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Fünfter Band.
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Die Anhaltischen Herzogthümer.

schä'fte des vereinigten Landtags für erledigt, und ihn selbst für aufgelöst zu erklären.Auch bei dieser Gelegenheit fühlte sich die Versammlung gedrungen, dem Herzogeund der Staatsregierung für das bereitwillige Entgegenkommen derselben und fürdie Sanction aller von ihr beschlossenen Gesetze den Dank auszusprechen. In nochumfassenderer Weise äußerte sich dieses Dankgefühl am 14. März, an dem Tage,an welchem der Herzog das Jahr vorher die nunmehr zur Wahrheit gewordenenZusagen ertheilt hatte, indem ein Zug köthenscher und dessauer Bürger dem Herzogeein freudiges Hoch brachte und außerdem noch manche andere Festlichkeiten stattfan-den. Hiernlit hatte denn auch die Sonne des Glücks und der neuen Freiheit inAnhalt-Dessau-Köthen ihren Kulminationspunkt erreicht. Sie feierte nun scheinbarein kurzes Solstitium, und wandte sich zugleich im Stillen der rückgängigen Bahnzu, um demnächst die rückläufige Bewegung ohne Weiteres antreten zu können.

Die nächste Zeit verlief in Dessau ohne bemerkenswerthe Ereignisse. Der des-sauer Sonderlandtag tagte zwar noch; aber nachdem er am 20. März wegen derblutigen Katastrophe in Bernburg eine Adresse an die Nationalversammlung und dasNeichsministerium, worin um Bestellung einer unparteiischen Gerichtscommission zurUntersuchung der dortigen Vorgänge, sowie um Beschleunigung der Vereinigung An-halts gebeten wurde, beschlossen hatte, erklärte auch er am 24. März sich für auf-gelöst. Da die Staatsregierung hiermit einverstanden war, ordnete letztere zugleichdie Wahlen für den ersten ordentlichen vereinigten Landtag beider Herzogthümer aufden 10. Apr. an.

Politik in der deutschen Frage; Sturz des Ministeriums Habicht-Koppe; Ministerium Goßler-Plötz. Vierthaler; Eröffnung und Thätigkeit des ersten ordentlichen Landtags.

Die Zeit bis zum Zusammentritt dieses ersten ordentlichen Landtags der Herzog-thümer wurde gänzlich von der Entwickelung der allgemein-deutschen Angelegenheitin Anspruch genommen. Dieser, wenn auch nur kurze Abschnitt ist insofern vonWichtigkeit, als die dessauische Regierung diejenige war, welche sich vielleicht unterallen deutschen Regierungen am unbedenklichsten und entschiedensten für die von derNationalversammlung beschlossene Neichsverfassung und die damit verbundene Erledi-gung der Oberhauptsfrage aussprach. Sie hielt auch dann noch an derselben fest,als bereits die Annahme der deutschen Krone von Preußen abgelehnt war, und be-trieb und erwirkte es vorzugsweise, daß die Bevollmächtigten der 28 Regierungen,welche die Collectivnote vom 14. Apr. erlassen hatten, den Beschluß faßten, unterallen Bedingungen auf der beschrittenen Bahn fortgehen zu wollen. Freilich mußtediesen Beschluß, wie alle andere Regierungen, so auch die dessauische in Folgeder weiter» Entwickelung der Dinge beiseitelegen; aber sie that es erst dann, alsjede Aussicht auf eine Durchführung der Neichsverfassung verschwunden, und auchin Dessau bereits der allgemeine Umschwung der Dinge sich dergestalt geltendmachte,daß das Ministerium nur in einem Anschluß an die preußische Politik die Möglich-keit seiner fernern Existenz erkannte. Allein wie willfährig es sich in dieser Beziehungauch zeigte, so gelang es ihm doch nicht, dadurch seine Gegner zu beschwichtigen undseinem seit lange betriebenen Sturze zu entgehen. Dieser Sturz ward auf rein di-plomatischem Wege bewerkstelligt, und stand mit dem Ausdruck des Volkswillens,im offenen Widerspruch, der sich direct in dem Ausfall der neuen Wahlen, indirektin dem Vertrauensvotum aussprach, das der am 4. Juni eröffnete Landtag derrrMinisterium Habicht-Köppe rücksichtlich der Forterhebung der Steuern ertheilte. Dienähern Umstände und Motive dieser Katastrophe sind in sehr verschiedener Weise er-zählt worden. Während die conservative und reactionaire Partei dieselbe aus derinnern Haltlosigkeit und Ohnmacht des Ministeriums dem anarchischen Treiben desVolks gegenüber zu erklären sucht und die Ansicht aufstellt, daß der Herzog dabe»nur dem Umschwünge der öffentlichen Meinung und namentlich dem Verlangen desdie „bessern Bürger" umfassenden Bürgervereins nachgegeben habe: schreibt hingegendie Volkspartei Alles dem Einfluß geheimer Intriguen von Seiten einer mächtig^