Band 
Fünfter Band.
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Die Anhaltischen Herzogthürner.

mrte und namentlich in konsequenter Weise dem Principe des gelt - ßoveriunenthuldigte. Außerdem erließ das Ministerium unter Vorbehalt der Zustimmung desersten ordentlichen Landtags mehre provisorische Verordnungen, z. B. über Nieder-schlagung von Untersuchungen und Bestrafungen wegen Jagdfrevel und Holzdieb-stähle, über die Ausnahmen von der Wehrpflicht, über die Bildung von Gewerbe-und Arbeitercommissionen u. s. w.; sodann einige rein executorische Verfügungen,w'-? die Trennung der Justiz von der Verwaltung betreffend. Überhaupt dauerte im(^..uzen das gute Einvernehmen zwischen Volk, Volksvertretung und Ministerium inungeschwa'chter Weise fort, obwol die reactionairen Elemente seit dem Umschlagen derVerhältnisse in Preußen auch hier weit rühriger hervortraten und viele Versuchemachten, das Vertrauen der Minister beim Volke zu untergraben, die freisinnigenBestimmungen der Verfassung als lächerlich und unausführbar hinzustellen, die Zu-stände Dessaus als anarchisch zu schildern und Awistigkeiten zwischen Landtag undMinisterium zu erregen.

Hatten aber auch diese Versuche zunächst keinen bedeutenden Erfolg, so geriethdoch das Ministerium in eine misliche Lage, indem es sehr bald fühlte, daß einLändchen wie Anhalt keine selbständige Politik verfolgen könne, sondern sich überkurz oder lang entweder der allgemeinen deutschen Entwickelung oder der Politikder größern Nachbarstaaten fügen müsse. Dieses Bewußtsein und die Bemerkung,daß man von außen ihre volkstümliche Richtung mit sehr mistrauischen und feind-seligen Augen betrachte, nöthigten die Regierung zu einer gewissen Nückhaltung,und bestimmten sie, hier und da auch den gegnerischen Bestrebungen eine Conces-sion zu machen. Dagegen durfte das Ministerium sich auch das Vertrauen desVolks nicht verscherzen, weil es mit dem Verlust dieses seines einzigen Stützpunktesverloren gewesen wäre. Es war daher kein Wunder, wenn dasselbe jetzt mehr oderweniger im Laviren sein Heil suchte, und eine mehr und mehr diplomatische Ver-folgung seiner Zwecke dem andern Wege vorzog. Aber auch hieraus erwuchs ihmeine neue Verlegenheit, indem die Gegenpartei nicht versäumte, die Minister deshalbbeim Volke zu verdächtigen, ja auch die Linke im Landtage einiges Mistrauenschöpfte. Trotzdem gelang es dem Ministerium, sich für jetzt noch glücklich zwischenden Klippen hindurchzuwinden, und namentlich durch eifrige Begünstigung despreußisch - deutschen Kaiserprojects die Hoffnungen der reactionairen wie der volks-tümlichen Elemente zu nähren. Indem nämlich die Reaction in einer HegemoniePreußens die sicherste Garantie für eine sofortige oder allmälige Unterdrückung derVolkspartei, diese hingegen in der Reichsverfassung, auf deren Grund Preußen zurdeutschen Krone gelangte, eine hinreichende Gewährleistung der Freiheit erblickte: sotrafen beide Parteien diesmal in ihren sonst so weit auseinandergehenden Wünschenzusammen und waren somit geneigt, in dieser Beziehung das Ministerium zu unter-stützen. Freilich geschah die Zustimmung zum Anschluß an die preußische Politikvon Seiten der Linken nicht ohne großes Bedenken und Widerstreben. Indessenvermochte es der Minister Habicht in der am 12. Febr. deshalb stattfindenden Debattedoch, die Versammlung zu überzeugen, daß bei der geographischen Lage Anhalts des-sen Selbständigkeit und Glück lediglich durch ein engverbündetes, freundschaftlichesVerhältniß zu Preußen zu erreichen sei. Demzufolge wurde vorn Landtage fast mitEinstimmigkeit beschlossen, die Zustimmung zu folgenden Erklärungen der Staatsre-gierung zu ertheilen: „Daß Anhalt-Dessau und Anhalt-Köthen sich den Beschlüssender Nationalversammlung bezüglich der Constituirung des deutschen Reichs unterwer-fen und dabei die Überzeugung aussprechen, wie die eine wahrhafte Einigung undkräftige Gesammtentwickelung Deutschlands bezweckenden Vorschläge Preußens zurErreichung jenes Zwecks und zur Lösung der dabei vorkommenden schwierigen Fragenführen werden."

Unter solchen Verhältnissen ward, nachdem ein Antrag auf sofortige Beschlie-düng eines Gesetzes über die Verantwortlichkeit der Minister abgelehnt worden, aufAntrag des Abgeordneten Lagemann am 12. März der Beschluß gefaßt, die Ge»