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Die Anhaltischen Herzogthümer.
tende Thätigkeit des Ministeriums im Geiste der Zeit mußte es sich natürlich einallgemeines Vertrauen und volle Am ckennung im eigentlichen Volke gewinnen. Daßes ihm daneben in den Kreisen der früher Bevorzugten auch an manchen Gegnernnicht fehlte und, wie in allen andern Ländern, auch in Anhalt-Dessau die Reactionsich allgemach wieder zu regen begann, bedarf kaum der Erwähnung. So gabensich namentlich innerhalb der Geistlichkeit manche dem entschiedenen Fortschritt abge-neigte Bestrebungen zu erkennen, indem man hier einerseits für den Fortbestand derbisher genossenen materiellen Vortheile, z. B. der Stolgebühren, der Steuerfreiheitenu. s. w., andererseits für die Aufrechthaltung oder Erweiterung des geistlichen An-sehens und Einflusses und demgemäß gegen die Trennung von Kirche und Staat,Legen die unbedingte Glaubens- und Cultusfreiheit, gegen die Einführung der Ci-vilehe, ganz besonders aber gegen die Emancipation der Schule von der Kirche theilsin der Presse, theils in dem vom Ministerium angeordneten Versammlungen derGeistlichen, theils auch durch unmittelbare Einwirkung auf das Volk zu kämpfenversuchte. Außerdem fehlte es auch innerhalb des Hof- und Beamtenpersonals nichtan einer Coterie, welche, während sie äußerlich die Maske der Freisinnigkeit trug,
, im Geheimen der Verwirklichung der Ma'rzverheißungen entgegenarbeitete. DieseVersuche blieben der eigentlichen Volksstimmung gegenüber noch gänzlich wirkungslosund ohnmächtig, und waren nicht im Stande, dem neuen Ministerium schon jetzt denSturz zu bereiten oder ihm das Vertrauen des Volks zu entziehen. Vielmehr empfingbas Ministerium durch Adressen, Fackelzüge u. s. w. bei Publication des Verfassungs-entwurfs, bei der Fahnenweihe der Bürgerwehr, bei dem anhaltischen Schützenfesteund andern sich darbietenden Gelegenheiten wiederholte Beweise der Liebe und Ach-tung. Das Vertrauen in die Redlichkeit seiner Absichten ging so weit, daß an das-selbe sogar die Bitte gethan wurde, den auf den 24. Juni anberaumten Zusammen-tritt der Volksvertreter noch auf einige Zeit zu vertagen: was ganz gewiß nicht ge-schehen sein würde, wenn die geringsten Zweifel über die Gesinnungen des Ministe-riums obgewaltet hätten. Der eigentliche Beweggrund zu dieser Bitte lag in demimmer allgemeiner und stärker hervortretenden Wunsche des anhaltischen Volks, wo-möglich für alle drei Anhaltischen Herzogthümer eine gemeinschaftliche Verfassung zuerhalten. Da dies nun nicht anders als durch eine gemeinsame Versassungberathungerreicht werden konnte, so wollte man lieber noch solange, als die deshalb mit Bern-burg zu pflegenden Verhandlungen dauern würden, auf die Festellung der besonderndessauer Verfassung verzichten, als sich durch eine einseitige Beschleunigung dieserAngelegenheit den Weg zu jenem Ziele abschneiden. Die erste öffentliche Anregungdieser Einigungsfrage war vom Herrn von Mey in Koswig ausgegangen. Sie hatte an-fangs in allen drei Herzogthümern gerade beim Volke weniger Anklang gefunden, einer-seits weil man hierbei sogleich an die alte Gesammtlandschast Anhalts und deren gänz-liche Bedeutunglosigkeit dachte, andererseits weil man in das Garn diplomatischer Ver-handlungen zwischen den drei Regierungen hineinzugerathen fürchtete, und das Volkjede- einzelnen LändchenS mit seiner eigenen Regierung eher und besser fertig zuwerden hoffte. Späterhin aber, als das Volk seiner Errungenschaften sicher zu seinglaubte, als daS Streben nach Einheit immer stärker hervortrat, und gerade derdessauer Staat, dem voraussichtlich die beiden andern über kurz oder lang doch zu-fallen mußten, am entschiedensten in volkstümlichem Sinne vorwärts schritt, fandjene Idee im Volke mehr und mehr Anklang, wurde in der Presse und in denVolksversammlungen immer eifriger erörtert, und ward endlich auch eine der Haupt'fragen für die zusammentretenden Landtage. Der erste Landtag, welcher dieselbe inErwägung zog, war indessen der am 24. Juni zusammentretende köthensche.
Marzerrungenschaften in Anhalt-Kothen; Ministerium Goßler; Eröffnung des kothenschen
Landtags; Antrag auf Erzielung einer gemeinsamen Verfassung für ganz Anhalt.
Auch in Anhalt-Köthen hatte daö Volk unter besonderer Thätigkeit der spä"lern Abgeordneten Wolter, Sander, von Behr, der beiden Vierthaler, Schilling un