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Siebenter Band.
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Der Kirchenstaat. 89

rianischen wiederhergestellt, und die Spionage und Delation erhoben mächtiger ihrHaupt als je zuvor. Dabei war die Jndcxconnnission in voller Thätigkeit. Die WerkeGioberti's, Ventura s und Roßmini's wurden prvstribirt — Werke, die so viel dazubeigetragen hatten, das Papstthum, als es zu schwanken begann, moralisch zu stutzen,und deren Verfasser vom römischen Hof und von vielen Bischöfen hochgefciert wo»den waren, natürlich wol mehr aus Heuchelei als aus Überzeugung; denn jene Män-ner traten zwar mit beredtem Wort für das Papstthum ein, aber nicht für die Mis-brauche, die sich, wie sie später erkennen mußten, als unheilbare Krebsschäden darancingcfressen haben. Die legislativ^ Thätigkeit der Cardinalconnnission beschränkte sichaus die gründliche Ausrottung der republikanischen wie der Pio-Nvno'schen Reformen,und auf Erlassung von Strafgesetzen gegen uneheliches Zusammenleben (der Laiennämlich), gegen Gottes- und Priesterlästerung, gegen Unterlassung des Messebesuchsund des Fasten« am Freitag, gegen das Arbeiten an Festtagen u. s. w. Die wie-dergekehrten Jesuiten wurden beauftragt, über die Beobachtung dieser Gesetze zuwachen. Die Stadtaccisc und Salzstcuer, welche die Republik aufgehoben hatte,wurden wiederhergestellt, und die Finanzen durch einen verdeckten Bankrott „ge-regelt". Der Präsident der französischen Republik äußerte diesen traurigen Anspi-elen gegenüber, unter welchen die Restauration sich vollzog, in einem Schreiben anseinen Adjutanten, den Grasen Ney, den persönlichen Wunsch, den „Locke dkupoleou"in Nom eingeführt und die Administration der römischen Staaten säcularisirt zu sehe».Die einzige Antwort, welche er erhielt, waren nur immer zahlreicher werdende poli-tische Verurthcilungen durch geistliche Tribunale und die Besetzung aller öffentlichenÄmter durch Geistliche und Mitglieder religiöser Orden.

Oudinvt verließ endlich Rom gegen Ende August 1849, nachdem er im Ver-ein mit dem Klerus das Nestaurationswcrk nach Kräften befestigt, in den KirchenSan-Luigi, San-Pietro und Basilica „die Segnungen dcS Himmels auf die großeund heilige Sache, die er durchgeführt", herabgefleht, auf den Bankcten der Car-dinäle und Bischöfe unzählige Toaste aus „das lauge Leben des Heiligen Vaters",„auf die Religion", „auf St.-Peter" u. s. w. ausgebracht, und die Erbschaft eine«ruhmvollen Namens, den sein Vater sich in Italien erworben, vergeudet hatte.

Die grollende Misstimmung, welche durch die Rcstaurationsacte, die französischeund östreichische Occupation, und die trostlosen Zustände jeder Art zu Rom genährtwurde, bestimmte Östreich, dem Papste zu rathen, vor seiner Rückkehr nach Nomdie Gemüther durch Verheißung administrativer Reformen zu beschwichtigen — von dervon Pius IX. verliehenen Verfassung vom 14. März 1848 war keine Rede mehr.Nach langem Sträuben, der Stimme der Klugheit aber endlich Gehör gebend,entschloß sich Pius am 12. Scpt. (1849) ein Motuproprio zu erlassen, worin dieEinsetzung eines Staatsraths, einer Staatsconsulta für die Finanzen, die Einsetzungvon Provinzialräthen, Municipalvertretungen und Reformen der Gerichtsordnung ver-heißen wurde. Der Staatsrath sollte „der Regierung seine Ansicht über zu erlas-sende Gesetze und Verwaltungsfragen abgeben"; die Staatsconsulta sollte sich mit denFinanz- und Stcuerfragen beschäftigen und vom Papste auS Personen gewählt wer-den, die ihm von den Provinzialräthen vorgeschlagen worden; die Provinzialräthe,mit Provinzial- und Localintcressen consultativcrweise betraut, sollten ebenfalls vomPapste gewählt werden aus den vorgeschlagenen Listen der Communalrathc; unddiese endlich sollten aus Censuswahlen hervorgehen- Die hierarchische Organisation«,weise der verheißenen Institutionen vermochte kaum die herabgestimmtesten Ansprüchezu befriedigen, denn sie ließ nur zu klar vie Unmöglichkeit der administrativen Säcu-larisalion erkennen. Seit dem Erlaß dieses Motuproprio sind nun (1851) bald zweiJahre verflossen, und wenn sich ja bescheidene Hoffnungen daran geknüpft, so haben siebis heute vergeblich auf Erfüllung geharrt, denn Cardinal-Staatssccrctär Antonelli, seitmehr als drei Jahren die Seele der römischen Curie, ist nicht der Mann, von demextremen Priesterregime nur ein Jota aufzugeben; überdies bedurfte es kaum seinermodelnden Hand, um in dem Staatsrathe, der Staatsconsulta u. s. w. willenlose