Band 
Fünfter Band.
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Die Märzkatastrophe in Ostreich.

besonnenes Dazwischentreten hinderte Ärgeres. Er hieß Schmidt dem Erzherzog mel-den: Die Universität fei in diesem Augenblick unmittelbar beim Kaiser eingeschritten,und werde bis zur hoffentlich günstigen Entscheidung mit Niemand anders unterhan-deln. Auf sein Wort wurde dann Spalier gemacht und die Gesandtschaft ohne wei-tere Demonstration entlassen. Aber Gerüchte, welche die an verschiedenen Ortenstattfindenden Conflicte in der düstersten Art vergrößerten, und das Gefühl einergänzlichen Unsicherheit hielten die Gemüther in immerwährender Aufregung, bis end-lich das Erscheinen der medicinischen Facultät einige Beruhigung brachte. Der Dekantheilte die Beschlüsse der Facultät mit, und, nachdem ex den Studenten das feierlicheVersprechen abgenommen, seine Rückkunft abzuwarten, oder wenigstens bis 9 Uhrsich ruhig zu verhalten, begab er sich mit seinen Mitdeputirten Engel und Schillingeiligen Fußes in die Burg, die sie auf Nebenwegen und mit einer gleichfalls amStephansplatze nach längerm Parlamentiren *) erlangten Escorte glücklich erreichten.Unterdessen war es spät geworden; und was die Facultätdeputirten auf ihrem Gangegesehen hatten, mußte ihren Worten einen ernstschauerlichen Hintergrund geben.

Mit der anbrechenden Nacht, hatte die allgemeine, führerlose Bewegung sichimmer mehr in die tiefern Schichten der zahlreichen Bevölkerung verbreitet, und ihrejahrelang gehäufte Erbitterung machte sich in der dem Volke allein geläufigen Sprachetumultuarischer Herausfoderung und Zerstörung Luft. Die Haufen, die sich bereit-Nachmittags in der innern Stadt zeigten, hatten sich vermehrt und vervielfältigt, undzogen nun mit lautem, wildem Jubel und mit Bortragung improvisirter Standarten **)durch die Gassen. Einige von ihnen trugen Fackeln, Andere waren mit Hämmern,Äxten, eistrnen Stangen und Holzstücken versehen, die sie als Trophäen oder Waffenmitgenommen. Wo sie hinkamen wurden die Wachhäuser zerschlagen, die kaiserlichenAdler der Behörden und die Fenster der öffentlichen Gebäude zertrümmert. Einigedieser Gebäude, wie das Leihhaus und das Polizeigebäude, wurden der Gegenstandförmlicher Angriffe, und das in dem lehtern versteckte Militair streckte einige der An-greifer todt nieder. Selbst auf dem Josephsplatze wurden die Fenster in dem dahingekehrten Flügel der Hofburg zertrümmert. Andere gleiche Haufen hatten sich drohendvor dem ganz oder halb gesperrten Stadtthoren gelagert, oder zogen durch die Vor-städte, um dort einen gleichen Zertrümmerungskrieg zu führen. Am Nennweg warfsich eine erbitterte Menge auf die Villa Metternich, und begann die mit außerordentlichemAufwande hergestellte üppige Einrichtung bis auf die Wände zu zerstören. Auf derganzen Elacisstrecke vom Kärntner- bis zum Burgthor wurden die Gasleitungen zer-stört: das entzündete Gas brannte aus den Röhren in armdicken, hohen Flammen.Ist der Vorstadt Mariahilf wurden die der Hofburg gegenüberliegenden kaiserlichenStallungen das Ziel wiederholter und erbitterter Angriffe. Das in diesen gelagerteMilitair gab mehre volle Salven, und auch hier kostete es mehre Menschenleben.***)An der Burg selbst waren alle Eingänge von dichten, dunkeln Menschenmassen um-lagert, die, bis an die Bayonnete der absperrenden Soldaten gepreßt, mit säst un-heimlicher Entschlossenheit auf den ersten Schuß der hier gähnenden Kanonen zuwarten schienen. Schon einmal hatte hier die Entscheidung an einer brennendenLunte geschwebt. Erzherzog Maximilian hatte mit Kartätschen in die harrende Mengezu feuern befohlen, und nur die Besonnenheit eines Feuerwerkers hinderte, daß dieszur Ausführung kam. Wie in ahnender Entgegnung war hier wieder mehr als ein-mal der halblaute Ruf durch die dichten Haufen geflogen, das in die Burg einge-

*) Der inzwischen dorthin commandirte General war allen akademischen Anschauungenfremd, daß er der Deputation nur einen gemeinen Soldaten bewilligen wollte. Erst nach emeförmlichen Weigerung gestand er zwei Feuerwerker, und endlich diese und zwei Offiziere zu.

**) Eine davon bestand aus einer Stange, auf der ein schmutziger Lumpen hing mit oUnterschrift: Vivat Sedlnitzky, der oberste Lump! .

***) Von den beim Stallamte angestellten Hofdienern sollen mehre aus eigenem Antnihre Schützenkunst geübt, indem sie mit ihren sichern Büchsen hinter den Fenstern herauf die Angreifer feuerten.