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Siebenter Band.
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Die Wissenschaft der Nationalökonomie. 119

rende Übervölkerung ist das eigentliche Leiden der bürgerlichen Gesellschaft. Wennder Mensch Kinder zeugt, für die er keine Nahrung hat, deren die Gesellschaft nichtbedarf, für die kein Platz mehr da ist am Tische der Natur, so müssen sie von demSchauplätze der Erde, auf welchem Jeder nur für sich da ist, wieder abtreten. DieNatur selbst räumt dann diese Überflüssigen und Unberechtigten durch Hunger, Seuchen. s. w. hinweg. Die Folgerungen, die sich daraus für die Arniengeschgebung unddie Beurtheilung der Privatwohlthätigkcit ergaben, liegen zu Tage. Die Armcn-untcrstühung, in welcher Form sie auch ausircten mochte, mußte nicht nur jenemNaturgesetze gegenüber im Großen resultatlos bleiben, sondern sie erschien auch alsein der bürgerlichen Gesellschaft im Allgemeinen höchst schädlicher Eingriff in denwohlthätigen Vcrnichkungsproceß der Natur, während sie zugleich den Armen in Be-ziehung auf die Kindererzeugung leichtsinniger mache. '

Durch diese Untersuchungen wurde ein von Adam Smith fast ganz unbeachtetgebliebenes Gebiet der nationalökonomischc» Bearbeitung unterworfen, welche seitdcmnicht wieder unterbrochen worden ist. Die Resultate, zu denen Malthus in seinemvon großem Scharfsinn zeugenden Buche gelangt war, entsprachen im Allgemeinenüberhaupt dem lässigen und lcichtgesinnten Geist solcher Regierungen, welche sich gernmit einer durch eine große wissenschaftliche Autorität gestützten Jnsolvcnzcrklärungschwierigen Fragen gegenüber zu helfen suchen. In England selbst gewann in dernachfolgenden Zeit die Lehre Malthus' einen bedeutsamen Einfluß auf die Armcn-gesehgcbung. Die von dieser Theorie verlangte-Nutzanwendung ist im Grunde ge-nommen eine zwar eiserne, aber ganz folgerichtige Conscquenz der von Smith be-gründeten Anschauung eines naturgesetzlichcn Waltens im Giitcrlebcn und eben jenerJsolirung der mit dem Gütcrleben in Berbindung stehenden Fragen von allen ander-,wcitigen Zwecken und Interessen, mögen dieselben auch an sich Noch so ehrwürdigund menschlich sein. Die durch die Gegenüberstellung der arithmetischen und geo-metrischen Progression versuchte Begründung ist ein Irrthum, indem das Leben selbstnirgends die Anwendung dieser mathematischen Formel zuläßt, auch nicht in den vonMalthus cikirtcn nordamcrikanischen Freistaaten, wiewol diese selbst nur als ein Bei-spiel von einer Ausnahme gelten könnten. Gleichwol hat dieses Buch eine großeBedeutung gehabt, weniger noch deshalb, weil dadurch die Aufmerksamkeit auf schäd-liche Misbräuchc in den Armcnversorgungs - und Wohlthätigkeitsanstalicn gelenktwurde, als weil überhaupt auf die Wichtigkeit des Verhältnisses hingewiesen war, inwelchem die Bevölkerung zu der Masse der in einem Lande zu gewinnenden Lcbcns-mittel und die Steigerung beider zueinander steht. Malthus hat durch sein Bucheine ziemlich große Zahl wichtiger Schriften hervorgerufen. Während es noch im18- Jahrhundert als eine Prcisaufgabe angesehen wurde, die Mittel und Wege an-zugeben, durch welche die Bevölkerung eines Landes möglichst groß gemacht werdenkönne, wurde von jetzt ab in der gegenseitigen Richtung geforscht, wie dem drohen-den Gespenst der Übervölkerung vorgebeugt, die vorhandene wieder beseitigt werdenkonnte. Durch diesen Zweig der nationalökonomischcn Literatur ist neben vielemAbenteuerlichen und Unmöglichen, neben einigem Absurde» und Verrückten auch man-ches Schätzbare nnd Lehrreiche geliefert worden, auf das einzugehen hier jedoch nichtder Platz ist, da in alledem die Formel Malthus': „Die Natur müsse man frei ge-wahre» lassen, indem sie das Gute und Heilsame von selbst wiederherstelle, Welchesder leidenschaftliche Mensch zu vernichten drohe", gänzlich verlassen ist. In Englandselbst suchte jener Godwi'n in einem nicht unwichtigen Buche seinen Gegner zuWiderlegen („Iinjuirz' oonooruinfi tl,s uk inormiso in Hie numster» ok m-m-

lüiicl", Lond. 1821), während etwas später Senior („Outline» nk ti,e »oienee oslwlilieol eeonomz-", Lond. 1836) die Grundanfchauung Malthus' dahin ausdehnte,daß er alle socialen Uuvollkvmmeuhcitcn als unheilbare Übel darstellte.

Der Umstand, daß fast alle bedeutenden volkswirthschaftlichen Schriften in Eng-land ihre erste Entstehung einem praktischen Bedürfnisse verdankten, welches dgs Le-ben bewegte, hat gewiß den großen Einfluß begründet, welchen die politische Ökono-