Band 
Fünfter Band.
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724 Die Märzkatastrophe in Ostreich.

lassen. Neben Erzherzog Ludwig, Kolowrat, Hartig und andern Würdenträgern deSHofs und der Stände trat kalt und ruhig Fürst Metternich vor. Er hatte endlicheingesehen, daß sein Sturz unvermeidlich, daß er, wollte er die Dynastie nicht nutz-los gefährden, sich von ihr ablösen müsse. Er that es — die Gerechtigkeit sodertdiese Anerkennung — rnst Würde und Anstand. Nachdem er vor den ständischenDeputirten seinen Rücktritt erklärt, willigte er auf deren Bitten ein, seine Erklärungin dieser öffentlichen Weise zu wiederholen. „Sie haben", sprach er, zu den Bür-gerosfizieren gewendet, „erklärt: nur mein Rücktritt vermöge die Ruhe Östreichswiederherzustellen. Ich effectuire ihn..also mit Freuden. Ich wünsche Ihnen Glückzur neuen Regierung. Ich wünsche Östreich Glück."... „Wir haben nichts widerEure durchlauchtige Person", war die Antwort, „aber Alles gegen Ihr System..Darum danken wir im Namen des Volks. Vivat! Kaiser Ferdinand hoch!" Einzwanzigfacher Zuruf aus dem Munde der Umstehenden wiederholte diese letzten Worte.Man sagt sogar der anwesenden Hosdienerschaft nach, daß sie Händeklatschen!) miteingestimmt. Der Fürst wiederholte die Versicherung, daß er mit Freuden abtrete,um dem Staate zu nützen, und wandte sich hierauf, unbefangen das Gespräch fort-setzend, nach rückwärts. Der Erzherzog blieb still; kein Wort der wenn auch nurformellen Anerkennung, des dankenden Abschieds begleitete den Trennungsact zwischender Dynastie und ihrem nur allzu betrauten Diener. Wenn der Verfasser der „Ge-nesis" in poetische Verzückung über die Haltung seines Helden bei dieser Gelegenheitgera'th, so können wir nicht mit ihm streiten. Aber es lag auch jenem Verfasserebenso nahe, den Mangel an Selbstbeherrschung hervorzuheben, der in dieser form-losen Trennung lag.

Nach dem ersten Freudentaumel wandte sich der Erzherzog an die Facultäts-deputirten: ob sie ihm verbürgen könnten, daß nicht fremde Agitatoren und Gesin-del die Bewaffnung der Studenten für sich benütze? Auf ihre neue überströmendeZusicherung sagte er endlich die Bewilligung zu, aber für den nächsten Morgen.Bestürzt legten sie den Umstand dar, daß die Studenten sich nur bis 9 Uhr zu war-ten verpflichtet, und somit jenes Zugeständniß zu spät komme. Kolowrat zeigte zuihrer Beruhigung das bereits geschriebene Concept des kaiserlichen Nescripts, das dennächsten Morgen erschien; aber der Namenszug des Kaisers fehlte , und war auchnicht mehr beizubringen. Weshalb? das wird aus den uns zugänglichen Quellennicht klar, und ebenso wenig, warum der Erzherzog Ludwig nicht mit seinem Namen,wie er doch am nächsten Tage that, aushelfen wollte. Man mußte den Auswegtreffen, daß zwei Bürgrrofsiziere als Bevollmächtigte mit der Deputation gesendetwurden, um das Zeughaus zu öffnen.

Die Deputirten verließen nun die Burg. Von einem Gascandelaber verkün-digte Scherzer zum ersten mal der harrenden Menge das erlangte große Resultat.Die Deputirten durchschritten nun eilenden Fußes, unter dem fortwährenden Ruf-Metternich ist gestürzt! Die Studenten bewaffnet! die Gassen. Überall wälzte sichihnen betäubender, nicht endender Jubel voran und nach. Wo sie hinkamen, wur-den die Häuser erleuchtet. Aus den Fenstern wehten weiße Tücher, tönten begeisterteBegrüßungen; der ekstatisch brausende Jubel einer ganzen Bevölkerung blies die Po/saune des Jüngsten GerichtS über den gestürzten Zwingherrn. In der Nähe der Uni-versität angelangt, wendeten sich die Bürgeroffiziere unmittelbar zum Zeughaus. DieFacultätsdcputirten verdoppelten ihre Schritte, um rechtzeitig ihre Botschaft an dieStudenten zu bringen. Doch während sie dem Orte zueilten, war ihnen eine edle,rasche Hand dort zuvorgekommen. Der jüngere Sommaruga war gegen Abendden Leseverein gegangen und dort Zeuge der vor den Fenstern desselben stattfinden-den Pöbelumzüge, sowie der sich stets erneuernden bedenklichen Berichte über die Vor-gänge an der Universität gewesen. Mit einigen Mitgliedern des Lesevereins eilte ezum Regierungspräsidenten, und drang dem Rath- und Auftraglosen den Befehl alden Bürgermeister ab, am nächsten Morgen das bürgerliche Zeughaus zu öffne -Dann eilte er auf die Universität. Er kam eben zur rechten Zeit, um zu sehe /