Die Unästhetischen Mittel. E
Chloroform den Äther als Anästheticum nicht blos vollkommen ersetzt, sondern sogarvor Lehtcrm unbedingt den Vorzug verdiene. Denn, um noch einmal kurz >hierfür zu wiederholen, bedarf man 1) zur Anwendung des Chloroform keines Lp.Parats, und 2) zur Erzielung einer ergiebigen Betäubung weit kleinerer Ga en hroform als Äther; 3) erwirken selbst diese kleinern Gaben noch dazu m kürzerer Ameine vollständige Betäubung, und zwar 4) auch mit größerer Sicherheit und wenigerunangenehmen Neben- und Nachwirkungen, als dies bei Anwendung des --"herFall zu sein pflegt; 5) athmet sich das Chloroform auch leichter em, denn es riech«und schmeckt sehr angenehm, und endlich 6) beobachtete man beim Chloroform ndurchaus noch nicht den mindesten Unfall, vorausgesetzt freilich, daß das er chChloroform rein ist und man mit der gehörigen Vorsicht s-.ne Anwendung übe -wacht. Um aber überhaupt das Chloroformisiren so zweckmäßig und erfolgreich alsmöglich betreiben zu können, halte man den Patienten, sowvl wahrend der Emath-münz als während derselbe wieder zu sich kommt, in möglichster Ruhe, s ies, welche die Neigung zur Aufregung herabstimmt und die betäubende Wir u gChloroform leichter und schneller hervortreten und auch wieder vorübergehen lM.Aus demselben Grunde soll man auch gleich im Anfange und bei den ersten Y 'zeigen die einzuathmcnde Luft so sehr als möglich, und als es der Patient er rage>kann, mit Chloroform sättigen, und von dessen Dünsten so viel als mög ich uchMund und Nase eindringen lassen. Die Wirkung tritt so gewiß weit früher hervor,und auch eher, bevor noch eine zu große Otuantität Chloroform überhaupt M denOrganismus aufgenommen worden ist. Das Gegentheil hiervon ist ein ebenso ge-wöhnlicher als nicht zu verzeihender Irrthum, indem die Darreichung einer allmaligsteigenden Gabe Chloroform, anstatt der erwünschten vollen und betäubenden Wirkung,nur eine unvollkommene und mehr aufregende erzeugt; und wenn auch endlich einevollkommene Narkose damit erreicht wird, so kommt dieselbe doch erst nach längererZeit und nach Einathmung einer weit größer» Menge Chloroform zu Stande. Sehrviele mislungene Versuche und unangenehme Erscheinungen im Laufe des Chlorofor-mismus sind zweifellos der Vernachlässigung dieser einfachen Regel zuzuschreiben, undnicht die Anwendung des Chloroform, sondern nur seine fehlerhafte Anwendung istdeshalb zu tadeln. Ferner unterstützt die Rückenlage beim Einathmen wesentlich dasschnellere Hervortreten der Betäubung. Endlich aber ist, um ein befriedigendes Re-sultat zu erzielen, die höchst wichtige Bedingung nicht zu übersehen, daß man inkeinem Falle sich entschließe, die Operation selbst zu beginnen, daß man niemals emMesser, Glüheisen u. s. w. ansetze, als bis der Patient unter der vollen Wirkung desChloroform sich befindet und vollständig und zweifellos dadurch betäubt ist.
Während sich nun in Folge der zahllosen und allenthalben mit dem Chloroformangestellten Versuche einerseits die Überzeugung stets fester stellte, daß dieser vonFlourens und Simpson in die ärztliche Praxis eingeführte Stoff vor allen andernätherartigen Flüssigkeiten zur Einathmung und somit zur Anästhesie in jeder Be-ziehung den Vorzug verdiene, und in ihm somit ein wol für alle Zeiten Geltungbehaltendes, höchst schätzbares Mittel zur Aushebung, oder mindestens zur Linderungdes chirurgischen Schmerzes gefunden sei: tauchte andererseits, der menschlichen v a urgemäß, immer lebhafter der Wunsch auf, endlich doch auch ei» Mittel zu besitzen,das die Schmerzen in der großen Zahl der gewöhnlich vorkommenden Lewenszufallrhinwegnehmm konnte, ohne daß man wie bisher nöthig hätte, dasselbe emzuathmenund somit den ganzen Organismus dabei zu betäuben. Noch lange vor EntdeckungdesAtherismus, schon im Jahre 1829, hat bekanntlich Professor Nutzer iu Bonnden Schwefelalkvhol (Schwefelkohlenstoff) als ein örtlich schmerzstillendes Mittel zur' äußern Anwendung, namentlich bei chronischen Rheumatismen und der Ischias öffent-lich empfohlen, indem er ein Nachlassen des Schmerzes, ja bei wiederholter Anwen-düng des Mittels selbst eine völlige Beseitigung des Schmerzgefühls beobachtet hatte.Nach dem Bekanntwerden der Ahternarkvse hat Gruby bezügliche Experimente nntThieren angestellt, den Schenkel eines solch?» anhaltend mit Atherdämpsen umhüllt