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der Schranken der individuellen Nationalität; darüber hinaus wird sie das Gegen-theil: Knechtschaft und Hegemonie. In dem Augenblick, wo der eiserne Ring desväterlichen Despotismus sprang, der die Gesammtheit der Dinge und Zustande ineinem bestimmten Neben- und Untereinandersein gehalten hatte, lag es nahe, allesBisherige als ein rein Faktisches in Frage gestellt zu betrachten, und somit war seinBruch auch für die Nationalitäten ein Signal, mit Abschüttelung der bisherigenEravitationsgesehe sich nach freier Anziehung ihre Stellung zum gemeinsamen Mit-telpunkte zu wählen. Einmal dieses Princip aufgestellt, stand hier Anspruch gegenAnspruch, Unabhängigkeit gegen Unabhängigkeit; und dies galt offenbar ohne Un-terschied oder Abtheilung bis zu jeder Grenze des weiten Reichs. Nach der grie-chischen Sage bekämpften sich die den Kadmus bedrohenden eisernen Männer gegen-seitig, als er einen Stein unter sie warf: für die Völker Ostreichs war dieser Steindie Constitution.
Wenn endlich, um nach außen zu sehen, politische Sympathien für Rußlandbisher dem Widerspruch der materiellen Alteressen im Osten die Wage gehaltenhatten, so mußte jetzt das konstitutionelle Ostreich als der unmittelbare Feind Ruß-lands gelten. Aus einer weiten Länge seiner Grenzen wurden die stammverwandtenVölker Ostreichs für die Völker ..Rußlands die gefährlichste Propaganda politischerund socialer Veränderungen. In Ostreich traten die Revolution und das Zarenthumsich Leib an Leib entgegen. Nur Einer konnte siegend vom Kampsplatze gehen.Darum mußte Rußland Alles aufbieten, sich der endlichen Entscheidung zu versichern.
Wie diese Factoren und Gewalten, sich vereinigend, sich unterstützend, sich wech-selseitig steigernd, die endliche furchtbare Katastrophe herbeigeführt haben, Das zuschildern soll unsere spätere Aufgabe sein. Für jetzt fassen wir Das, was wir schließ-lich zu bemerken hätten, in die zwei Worte zusammen: Am 15. März schloß dieRevolution Östreichs; am 16. begann die Reaction!
Die Anhaltischen Herzogthümer.
Zweite Abtheilung.*)Anhalt-Dessau und Anhalt-Käthen.
Vormärzliche Zustände.
(§o klein und unbedeutend Anhalt seinem Flächeninhalt nach ist, so hat es dochvom Anfang seiner geschichtlichen Existenz an fast in allen epochemachenden Ent-wickelungsmomenten der deutschen Geschichte eine nicht unwichtige Rolle gespielt, undtheils in Folge seiner geographischen Lage, theils durch die Betheiligung seines Für-stenhauses an den Welthändeln, theils als Ausgangspunkt oder Pflegestätte allge-mein interessanter Erscheinungen eine Aufmerksamkeit für sich in Anspruch genommen,wie sie selbst Ländern von größerm Umfange nicht zutheilgeworden. So hat esschon beim Kampfe der Hohenstaufen und Welsen für die hohenstaufische Parteider Person Albrecht's des Bären Heinrich dem Löwen gegenüber eine der kräftigste^Stützen in Norddeutschland abgegeben, und gleichzeitig vor allen andern deutschtLändern zum Siege des germanischen Elements über das Slawenthum im deutsch^Nordosten und zur Gründung deß jetzt mächtigsten und wichtigsten deutschen Staa^
*) Die erste Abtheilung, „Anhalt-Bernbura" umfassend, erschien bereits im vierten Ban^der „Gegenwart", S. 133-177. D. Red.