Band 
Fünfter Band.
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Die Märzkatastrophe in Ostreich.

wie gefährlich ein längeres Zögern sei. Schon nach dem Abgänge der zweiten De-putation war es den Männern, die mit Köck vereinigt die Ruhe in der Aula auf-rechtzuerhalten suchten, fast unmöglich, den Anfällen von leidenschaftlicher Unge-duld zu widerstehen, welche von Zeit zu Zeit die jungen Gemüther antrieb, der pein-lichen Ungewißheit durch einen kühnen Schritt ein Ende zu machen. Man dachtebald an einen stürmischen Ausfall, bald machte man Anstalten zu verzweifelter Ver-theidigung. Als ahnungsvolle Episode verdient bemerkt zu werden, daß ein langerZug Arbeiter vor die Universität kam und mit lautem Zuruf sein Vivat und seinHülfsangeLot den Studenten ausdrückte. Damals war man noch so scrupulös, daßman die Thore schloß und nur vom Balcon die etwas bedenklichen Bundesgenossenzur Ordnung und zum Frieden ermähnte. Als jedoch die erste Deputation zurück-kehrte und die ihr mitgegebene unsichere Antwort verlas, erhob sich die Bewegungaufs neue und war auch kaum durch Hinweis auf die zweite zu beschwichtigen. DieStudenten wollten ohne weiteres aus der Aula brechen. Sommaruga erhielt, wievorauszusehen, keine andere Antwort als die: Heute noch, heute noch, oder wir be-waffnen uns selbst! Endlich versprach man ihm zu warten, bis er aufs neue vomRegierungspräsidenten zurückkäme. Nach einer halben Stunde traf er auch freude-strahlend mit der erlangten Bewilligung und zugleich mit einem Bürgerofsizier ein,der die Studenten ins Zeughaus führen sollte. Man überstürzte sich fast, um diesenbeiden Männern zu folgen. Man federte tumultuarisch die alten Fahnen der Uni-versität; man wollte nicht einmal eine Wache zur Beschützung der Aula zurücklassen.Endlich gelang es Köck, Ordnung zu schaffen. Ein Theil der Studenten blieb biszur Ablösung auf der Aula; die übrigen schritten geordneten Zugs mit Köck undSommaruga nach dem Zeughaus. Köck trug auf hoher Stange ein Licht, das ermit dem Ruf: Das Licht sei unsere Fahne, vernichtet die Finsterniß! als Fahne auf-gesteckt hatte. Auf dem Wege begegneten sie der Falulta'tödeputation, welche ihnen,außer der Bewilligung der Bewaffnung, die sie bereits hatten, den Sturz Metter-nich's verkündigte. Neuer, ungeheurer Jubel ertönte und pflanzte sich zunehmenddurch alle Straßen fort. Man rief selbst einer am Hohen Markte postirten Grena-dierabtheilung ein Vivat zu: so sehr machte die Freude alles Frühere vergessen. Sokam man ans Zeughaus. Neue Schwierigkeiten! Es war kein Befehl zu dessenÖffnung gekommen, und der wachhabende Offizier getraute sich nicht, auf eigene Verant-wortung zu handeln. Halb mit Gewalt drang man nach langem Unterreden ein, undim Angesicht der aus dem Platze versammelten Tausende begann die Bewaffnung.Wunderbares, von Dem, der es gesehen hat, nie zu vergessendes Schauspiel! BeiMondlicht und Fackelschein sah man im Hofe und draußen in stürmisch brausender,doch keinen Augenblick nachlassender Thätigkeit zu Hunderten Säbel umschnallen, Ge-wehre zur Hand nehmen, Rotten sich bilden und unter selbstgewählten Führern ord-nen. Unter den ersten so Gewaffneten bemerkte man Dobblhof und Sommaruga.War eine Rotte geordnet, so zog sie mit Gesang, improvisirten Fahnen, oft nachdem Schlage einer fast mittelalterlichen Trommel ab, um dem immer neuen Andrangder Folgenden Platz zu machen. Die erste Rotte führte Köck zur Universität, umdie dort waffenlos Harrenden, seinem Versprechen gemäß, abzulösen und die Aulaöu besetzen. Andere vertheilten sich mit den ihnen beigegebenen Bürgergarden nachallen Richtungen als Patrouillen in die Stadt, oder eilten mit ihrem Führern in dieverschiedenen Vorstädte, wohin sie der flehentliche Ruf um Hülfe gegen PlünderungUnd Tumult rief. Überall, wo sie sich in den Straßen zeigten, waren diese erleuchtetUnd laute Vivats erschollen. Aus allen Fenstern ^begrüßten sie Frauen mit weißenSuchern und warfen ihnen weiße Armbinden im Überfluß herab. Noch zwei Stun-den yach Mitternacht dauerte dieser fröhliche Tumult unter der regen Betheiligungvon Bürgerofsizieren am Zeughause fort.

Faßt man die thatsächlichen Resultate dieses bewegten Tags zusammen, so er»2*bt sich, daß jetzt ein Stillstand, ein natürlicher Nuhepunkt eintreten mußte, selbst