auf den kühnen Sprecherbarsch los: Ob er glaube, daß der Kaiser einen Mann, der 30 Jahre das. Staats-ruder geführt, nun plötzlich den Launen des Volks opfern werde? Diese Äußerung(und wir führen sie deshalb für eine neue Ausgabe der „Genesis" an) hinderte denedeln Grafen nicht, noch am Schluß des Abends in mehr als einem Händedrückendem Herrn Schmerling für seine außerordentlichen, nicht genug zu schätzenden Ver-dienste zu danken. So schnell, so reißend griff der Abfall von dem eben erst bewun-
derten Götzen um sich, als er erst gestürzt war; und so lange spielte man die Ko-mödie fort, an die man selbst nicht mehr glaubte. Aber die Zeit des Schweigenswar schon jetzt vorüber. Scherzer entgegnete dem Grafen: Er sei im Namen deßVolks hier, und es sei also seine Pflicht auszusprechen, was das ganze Volk denke.Er beschwerte sich zugleich energisch-bei dem bald darauf eintretenden Adjutantendes Erzherzogs über das unangemessene Benehmen des Grafen, der indessen wiederdas Feld geräumt hatte. Noch ein, noch zwei mal wurden die Deputirten so ausdem Vorzimmer in das Cabinet des Erzherzogs gerufen, und noch ein, noch zwei
mal sendete er sie zurück, ohne daß er sich zu irgend einer Gewährung entschließen
konnte. Trotz der aufrichtigsten, dringendsten Mahnung, keinen Augenblick zu verlie-ren, trotz der Warnung, daß es bald zu spät sein werde, blieb der starre Nachfolger
Franz' I. bei seinem ersten Bescheid: Es sei die Sache des Bürgers, die Ruhe her-
zustellen. Die Deputirten fühlten immer mehr die steigende Verantwortlichkeit, diejede Zurückhaltung einer solchen Verblendung gegenüber ihnen auferlegte. Als sievon ihrer zweiten Audienz zurückgekehrt, erklärte Scherzer vor allen im Vorsaal Ver-sammelten geradezu: Sie müßten — so sehr sie es bedauerten, die Burg in der Vor-aussicht eines Ausbruchs zu verlassen — diesen Ausbruch für unausweichlich betrach-ten, und also die Schuld für die unabsehbaren Folgen Jenen zuschieben, die sie ohneirgend eine beruhigende Concession ans Volk fortgeschickt. So richtig diese Wortewaren, so verkehrt wirkten sie in dieser Hofatmosphäre. Statt der Warnung zu fol-gen, mißtraute man den Warnern. Man hinderte sie wegzugehen, und wendete ab-wechselnd Überredung und sanfte Gewalt an, sie zurückzuhalten. Selbst ihr Aner-bieten, die vom Erzherzog herbeibeschiedenen Grasen Kolowrat und Montecuccoli inder Burg aufzusuchen, wurde unter Verwänden abgelehnt. Sie warnten aufs neue,drängten auf Entscheidung; man wußte nichts als sie bleiben zu heißen. Ja GrasHartig fand noch Zeit sich zu beschweren, daß man sein Benehmen an den Erz"herzog gebracht. Unterdessen rief sie ein Adjutant abermals vor den Erzherzog.Diesmal standen Fürst Metternich und die Erzherzoge Albrecht und Maximilian nebenihm. Der Fürst klopfte Scherzer auf die Achsel: „Sie sind ein Bürger Wiens, eswäre eine Schande für solche, wenn sie im Vereine mit dem Militair einen Straßen"krawall nicht besiegen könnten."... „Durchlaucht, das ist kein Krawall, sondern eintRevolution, an der alle Stände theilnehmen!"... „Das ist nicht wahr, es sindPolen, Schweizer, Italiener, die das Volk aufwiegeln."... „Durchlaucht, die Pt"tition enthält Tausende von Unterschriften aus allen Ständen; und wenn Sie ein^Blick in die Straßen werfen wollten, so würden Sie sich von der Wahrheit deS ^sagten überzeugen. Mit dem Militair können wir unmöglich zusammenwirken: es ^seitdem man aus das Volk geschossen, verhaßt; wir allein aber sind zu schwach'Das war deutlich; dennoch verstand es Erzherzog Albrecht nicht. Er meinte hera^lassend: „Man wolle die Bürger mit dem Militair die Wachen beziehen lassen, ab*