Band 
Fünfter Band.
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747
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Die Anhaltischen Herzogthümer. 747

Mit gerührtem Danke bekennen die anhaltischen Bürger, daß die nunmehr 50jä'h-rige Regierung Eurer Hoheit den fortlaufenden Beweis geliefert hat von Höchstderenfestem und treuem Willen, Anhalt und seine Bewohner zu beglücken. Nur den Wer-! hä'ltnissen und unabweislichen Einflüssen einer jeht, Gott gebe es, zu Ende gehendenZeitperiode selbst, welche die Geschichte von ganz Deutschland, ja fast von ganzEuropa als die der Reaction und der Herrschaft des Beamtenvorurtheils bezeichnen7 nur diesen Einflüssen ist es zuzuschreiben, daß, wie dem deutschen Volke über-haupt, so auch dem Volke Anhalts insbesondere diejenigen Güter und Freiheiten bis-her vorenthalten oder verkümmert worden sind, auf welche jede Genossenschaft freierund gebildeter Menschen ein natürliches Anrecht hat, ohne welche keine wahrhaftglückliche und würdige menschliche Existenz denkbar ist, und welche überdies im Jahre4815 bei Gründung des Deutschen Staatenbundes dem deutschen Volke feierlich, ur-kundlich zugesichert 'worden sind."^ Hier war'es also klar und offen ausgesprochen,daß man die bisher bestandenen Übelstände nicht dem Willen des Herzogs, sonderndem Alp der allgemeinen deutschen Politik sowie der Willkür der Beamten zumesse,

^ daß im Bewußtsein dieser Verhältnisse die Liebe und das Vertrauen zum Fürsten,dessen „Treue und deutsche Biederkeit", wie es weiterhin in der Adresse hieß, nieverkannt worden, ungelockert und ungeschwächt geblieben, und wie man nur verlange,daß jetzt, wo jene den Willen des Fürsten hemmenden Schranken keine Bedeutungmehr hatten, dieses Vertrauen in gleichem Maße auch vom Fürsten dem Volke ge-zollt werde.

Dieser loyalen Haltung entsprechend, hielten sich auch die Bitten selbst in sehr^ bescheidenen Grenzen, namentlich die allgemeinen, in denen nur folgende Institutio-nen und Befugnisse gefedert wurden: Eine zeit- und volksgema'ße Staatsverfassung,durch welche der Artikel 13 der Deutschen Bundesacte verwirklicht wird; Feststellungund öffentliche Bekanntmachung des Staatshaushalts und eines Staatseinnahmen-und Ausgabenbudget; vollständige Preßfreiheit, namentlich für inländische Angelegen-heiten, auf Grund der den einzelnen Bundesregierungen durch den Bundesbeschlußvom 3. März hierzu ertheilten, Ermächtigung und zur Verwirklichung des Artikel 18der Deutschen Bundesacte; Öffentlichkeit und Mündlichkeit des Gerichtsverfahrensi und Schwurgerichte; Hinwirkung beim Deutschen Bunde in Gemeinschaft mit anderni Regierungen, daß außer der Censur auch alle übrigen seit 1819 gegebenen Ausnahme-gesetze zurückgenommen und die Karlsbader, Frankfurter und Wiener Conferenzbe-schlüsse von 1819, 1832 und 1831 wieder aufgehoben würden; die baldige, vollstän-dige Gleichstellung der Israeliten mit den Christen in bürgerlichen Rechten und Pflich-ten. Beiweitem zahlreicher, jedoch gleichfalls nur billige Federungen enthaltend, warendie besondern, auf speciell anhalt-deffauische Verhältnisse sich beziehenden Wünsche:Überlassung von Pachtacker seitens der herzoglichen Domainen an ärmere Untertha-nen ; schleunige und umfassende Fortführung der begonnenen Ablösungen und Sepa-rationen; gesetzliche Sicherstellung der Grundbesitzer gegen die Wildschäden; Hebungdes inländischen Handels und Verkehrs durch Herabsetzung der höchst drückendenChaussee- und Brückengelder; Verbesserung der Landstraßen; Anschließung an daßPreußische Münzsystem; Negulirung der Elbzölle; Aufhebung einiger hemmenden Ein-gangszölle; Schutz der Innungen und Beseitigung der die Innungen untergrabendenConcessionsertheilungen; besondere Berücksichtigung der inländischen Products für denStaats- und Hofbcdarf u. s. w. Ferner: Aufhebung oder Modification der beson-ders die Armen drückenden Consumtionssteuern; Beseitigung der Holzauctionen undGenehmigung freier Einfuhr von Brennmaterial; baldige Revision der Städteordnungim Sinne der Zeit; endlich Einführung einer Bürgerwehr und Volksbewaffnung.

Diese Adresse wurde am 10. März vom Comite dem Herzog überreicht, undschon am 12. März durch eine höchste Resolution des Herzogs beantwortet, vonwelcher der spätere Minister Habicht*) richtig bemerkt, daß sie ein wahres Kunst-

*) Zn der Schrifti „DaS politische Leben in Anhalt" (gerbst 1813), S. 31.