Band 
Fünfter Band.
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Die Anhaltischen Herzogthümer.

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beigetragen. In den Kämpfen des bairischen Ludwig mit der östreichischen und lu-xemburgischen Dynastie ist die Entscheidung wesentlich durch einen echten oder fal-schen Sprößling des anhaltischen Fürstenhauses, den sogenannten falschen Woldemar,herbeigeführt worden. Zur Zeit der Reformation waren es wiederum anhaltischeFürsten, die sich am ersten und beharrlichsten der neuen Richtung anschlössen und, mit Wort und That dafür stritten. Mit derselben Bereitwilligkeit bethätigte sich die-^ ses Land anfangs am Dreißigjährigen Kriege, bis es durch den unglücklichen Erfolg,den die Bemühungen Christians II. hatten, späterhin zur Passivität gezwungenwurde. Auch in den Schlesischen Kriegen ist der Name und Einfluß eines anhalti-schen Fürsten einer der bedeutendsten und hervorragendsten gewesen. Nur in denNapoleonischen Kriegen hat sich Anhalt in keiner Weise über die Bedeutungslosigkeit,welche Länder seines Umfangs heutigentags zu haben pflegen, zu erheben vermocht.

Dagegen hat es auf anderm als politischem Gebiete auch in neuerer Zeit vielfach

ein höheres und allgemeineres Interesse für sich zu erwecken gewußt, und bald ingutem, bald in übelm Sinne von sich reden gemacht. Auf Anhalt-Bernburg frei-lich leidet dies weniger Anwendung: denn dieses hat bis auf seine neueste Geschichteschon eine geraume Zeit hindurch in jener Stille und Namenlosigkeit hingelebt, welcheden Anschein des Glücks gewährt, und nur eine Celebrität besessen, die es gar gerndem Dunkel der Vergessenheit zurückgegeben hätte. Dagegen hat Dessau, nachdemes durch den Alten Dessaucr einen auf Kriegöruhm gegründeten europäischen Namenerlangt, auch in friedlicher Beziehung, besonders als Pflegerin und Schüßerin derWissenschaft und Kunst, schon längere Zeit hindurch einen weit verbreiteten Ruhm>u - genossen, sodaß es zuweilen wol gar als ein kleines Weimar betrachtet wurde. Unterß- den Personen und Sachen, die vorzugsweise hierzu beitrugen, nenne ich hier nur

ie Basedow, den Begründer des zu seiner Zeit so viel Aufsehen machenden Philanthropinz

Matthisson, den Hauptrepräsentanten der eine Zeitlang dominirenden sentimental-ele-gischen Landschaftspoesie z Wilhelm Müller, den wirklich genialen Dichter der „Grie-chenlieder". Ferner, den wörlitzer Garten, der lange Zeit hindurch für den schönstenPark galt; die dessauer Kapelle, die namentlich durch ihren Director Schneider, denberühmten Komponisten des „Weltgericht", und durch ihre Mitwirkung bei den nord-deutschen Musikfesten den gefeiertsten Namen erlangt hat; die mit der Kapelle ver-bundene musikalische Bildungsanstalt; endlich das gymnastisch-orthopädische Institutzu Dessau, welches als eine der ersten und besteingerichteten Turnanstalten sehr be-deutend aus die weitere Verbreitung und Ausbildung dieses Erziehungszweigs einge-wirkt hat. Noch öfter und mehr hat Anhalt-Köthen in neuerer Zeit die Fama übersich in Bewegung gesetzt, und eine in mancher Hinsicht freilich Herostratische Be-rühmtheit erlangt. Anhalt-Köthen war es, das durch den Übertritt seines Herzogsjur katholischen Kirche zuerst wieder zu einer langen Reihe religiöser Kämpfe Anlaßgab; Anhalt-Köthen war es, wo kurze Zeit hintereinander mehre höchst beklagens-ch Werthe Unglücksfälle, namentlich der Einsturz der nienburger Brücke und des Gerü-

at- sies der katholischen Kirche in Köthen, welche Hunderten von Menschen das Leben

nd kosteten, die Theilnahme von ganz Deutschland auf sich lenkten. Anhalt-Köthen war

ür- A wo die Homöopathie lange Zeit ihren Hauptsih hatte, von wo sie sich über ganz

ge- Deutschland und Europa verbreitete; Anhalt-Köthen war es, wo sich zuerst ein

en, großartiger Knotenpunkt des deutschen Eisenbahnnetzes bildete, und wo sich zuerst

es oas Schauspiel eines bis dahin in Deutschland noch nicht dagewesenen Weltverkehr-

i§ barbot; Anhalt-Köthen war es, wo in Folge dieses Verkehrs auch die „Spielhölle"

8h EU Sitz nahm, und ihn trotz der Verwünschungen und Gegenoperationen der)e§ Nachbarstaaten bis in die neueste Zeit behauptet hat. Anhalt-Köthen war es, von

wo die Bewegung der Protestantischen Freunde ausging, und wo sie zugleich in derats großartigen Pfingstversammlung von 1845 auf längere Zeit ihren Gipfelpunkt er-

pichte. Anhalt-Köthen endlich war es, das durch die gänzliche Zerrüttung seiner„dt ^Wanzen von Seiten der Verwaltung und durch die dadurch herbeigeführte Finanz-

^sis zuerst die innere Haltlosigkeit und Fäulniß des alten Regierungssystems in