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Die Märzkatastrophe in Ostreich.
habt, am Morgen des 15. März im kaiserlichen Cabinete einzutreffen. Von derandern Seite fehlte es in Wien selbst nicht an Personen, die vermöge ihrer Stellungoder aus persönlicher Anhänglichkeit sich bemühten, den Hof über die Stimmung derResidenz und über die Gefahr aufzuklären, welche eine längere Sorglosigkeit mitsich-führte. Als solche Personen nennt man vor Allen den erzherzoglichen Leibarzt Hus-sian, den ältern Sommaruga, gewesenen Erzieher des Erzherzogs Franz Karl, endlichden trefflichen Bauernfeld und die Grafen Czernin und Brenner. Ihr bei verschie-denen Anlässen und unter verschiedenen Umständen dem Erzherzog Franz Karl, odereigentlich der Erzherzogin gegebener Rath ging übereinstimmend dahin, daß der Kai-ser sich versprochenermaßen dem Volke zeige, dann aber unverzüglich eine Proklama-tion, gleich der des Königs von Baiern, erlasse, welche in bestimmten, nicht umzu-deutenden Worten die Fundamentalzusage von Preßfreiheit, Nationalgarde und Con-stitution enthalte. Der Erzherzog und die Erzherzogin, die anfangs noch ihre Über-zeugung ausgesprochen, es sei nichts zu fürchten, und man habe schon genug bewilligt,wichen den vorgebrachten Gründen, und die Letztere selbst eilte mit dem Exemplarder Münchener Proklamation zum Kaiser, um ihn in diesem Sinne zu bestimmen.
Gegen diesen Entschluß nützte freilich die vom Verfasser der „Genesis" gerühmtestaatsräthliche Vorsicht nichts, mit der man schon am Tage vorher den krankenKaiser vor jeder Näherung abgeschlossen hatte, durch die er die Wahrheit erfahrenkonnte. Eine unvermuthet rasche Wendung trat nun ein. In den von Menschengefüllten Straßen war das Mistrauen und die Ungeduld auf das höchste gestiegen.Die Studenten hatten sich, müde des vergeblichen Hin- und Hersendens zu einerimmer wieder unterbrochenen Organisation, auf der Universität concentrirt; unter denBürgergarden gab sich der Entschluß kund, sich nicht weiter durch Patrouillen zer-splittern zu lassen. Da kam auf einmal die Nachricht, der Kaiser werde sich demVolke zeigen. Und wirklich sah man ihn bald darauf im offenen Wagen, seinenBruder und dessen Sohn, den jetzigen Kaiser, zur Seite, die Burg verlassen. DerEmpfang, den der Kaiser beim Volke fand, war ein solch vertrauensvoller, wie ihndieser an Güte wirklich einzige Habsburger verdiente. Von allen Seiten streckte manihm unwillkürlich die Hände entgegen. Jeder der den Wagen umdrängenden Tau-sende schien dem Bedürfniß seines Herzens durch ein Lebehoch Luft zu machen.Kaum vermochte der Überraschte, bis zu Thränen Gerührte zu verhindern, daß manihm die Pferde ausspannte. Das Volk erkannte mit richtigen Takte das Bedürfniß,ihm zu zeigen, wie sehr es aus seiner Umgebung den gekrönten Freund unterscheide,der der Erste und der Letzte gerufen: „Ich lasse nicht schießen, ich gehe fort, wennihr schießen laßt." Der Kaiser kehrte indessen, vermuthlich aus Rücksicht aus seindurch den Kontrast doppelt ergriffenes Nervensystem, bald wieder in die Burg zurück.Es ist nicht unwahrscheinlich, daß derselbe, wie man sagt, bei seiner Rückkehr seinenWillen energisch ausgesprochen, dem Volke, welches ihn so liebe, eine Konstitutionzu gewähren.
Jedenfalls drückte dieser Sieg, den das wohlwollende Herz des Kaisers und diebegeisterte Haltung des Volks über die Mächte der List und Gewalt gewonnen, seinGepräge allen folgenden Ereignissen des Tages auf. Eine Deputation, die, Engelan der Spitze, von der Universität kam, um zu erfahren, warum der Kaiser seineFahrt so rasch abgebrochen, wurde trotz ihres mehr als unhofmä'ßigen Anzugs aufsfreundlichste empfangen. Gras Breuner, der den kaiserlichen Wagen begleitete unddie Ursache zur Umkehr desselben war, bot sich den Deputirten an, selbst mit ihnenKur Universität zu gehen, um die Ursache davon aufzuklären. Als sie sich darauf zuFürst Windisch-Erätz begaben, um für den nächsten Tag einen Besuch des Kaisersan der Universität zu bewirken, sagte er nicht blos die Gewährung zu, sondern be-nutzte den Anlaß, um in einer wohlgespielten Scene, ermunternd und einschüchterndZugleich, sie hören zu lassen: „Die vom Volke errungenen Concessionen seien ebendeshalb gewährt worden, weil sie die zeitige Frucht monatelanger gouvernementalerSelbstbestimmung gewesen; deshalb und nur deshalb habe man geschehen lassen, was