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Die Märzkatastrophe in Ostreich.
baute Theater anzustecken und durch die Trümmer des schnell zusammensinkenden Holz-Werks in das unvertheidigte Innere zu dringen. Ein Ruf der auf der Aula harren-den Studenten, ein Stoß von ihnen auf das Militair — und die Nacht von Berlinhatte ihre altere Schwester in Wien!
Die Deputation der Facultät sprach ernst und eindringlich erst beim ErzherzogFranz Karl, dann beim Erzherzog Ludwig, wohin Jener, nun schon mit gewinnenderFreundlichkeit und unter dem Versprechen kräftiger Unterstützung, sie gesendet. Met-ternich, Kolowrat, Mitglieder des Staatsraths, ständische Deputirte umgaben denErzherzog Ludwig in gespannten, bedenklichen Kreisen. Nur der Erzherzog selbst warsich gleich; er wendete sich kalt und wortlos zu einer andern Gruppe, als die De-putirten ihre beschwörenden, verbürgenden, dringenden Vorstellungen geendet. ErstKolowrat'S Fürsprache, dem sie den kreisenden Vulkan auf der Universität und dierasch verrinnende Ausbruchszeit aufs neue ins Auge gerückt, führte den Erzherzogwieder zurück, um die Deputation noch einmal zu hören. Sie wurden daraus mitWorten, die wenigstens Hoffnung eines günstigen Bescheids ließen, ersucht, im Vor-zimmer zu — warten. Einer der Deputirten eilte sofort aus die Universität, umdurch Mittheilung dieses Bescheids wo möglich Verlängerung des verabredeten Frie-denstermins (9 Uhr) herbeizuführen. Die Andern maßen mit stummem Bangen imVorzimmer die kurze Zeit, die noch bis zu jener Stunde übrig. Eine dumpfe Un-geduld herrschte unter den im Vorzimmer gedrängten, halblaut aber heftig redendenGruppen von Ständen, Hosbeamten und Militairs. Eben war eine neue Hiobspostgekommen. Ein Bürgeroffizier trat athemlos ein und meldete, daß das im Polizei-gebäude versteckte Militair auf die friedlich vorbeimarschirenden Bürgergarden geschossenund zwei getodtet habe. Die ins übermenschliche gesteigerte Spannung der Gemü-ther, das kaum, mehr zu ertragende Bedürfniß der Entscheidung machten sich in lei-denschaftlichen Äußerungen kund, in die nun selbst Militairs und Hosbediente ein-stimmten. Nur die gewohnte Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Orts hielt noch denvollen Ausdruck der Stimmung nieder. Es war dem Erzherzog Albrecht vorbehal-ten, auch diese letzte Schranke niederzureißen. Derselbe trat aus den hinter ihm zu-fallenden Thüren des Conferenzsaals, bedeckten Hauptes. Der Bürgergardenchef nahteihm mit thränenden Augen und erzählte, wie das Militair ihm zwei seiner Leute er-schossen. Er warf kalt hin: Das seien nicht Soldaten gewesen; man werde den Vor-fall untersuchen wie andere. Übrigens sei auf ihn selbst mit Holz und Steinen ge-worfen worden, auch „von Bürgern". Ein Facultätsdeputirter wollte einige Worteerwidern. Der Erzherzog hieß ihn in unglimpflicher Weise schweigen; das warzu viel! Alles begann zu zischen. Der von jener Zurechtweisung Getroffene be-zeichnete sie, wie sie es verdiente, und mischte die Warnung ein, wie bald es auchhier, wie an einem andern Orte, „Zu spät!" heißen könne. Es war der Ausdruckder Lage. In dumpfem Chöre wiederholten alle Bürgeroffiziere und sonst noch Viele:„Zu spät; zu spät!" Die ganze Unermeßlichkeit der Entscheidung, die über der Kai-ferburg schwebte, schien sich in diesem Augenblick zusammenzudrängen. Das verhäng-uißvolle „Zu spät!" aus dem Vorzimmer tönte vernehmlich in den Conferenzsaal,aus dessen Fenstern man die brennenden Gassäulen auf dem Glacis sehen konnte.Gegenüber her knatterten die Schüsse des die Stallungen vertheidigenden Militairs.Stabsoffiziere und Deputirte der Bürgergarde stürzten mit neuen, ernsten Vorstel-lungen, neuen drohenden Berichten herein. Und durch das Gewirr der sich kreuzen-den Stimmen, durch den fernen Lärm von außen tönte scharf und grell immer wie-der der Zuruf des herbeigeeilten jungen Volkstribunen Alexander Bach: Nur nochfünf Minuten, nur noch fünf Minuten, dann stehe ich für nichts! Das GefühlAchtbar welthistorischer Versäumniß durchbrach in den fruchtlos Harrenden jedeNessel gewohnter Ehrfurcht.
Ein Facultätsdeputirter hatte schon die Hand auf das Thürschloß des Konferenz-saals gelegt. Da gingen die Flügelthüren auf, und die Deputirten wurden einge-
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