Band 
Fünfter Band.
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Die Märzkatastrophe in Östreich.

zu hindern Entschluß und Vermögen sonst nicht gefehlt, hatten. Sie möchten diesden Wienern sagen." Man glaubte damals noch in Östreich an Worte von sol-cher Seite; und so schien diese bald bekanntgewordene Erklärung selbst eine Aner-kennung des Geschehenen. Aus dem Universita'tsplatz ging man unverzüglich an dieso oft verschobene Organisirung der Akademischen Legion in die Corps der drei welt-lichen Facultäten und der technischen Lehranstalt. Auch sonst zeigte sich in derStadt Manches, das die Zuversicht oder Bürgschaft für den endlich gewonnenenfesten Boden aussprach. Placate verschiedener Art, darunter eines der SchriftstellerWiens, in welchem diese von der erlangten Preßfreiheit förmlich Besitz zu nehmenerklärten, bewiesen die begonnene Thätigkeit der Presse. Das erste censurfreie Ge-dicht: „Die Universität", war bereits öffentlich verlesen, und der Dichter, L. A. Frankl,im ^ u,"iph herumgetragen worden. Der aus seinem Scheintod erwachte Magistratourch einen Anschlag alle Gewerbs- und Geschäftsleute auf, ihre Geschäfts-und Verkanfsloralitäten dem Publicum wieder zu offnen. Die Stände verkündetendurch einen andern Anschlag ihren am Morgen gefaßten Beschluß- einen Ausschußvon 24 Mitgliedern niederzusetzen, dessen Hälfte aus Mitgliedern der Bürgerschaftbestehen, und aus einen provisorischen Bürgerausschuß gewählt werden sollte. DieserAusschuß hatte sich in demselben Augenblicke bereits factisch aus den durch die öf-fentliche Meinung gehobenen Männern, wie Arthaber, Hornbostl, Bach, gebildet,md trat noch an demselben Nachmittage officiell zusammen.

Gegen Mittag langte der Erzherzog - Palatin Stephan, der ungarischen Depu-tation voraneilend, in Wien an. Das Volk erkannte ihn, und zog ihn mit Triumph-geschrei nach der Burg. Man spotte nicht zu schnell! Wenn man anderwärts dieseHuldigung Tänzerinnen erwiesen, warum nicht dem Repräsentanten einer hochherzigenNation, die für alle ihre Mitnationen zuerst die konstitutionellen Segnungen ver-langte. Es war der Triumphwagen der Freiheit, den die Wiener in den alten Bauder Habsburger führten. Sogleich nach der Ankunft des Erzherzogs versammeltesich der kaiserliche Familienrath; auch die Mitglieder des Staatsraths und die Füh-rer der ständischen Opposition blieben fortwährend in den anstoßenden Zimmern ge-genwärtig. Was nun im Laufe der folgenden Stunden für Verhandlungen in demkaiserlichen Rathe, sowie in den dazwischenfallenden Conferenzen einzelner Glieder des-selben mit den Häuptern des Staatsraths und der Stände stattgefunden, wie sichGang und Art der vorgebrachten Erwägungen, Motive und Vorschläge und der siebringenden Persönlichkeiten gestaltet, darüber besitzen wir nur unzuverlässige Andeu-tungen. Einem glücklichern Geschichtschreiber ist es vorbehalten, hier Licht nach un-mittelbaren Mittheilungen zu geben, von denen ängstliche Loyalität oder Berechnungkünftiger Möglichkeiten für jetzt auch die Unabhängigsten jener Männer zurückhält.Vom Erzherzog Stephan wissen wir durch einen im ofener Archiv gefundenen Briesaus jener Zeit*), daß er von den drei Wegen, einer künstlichen Begünstigung derAnarchie, einer gewaltsamen Herstellung des Absolutismus, und einer klug rechnendenNachgiebigkeit für die Gegenwart, den letzten für den allein vernünftigen hielt. SeinVerhalten zu den in Berathung gezogenen Lebensfragen deS StaatS liegt also inscharfem Umrisse vor. Von den übrigen wichtigern Persönlichkeiten müssen wir unsbegnügen anzunehmen, daß sie in den Consequenzen ihres sonst bekannten Charaktersgeblieben. Nur verlautet die dunkle Sage, daß es Anastasius Grün (Alex. Auersperg)gewesen, der, an der Spitze der übrigen Stände, für den nach endloser Mühe derstaatsräthlichen Zähheit abgekämpften Manifestentwurf die kaiserliche Unterschrift halbim Raube erlangt, und daß der Kaiser zornig: „Bin ich der Kaiser oder bin ich'snicht?" gefragt habe, als die dunkeln Geister der Staatsconferenz im letzten Augen-blick noch einmal abmahnend zwischen ihn und Östreich getreten. Für diesmal sieg-ten noch die guten Geister. Der Kaiser unterschrieb, und gegen 4'/r Uhr trat ein

*) Das in den Pulßky'schen Memoiren angegebene Datum des Schreibens: 24. März, istoffenbar ein Druckfehler. Der Zusammenhang weist vielmehr auf den 14. März hin.