118 Die Wissenschaft der Nationalökonomie.
lung der einzelnen Fragen kaum einen Blick geworfen. Gerade die hervorragendstenseiner Anhänger knüpfen, wie er selbst, an einzelne praktische Fragen an, um vonihnen aus mit männlich strenger Logik diesen oder jenen allgemeinen Sah für dieWissenschaft zu erobern; die besten Arbeiten beziehen sich, der stärksten Seite AdamSmilh's entsprechend, auf Verhältnisse der Industrie im engern Sinne. Auch inder Jsolirung der Frage über die materiellen Dinge von den allgemeinen sittlichenInteressen der Gesellschaft sind die Schüler dem Meister gleich geblieben. Indem siedie producirenden Kräfte und das höchste Maß ihrer möglichen Resultate allein insAuge fassen, ohne im Übrigen nach der Quelle oder den Folgen zu fragen, erhaltendie Arbeiten dieser Schule, gerade weil sich unterdessen die Folgen der modernen In-dustrie auch in mancher düstern Schattenseite gezeigt haben, einen Anstrich von herb-strenger Zurückweisung aller der Stimmen, die inmitten eines steigenden National-rcichthums nach Hülfe und Erlösung rufen. Innerhalb des Gebiets, auf welchemdiese Schule mit nüchternem Fleiße arbeitet, hat sie sich fast unangreifbar verschanzt;aber der Ningkreis, der ihren Horizont bildet, umschließt nicht die ganze Aufgabe derNationalökonomie. Ihre Annahme, daß es doch so sei, kann nur verwirrend wirken.
Das Werk Adam Smith's erregte in England gleich bei seinem ersten Erschei-nen eine «»gemein große Aufmerksamkeit und ward viele Jahre hindurch, und insteigendem Maße mit der sich immer mehr entfaltenden Industrie, deren Lehrmeisteres abgab, gepriesen. Ein gleichzeitiger Gegner, Pownall („4, toller lo ä. Smilb",Lond. 1776), fand ebenso wenig Gehör als etwas später Crawfurd („Hie doolrinook oguivalents, or an explanslion ok tliv naturo, llie value and tl>o porvor okmone^", Lond. 1794), Gray („Ifto S88sntial prinoiple8 ok tl>e rvoaltti ok n»l> 0 N 8 ",Lond. 1797), und Lauderdale (,,4.n inquirv >nto tlis naturo and nrigin ot puldio>voaltl> and into llie moan8 and eari 808 ok i>8 inoreaso", Edinb. 1861; deutsch,Bcrl. 1808), während Erläuterungsschriften, wie die von Jeremiah Joyce („^ eom-ploto anal^8i5 »k ^dam 8mill,'s inguir^ elo.", Lond. 1797), die neue Volkswirth-schaftliche Lehre bei allen Classen des Volks einzubürgern suchten. Die Lcbensve»hältnisse selbst zwangen aber allmälig immer mehr zu dem ernstesten Nachdenken auchüber solche Partien in dem materiellen Güterleben des englischen Volks, welche vonAdam Smith nicht hatten beobachtet werden können und deshalb in seinen Unter-suchungen unberührt geblieben waren. Mit der steigenden Ausdehnung der Arbcits-theilung hatte die Concentration der Besihthümer gleichen Schritt gehalten, und indem Lande, dessen sunnnarischer Reichthum riesige Fortschritte machte, siel eine immergrößere Anzahl verarmter Arbeiter und ganz besitzloser Hilfsbedürftiger den öffent-lichen Wohlthätigkeitsanstalten und der Armenpflege des Kirchspiels zur Last. Soentstand ein immer dringenderes praktisches Bedürfniß nach der Lösung der Frage,wie zwei Thatsachen: die Vermehrung der Zahl der Armen und das Steigen desReichthums des Landes, miteinander zu vereinbaren seien, und welche Mittel diesenContrast Abzuhelfen vermöchten. Angeregt durch die Behauptungen eines gewissen God-win, der in Tagesblättern und in einem besondern Buche („Inguii-x oonoorning po-lili'o.-d jusliee", Lond. 1792) auszuführen suchte, wie an allen materiellen Übeln undLeiden der bürgerlichen Gesellschaft und der Einzelnen nur die Regierungen und diePolitischen Institutionen der Völker Schuld seien, stellte Robert Malthus („än e88»yon Mo prineipls ok Population", Lond. 1806; deutsch von Hcgewisch, Alton« 1807)eine Reihe höchst merkwürdiger Untersuchungen an über die Ursachen jenes Kontrastesund dieser Leiden. Er fand, daß die politischen Institutionen nur von unbedeuten-dem Einflüsse seien, und daß vielmehr ein Naturgesetz, dessen Wirkung von den lei-denschaftlichen Menschen nicht entkräftet werde, hier mit eherner Nothwendigkeit walte.Die fast unbeschränkte Zeugungskraft der Natur zeige sich auch im Menschen; dieVermehrung derselben finde in geometrischer Progression statt, dagegen die Vermeh-.rung der nothwendigen Lebensmittel nur in arithmetischer, auch bei allem ökonomi-stbcn Fortschritt der Gesellschaft. Daher strebt die Bevölkerung immer über die Ihrdurch die Menge der vorhandenen Lebcnsmittel gesetzte Grenze hinaus: die resulti»