Band 
Fünfter Band.
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Die Anhaltischen Herzogthümer.

andern Punkte aber wurde demnächst weitere Resolution versprochen. Diese weitereBescheidung erfolgte durch eine herzogliche „Antwort" vom 16. März, in welcheraußer der Erfüllung einiger localen Bitten durchaus kein politisches Zugestandniß wei-ter gemacht wurde, ja worin es sogar ausdrücklich hieß: „Sowie diese Bewilligungenvom 14. d. M. hier in Dessau mir allgemeinem Jubel aufgenommen worden sind,so hoffe Ich auch, daß meine getreuen Unterthanen jenseit der Elbe die Entwickelungdes Verheißenen mit Vertrauen abwarten, und in Ruhe und Gesetzmäßigkeit ver-harren werden. Eine weitere Erläuterung hinsichtlich des Zugesagten zu geben, halteich jetzt nicht für nöthig, und werde mich daher einstweilen nicht weiter öffentlichhierüber aussprechen." Diese geflissentliche Erklärung, sich über Das, was bereitsmündlich durch den Minister versichert worden war, öffentlich und schriftlich nichtweiter aussprechen zu wollen, mußte natürlich das Vertrauen ganz und gar unter-graben, und die Erbitterung gegen das Ministerium, dem man allein eine so zwei-deutige Politik zuschrieb, immer höher steigern. Wenn aber in einer spätern Bekannt-machung vom 20. März nun doch jene eben noch verweigerte Erläuterung gegebenund erklärt wurde, daß die Anstoß erregenden Worte nie anders gemeint seien, alsdaß die darin verheißenen Zusicherungen bestimmt erfüllt werden sollten: so konntedies natürlich nur als ein Zugeständnis; der Schwäche erscheinen. Ja dieses Zuge-ständniß war umsoweniger geeignet, das Vertrauen wiederherzustellen, als die ge-brauchten Worte abermals eine doppelte Deutung zuließen, indem späterhin etwa ge-sagt werden konnte: es wäre ja von Anfang an in jenen „verheißenen Zusicherungen"nur von einer „Berücksichtigung" die Rede gewesen, und auch an die Erfüllung der-selben seien also keine höhern Ansprüche zu machen.

Nicht befriedigender und vertrauenerweckender waren die gleichzeitig erlassenenVerordnungen, durch welche die gemachten Verheißungen realisirt werden sollten, na-mentlich das unterm 16. März promulgirte Wahlgesetz, das in seinen Principien be-sonders darum verwerflich erschien, weil es der Regierung und ihren Kommissarennoch eine Einwirkung auf die Wahlen einräumte, durch die der volksthümliche Zweckderselben gänzlich vereitelt werden mußte. Die Misstimmung hierüber äußerte sichallgemein, und kam endlich in einer großen Versammlung der Urwähler, welche am2. Apr. in Dessau stattfand, zu der sich aber auch viele Landbewohner eingestellthatten, dergestalt zum Ausbruch, daß man nun, des bisherigen Hin- und Herhan-delns müde, und empört über die Art und Weise, wie der höchste Beamte ^mit Fürstund Volk umging, seine Angriffe von dem Übel selbst auf den Grund des Übels rich-tete und, mit Ausnahme zweier Personen, einstimmig die Erklärung abgab, wie derdie Leitung sämmtlicher Staatsangelegenheiten in seiner Hand vereinigende Ministernicht das Vertrauen des Volks besitze, und daß man seinen Rücktritt wünsche. Dader Herzog selbst gerade erkrankt war, so begab sich eine Deputation sofort zur Her-zogin, um diese von dem Wunsche in Kenntniß zu setzen; dieselbe kehrte auch als-bald mit der Antwort zurück, daß das Volk auf eine baldige Erfüllung seines Wun-sches hoffen dürfe. Der Jubel war allgemein und nicht vergeblich; denn schon amfolgenden Tage, an dem auch die gewünschten Veränderungen in der Wahlordnunggenehmigt wurden, verlautete, daß der Geheimrath und Regierungspräsident vonMorgenstern um seine Entlassung aus dem Geheimen Cabinet nachgesucht und solcheerhalten habe. Mit derselben Schnelligkeit erfolgte die Einberufung eines neuen unddurchaus volkstümlichen Ministeriums, indem schon am 5. Apr. durch ein höchst^Decret der bisherige Oberappellationsrath Dr. August Habicht zum wirklichen Ge-heimrath und Vorsitzenden, und der bisherige Regierungsadvocat August Köpp^zum zweiten Mitgliede desselben und Ministerialrathe ernannt wurde — zwei Männer,die sich in dem bisherigen Verlause der Dinge durch besondere Festigkeit und Umsichtausgezeichnet, und sich durch Erhaltung der Ordnung und Ruhe wie durch uner'schrockene Verfolgung des vorgesteckten Ziels um Fürst und Volk gleich sehr verdiengemacht hatten. Mit diesem höchst erfreulichen, dem ganzen Lande zur Beruhigunggereichenden Acte war die Bewegung in Anhalt-Dessau geschlossen. An die Sten