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massenhaft geflüchtet hatten. Außer den unzähligen kleinen Er-pressungen wurden da besonders gegen den Arzt EduardKaiserActe beispielloser Brutalität ausgeübt. Kaiser, ein tüchtiger undfreisinniger Charakter, war den Rothen längst ein Dorn im Augegewesen; um seiner Gesinnung willen ward er jetzt mißhandelt.Sein Haus ward mit Erecutionsmaunschaft belegt, Kaiser selbstunter nichtigen Verwänden verhaftet und mit standrechtlicher Ere-cution bedroht. In der Nacht gelang es ihm, aus dem Wirths-haus, wo er mitten unter Freischaaren bewacht lag, geschickt zu ent-kommen und die Grenze zu erreichen. Jetzt wurde die schutzloseFrau des Entflohenen mißhandelt. Blenker wollte Geld oderdas Blut ihres Mannes. Unter Drohungen, man werde ihr Hauszusammenschießen — in der That wurden Kanonen aufgefahren!— wurde sie rein ausgeplündert und noch eine Contribution voneinigen tausend Gulden erpreßt, die in de5 kurzen Frist mit Hülfeteilnehmender Freunde kaum aufgebracht werden konnte.
Der Art waren die Heldenthaten, womit die Führer der süd-deutschen Mairevolution ihre öffentliche Thätigkeit beschlossen.
Die Uebergabe von Rastatt.
Die letzte Episode der Revolution spielt an demselben Orte,wo die Emvörung begonnen hatte. Nach Rastatt hatten sich dieTrümmer der Revolutionsarmce zusammengedrängt, als einmal dieFlucht und Auflösung alle Theile des Heeres und der Regierungergriff. Mit den Gefechten an der Murg, der Flucht nach Offen-burg und Fceiburg, war die Einschließung Rastatts vollendet: wernicht am 2S. und 30. Juni noch zeitig entkam, war in der Fallegefangen. Die bedeutenderen Führer und Anstifter hatten fast allenoch Zeit gefunden, zu entrinnen; die zurückblieben, waren großen