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Siebenter Band.
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164 Die Unästhetischen Mittel.

Tode durch Chloroform ausgezählt, von denen indessen mehre, und zwar Verhältniß-mäßig viele, unbedingt als zu dieser Kategorie nicht gehörig zu streichen sind, anderezu gerechten Zweifeln Anlaß geben, und wieder andere so oberflächlich berichtet sind,daß eine wissenschaftliche Kritik auf die Bestimmung ihres Werths fast ganz »er-zichten muß.

Was dagegen die Anzahl derjenigen Fälle betrifft, bei welchen die «»ästhe-tische Anwendung des Chloroform von, glücklichsten Erfolge begleitet war, so läßtsich dieselbe zwar nicht genau bestimmen; wäre es aber möglich, sämmtliche theils inHospitälern, theils in der Privatpraxis vorgekommenen Fälle zu sammeln: es wür-den sich ihrer ohne Frage Hunderttauscnde ergeben. Behauptet doch ein einzigerwiener Zahnarzt (I. Weiger) im Ostermonate des Jahres 1850, er habe bereits21000 Operationen auf schmerzlose Weise durch Anästhctica vollzogen! Wer nunheute noch fragt, ob eine vorsichtige Anwendung von Chloroformeinathmungen, na-mentlich in der chirurgischen Praxis, vor dem Forum des ärztlichen Gewissens ge-rechtfertigt sei, dem kann und darf sicher die bisherige Erfahrung die erfreulichsteAntwort geben. Sie wird ihm sagen können, daß hier ein Fall vorliegt, wo diePraxis gewissermaßen einen kühnen Schritt gethan, und der Wissenschaft mit freilichnicht seltenem, aber reich belohntem Muthe zuvorgekommen ist. In statistischer Be-ziehung muß nämlich unbedingt zugestanden werden, daß etwaige schlimme Fol-gen dieses wunderbaren Mittels, mochten sie transitorischer Art oder tödtlich sein, imVergleiche zu der Masse von glücklichen Erfolgen, wie sie ja fast alle Länder der civili-sirten Welt auszuweisen haben, sehr gering erscheinen, und bei der Entscheidung derFrage kaum als ein gewichtiges Moment in die Wagschale fallen. Freilich soll dasChloroform nicht , bei allen Operationen, namentlich nicht bei den unbedeutendstengleich in Anwendung gebrächt werden; und es gilt auch hier, was schon oben beiGelegenheit der Anwendung des Atherismus bemerkt worden ist. Neben den schondort angegebenen Beschränkungen findet das Chloroform am zweckmäßigsten seineStelle namentlich bei Absetzung einzelnem Glieder, Abtragung der Gelenkenden, Aus-rottung großer Geschwülste, größer,, Augenoperationen, der Augenlid-, Mund-, Lip-pen-, Nasenbildung, bei' Operation widernatürlicher Gelenke, bei Abnahme der Brust,Operation des Kopfs, dem Speise röhren schnitte, bei Ausrottung des Gebärmutter-halses, Operation der Blasenscheidesistcl, dem Steinschnitte u. s. w. Ferner bei Cau-terisationen, bei Einrichtung verrenkter Glieder, verwickelten Knochenbrüchen größererEliedmaßen mit übereinander geschobenen Bruchcndcn, sowie endlich bei orthopädi-schen Operationen, mit nur wönigen Ausnahmen. Der Einfluß des Chloroformis-mus aus die Folgen der Operation ist nach übereinstimmenden Erfahrungen der erstenChirurgen Englands, Frankreichs und Deutschlands stets ei» günstiger. Die Wun-den vernarben nach dem Gebrauche des Chloroform gerade so wie bei den Indivi-duen, welche ohne dessen Hülfe operirt worden sind; und wenn man durchaus einenUnterschied machen soll, muß derselbe eher noch zu Gunsten der nach Chloroformcin-athmung Operirten geschehen. Die Heilung geschieht niemals langsamer, ja oftmalsselbst schneller als gewöhnlich, und wird durchaus von keinen, unangenehmen Zufalle,für welchem das Chloroform die Schuld tragen müßte, unterbrochen. Größere Blu-tung in Folge der Chloroform«,,athmung während der Operation, oder vermehrteNeigung des Bluts zu Nachblutungen „ach Operationen hat kein Chirurg bisher be-obachtet, sondern einige Geburtshelfer in England wollen sich des Chloroform mitVortheil sogar gegen Gebärmuiterblutflüsse bedient haben. Die Frage, welche An-wendung das Chloroform in der Geburtshülfe zu finden habe, ist jedoch zur Zeitnoch unentschieden-: jedenfalls wird diese nie so allgemein werden wie in der Chi-rurgie, ist auch bei gewöhnlichen Geburten sicher vollkomnisn überflüssig. Wol aberwird d,e Emathmung des Chloroform bei schweren und regelwidrigen Geburten, beiWendungen und Zangenvperationen für die leidende» Wöchnerinnen meist Vortheil-haft sich erweisen.

Nach dem Angegebenen kann man somit wol mit Recht behaupten, daß daül