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Denkwürdigkeiten zur Geschichte der badischen Revolution / von Ludwig Häusser
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aufreibender Gewalt aus einzelne Glieder des großen Ganzen wer-fen mußte?

In dieser Lage der Dinge war es keine kleine Aufgabe, inBaden zu regieren: das wußten die Anhänger der alten Politik,als sie zu Bekks Berufung in das Ministerium riethen. Nichtdaß eine stürmische, radicalc Opposition da war, konnte bedenk-lich machen: sondern daß der weitaus größte Theil des Landes sichseit vielen Jahren in das Opponiern, Raisonnircn und Mißtraueneingelebt hatte; nicht daß liberale und tolerante Gesetze oder de-mokratische Institutionen vorhanden waren, mußte beunruhigen,sondern daß den Gesetzen überhaupt der Nachdruck der Ausführungfehlte und in Baden die Regierung wie die Parteien darin gcwett-eifert hatten, um die Gesetze herum zu kommen; die Regierungmußte sich das verlorene Vertrauen wieder langsam erringen, denSinn für gesetzliche Strenge wieder großziehen, durch Ehrlichkeitund Wahrheit in allen Dingen auch ihrer Energie den nöthigenmoralischen Rückhalt erschaffen. Aber freilich, die Werkzeuge wa-ren unbrauchbar geworden und die vorhandene Verwaltung bedurfteeiner gründlichen Reform. Sie war nur gewöhnt, bureaukratischund polizeilich zu administrircn; das constitutionelle Regierenmußte erst gelernt werden. Dazu gehörte eine lange, ungestörteFrist; ob die dem neuen Ministerium gegönnt war, ließ sich schonzur Zeit, wo es die Geschäfte übernahm, ernstlich bezweifeln.

Vekk hatte aber kaum begonnen, das Werk der Versöhnungund Annäherung zu unternehmen und größere Reformen vorzube-reiten, als die Bewegung eintrat, die den politischen und socialenZustand Europas auf lange Zeit hin in Frage stellte.

Die Revolutionen im Februar und März 1848.

Die Erschütterungen des Jahres 1848 deckten den innerenZustand des deutschen Landes und Volkes auf. Sie zeigten die