Band 
Fünfter Band.
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496 Hessen-Darmstadt.

vom Amte abgesetzt werden, und wollte nicht zugeben, daß der Vicar mit demselbenim Pfarrhausc wohne. Die Bauern brachten auch endlich den Vicar dahin, auseigene Kosten statt jener Dienstwohnung eine andere Wohnung zu beziehen. Deralte Pfarrer verweigert die Herausgabe einiger Pfarracten, die er zu seiner Verthei-digung nöthig zu haben glaubt. Der Vicar Kattmann wird von der Behörde ab-berufen und ein anderer Hülfsgeistlicher an seine Stelle ernannt. Dem Wunscheder Kirchbrombacher um Entfernung des alten Pfarrers wird nicht willfahrt. Nunmacht die Gemeinde ihr ferneres Verbleiben in der Landeskirche von dem Gehen oderBleiben Kattmann's abhängig! Dieser widersetzt sich der Weisung des Konsistoriums,und der Austritt eines Theils der Gemeinde aus dem alten Kirchenverbandc erfolgt.Eine Proklamation Jaup's vom 12. Aug. 1848 sucht aufzuklären, zu beruhigen, zuversöhnen. Vergebens! Auf einem Punkte, wo die Gemarkungen verschiedener an-derer Kirchspiele mit dem kirchbrombacher zusammenstoßen, hält Kattmann ein«Versammlung ab, um die Anwesenden zur Bildung einer freien Gemeinde aufzufo-dern. Die Gemeinde constituirt sich, Kattmann wird ihr Pfarrer. Noch erklärt sie,nicht aus der protestantischen Kirche überhaupt austreten zu wollen, sondern »urauS der sogenannten hessischen Landeskirche, „weil auf diesem Wege allein eine Ver-fassung für die ganze protestantische Kirche von Deutschland erzielt werden könnetHierbei blieb man jedoch nicht stehen, man schritt bald zu einer freiern AuffassunSvor. In den verschiedensten Gegenden des Landes fand das Beispiel Nachahmung'Die Laufbahn des neuen Pfarrers Kattmann beginnt mit einem gegen ihn anhängiggemachte» Jnjurienproccß. Kattmann ruft aus: „Wir wollen Menschen sein, nich^als Menschen." Er verkündet: „Der Geist ist unser Chorrock", und hält sei"*Predigten im grauen Flaus. In einem Ausrufe Kattmann's an die Odenwäldekvom 10. Mai 1849, wegen dessen er vor die Assisen gestellt wurde, schreibt er-„ Seid ihr freie Männer, dann seid ihr genug, die Rebellen, mögen es Fürsten oderAndere sein, mit Knüppeln todtzuschlagen!" Als er seine Anhänger aufgefoder«hatte, den der evangelische» Kirche des Großherzogthums treugebliebenen Einwohner"von Kirchbrombach allen Verdienst zu entziehen, sucht er diese That vor den Assis*"durch den Ausspruch zu rechtfertigen, „daß er gleich Christus gekommen sei, nichtum Frieden zu bringen, sondern das Schwert". Mitglieder der freien Gemeinde,welche sich gegen die Vornahme einer Kirchenvisitation im Orte gewaltsam aufgelehnthatten, wurden zu CorrcctionshauSstrafe verurtheilt, Andere Wege» anderweitiger W"dersetzlichkeit in Untersuchung gezogen. Es wurde später um der Versöhnung Wille"Amnestie ertheilt und Niederschlagung der Untersuchung verfügt, und das Ministen»«"hielt im Januar 1849 eine Ausgleichung des Zwistes mit den Kirchbrombachern f"*ziemlich nahe. Man täuschte sich! Wie die politischen Missionare der srankfurll*Linken predigend im Lande umhergezogen waren, so begannen jetzt frcigemeindliche Neil-Prediger eine ähnliche apostolische Wirksamkeit in religiösen Dingen, wobei jedochdie Politik keineswegs vergessen ward. Am 18. Nov. 1848 wollte Kattmann ei""Gottesdienst auf dem darmstädter Exercierplatz abhalten. Die Polizei verhinderteDurch Ministerialverfügung wird bald darauf Kattmann die Abhaltung von Gott*dienst im Freien überhaupt verboten, und den Neiscpredigern der Gottesdienst i" §schlosscnem Raume nur insofern gestattet, als sie sich ausweisen, daß sie von *>".bestehenden Religionsgemeinschaft zu Predigern angenommen sind. Als auch dies "nicht als zureichend erweist, untersagt das Ministerium Kattmann jede geistlichesrichtung und verordnet zugleich dessen Entfernung aus Kirchbrombach. Mit'se^Abzug aber verschwinden daselbst auch die von ihm geführten Kirchenbücher. ^Reibereien in der odenwälder Gemeinde dauerten fort; doch unterblieben auf eine -wenigstens schwere Excesse. Als aber Kattmann von dem Schwurgerichte wcge» ^Ausrufs an die Odenwälder freigesprochen war, entbrannte unter den Kirchb"" <bachern eine neue Erbitterung gegen die Ortsgenosscn, welche zu Kattmann's UNS"-,stcn gezeugt hatten, und namentlich gegen den früher der freien Gemeinde ""Äd-rigen, dann aber zur Landeskirche wieder zurückgetretenen Bürgermeister. Die ^