Band 
Fünfter Band.
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Die Märzkatastrophe in Ostreich.

einen Äußerung. Von dem Josephsplahe ging der ganze Zug zum Locale des Lese-verein. Langer, fast pausenloser Jubel erscholl aufs neue. Die Constitution wurdeimmer wieder verlesen. Ungarn, Italiener, Deutsche traten abwechselnd auf denBalcon, um die Größe des Tags und des Errungenen zu feiern. Noch langewollte der fröhliche Tumult sich nicht beruhigen, und wenn die Freiheitssaturnaliender Völker sonst nur allzu kurz sind: die der Wiener schienen damals buchstäblichendlos zu sein.

Die Märztage in Prag und Gratz.

Zu derselben Zeit stieg auch zu Prag und Grätz gleicher Jubel empor. Der» Telegraph hatte nach diesen beiden Städten die Heilsbotschaft des Nachmittags ge-bracht, und so mit einem harmonischen Unisono der Freude die Bewegungen ge-schlossen, deren Schauplatz diese Städte unterdessen gewesen, und deren Verlauf wirergänzend nachzutragen haben. In Prag ging, nach dem einmal gebrochenen Wi-Verstände der bureaukratischen Steifheit, der öffentliche Geist mit raschem und breitemGange vorwärts. Die aufgelegte Adresse wurde wiederholt an öffentlichen Plätzenverlesen, und die Bevölkerung beeiferte sich, ohne Rücksicht der bürgerlichen Unter-schiede, sie mit Unterschriften zu versehen. Das Comites versammelte sich zu wieder-holten malen und nahm thatsächlich die Lenkung der Stadt aus sich. Die Behördenselbst gaben, vermuthlich in Folge weiterer, aber nicht mitgetheilter Nachrichten auSWien, überall dem Volksgeiste Raum. Die Collegien der Universität waren durchAnschlag am Schwarzen Bret geschloffen. Das Militair und die Polizei warenüberall möglichst aus ihrer gewöhnlichen allzu großen Sichtbarkeit getreten, und dieBürgergarde hielt allein die Ordnung aufrecht. Die Studenten versammelten sichcollegienweise zur Berathung und Unterzeichnung einer Petition, deren Hauptpunktewaren: Gleichstellung der deutschen und czechischen Nationalität; sodann aber Lehr-und Lern-, auch Turnfreiheit nach dem Fuße der deutschen Universitäten. In einerzweiten, am Nachmittag des 15. März gehaltenen Sitzung beschloß das Comite dieunverzügliche Einführung der allgemeinen Bürgerbewaffnung und die Errichtungeines Studentencorps neben dem ältern Bürgercorps. Es wurde durch öffentlichenAnschlag jedem Bürger anheimgestellt, sich einem dieser Corps zur Aufrechthaltungder Ordnung anzuschließen; und die Studenten benutzten sogleich ihre allgemeine Ver-sammlung, sich als Universitätslegion zu organisiren. Neue Veröffentlichungen derBehörden drückten im Laufe des Nachmittags diesen Anstalten das legale Siegelauf. Die telegraphische Depesche über die Bewilligung der Preßfreiheit, der National-garde, die Einberufung der Reichsstände auf den 3. Juli wurden bekanntgemacht.Das Comite, praktisch klug, wie.es dem czechischen Stamme eigenthümlich, nahmin der allgemeinen Freude Gelegenheit zu einer Maßregel höchster und unmittelbar-ster Popularität, indem es im Einverständniß mit den Brauern, Bäckern undMüllern der Stadt die Brot- und Bierpreise bedeutend herabsetzte. Das hieß dieFreiheit jedenfalls in die deutlichste Sprache übersetzen! Am Abend, im Theater, tratder Gouverneur Graf Rudolf Stadion nach dem ersten Acte in seiner Loge vor,und verkündigte dem Publicum feierlich die vor drei Stunden in Wien erfolgte Zu-sage der Constitution. Der Freudenruf: Der Kaiser hat eine Constitution bewilligt!hallte, von Hunderten von Lippen getragen, sogleich durch die Stadt und verbreiteteüberall Taumel. Man improvisierte sogleich einen Fackelzug durch alle Straßen, andem die ganze Bevölkerung, ja sogar die Mannschaft der Hauptwachen, an denenman vorbeikam, durch Trommelschlag und Untergewehrtreten theilnahm. BegeisterteReden und lauter Hochruf zu Ehren des Kaisers und der neuerlangten Freiheitertönte von allen Ecken. Als man am Hause des Bürgermeisters vorbeizog, vollzoSman noch ein moralisches Gericht durch einen Chor von Pereats. Die Mitglied^des Comite, und vor Allen ihr populairer Präsident Albert Deym, waren, wo ^sich zeigten, der Gegenstand überströmender Huldigungen.

In Grätz hatten sich bereits am 13. März dumpfe Gerüchte von einer i"