Band 
Siebenter Band.
Seite
130
JPEG-Download
 

13V Die Wissenschaft der Nationalökonomie.

begegnen wir dem scharfspürenden Zweifler und dem belehrenden Entdecker von Blößenund Mangeln; aber überall gewahren wir auch die Leere an positiven Wahrheiten,den gänzlichen Mangel der affirmativen Production. Ost stellt er allen angegriffenenSähen nur die Negation ihrer Wahrheit gegenüber; oft ist eine positive Federung,wie z. B. die der Anarchie als Staatsregierungsform, für die Gesammtheit derGleichen nur eine schlechtverhüllte Form der reinen Verneinung. Manchmal, wo nachlebendiger Widerlegung die Erwartung auf die positiven Gegensätze hoch gespannt ist,überläßt er plötzlich mit der Stellung eines paradoxen Räthsels den Leser sich selbst,oder offenbart wol auch aufrichtig die friedlose Lehre des gepeinigten Zweiflers. Seineletzten Schicksale sind bekannt: sein Projecl der Volksbank, ihr Scheitern, sein revo-lutionäres Ankämpfen gegen die Gewalten der öffentlichen Ordnung, seine Strafen.Einen gewichtigern Gegner erhielt er an Bastiat, den, unermüdlichen und genialenVerfechter der Handelsfreiheit. Selbst Proudhon's wenige Freunde bekannten, daßBastiat („Intsrüt st prinoipsl ciissussion vntrv dir. rrouäkon st dir. Vs8tist",Paris 1850) ihn in ehrlicher, wissenschaftlicher Weise angegriffen habe, und kaumkann ein Zweifel darüber sein, daß der klare, übcrzeugungssrcudige Bastiat den ver-düsterten, zweifelvvllen Gegner in der Frage über die Nechtmäßigkeit der Capitalrentevollständig besiegt hat. Die große Tragweite aber gerade dieser Frage für die Be-gründung der volkswirthschaftlichen Vorschläge Proudhon's war von beiden Seitenerkannt.

Die Entwickelung der Nationalökonomie in Italien; isolirte Stellung der italienischen

Schriftsteller.

Italien kann unbedingt als dasjenige Land angesehen werden, in welchem diewissenschaftliche und theoretische Bearbeitung nationalökonomischer Wahrheiten in dieVergleichweise frühesten Zeiten hinaufgeht. Wie ununterbrochen die Reihenfolge ist,darüber geben die Sammelwerke der italienischen Nationalökonomie genügende Belege.Custodi hat die volkswirthschaftlichen Schriften seines Vaterlandes, welche zwischendie Jahre 1582—1804 fallen, in 50 Banden unter dem Titel: „Ssrittori olassisiitalisni 6i soonornis politica" (Mail. 1805 — 4) herausgegeben. Von diesen 50Bänden sind 7 Bände „karts sntioa", und 42 Bände „?arto inoclsi-na"; der 50.Band enthält die Inhaltsverzeichnisse. Das Anfangsjahr 1582, in welches dasWerk Scaruffi's: „visoorso soprs io monsto e clslla vera prvpnrriono lrs I'orov I'argsnto", fällt, ist aber obendrein ziemlich willkürlich gewählt, und der GrafPecchio hat wenigstens noch auf Macchiavelli aufmerksam machen zu müssen geglaubt.Pecchio („Ltoriu clslla eoonomis pubiilies in Italic«, ossia epilogo siitioo rlszli eco-uomisti italisni, preosciuto lla un introclurions", Lugano 1829; 2. Allst., 1832)gab einen gedrungenen Auszug des Inhalts jener Sammlung und fügte eine Ana-lyse der bedeutender» volkswirthschaftlichen Schriftsteller Italiens zwischen 1804 und1852 hinzu. Daß auch über dieses Jahr hinaus die Italiener in der nationalöko-nomischen Literatur thätig waren, werden wir sehen. Auffallend wird auf den erstenBlick die Abgeschlossenheit dieser italienischen Literatur von den Forschungen und Er-gebnissen der übrigen Nationen, und wenn auch bei den lombardischen Schriftstellernder Einfluß der französischen Lireratur, und im südlichen Italien der der englischennicht zu übersehen, so ist er doch im Ganzen unbedeutend zu nennen. DiesesVerhältniß dauert bis in dieses Jahrhundert fort; nirgends ist der Einfluß derSmilh'sche Lehre später bemerkbar und geringer anzuschlagen als in Italien. Esliegt das in der Natur des Volks und in dem Einfluß seiner politischen Situation-Zu der Fremdherrschaft und dem Absolutismus der einheimischen Fürsten stand derGeist des Volks fortwährend in bitterer Opposition, und die volkswirthschaftliche Lite-ratur übte deshalb eine ununterbrochene, mindestens indirecte Kritik der volkswirth-schaftlichen Maßregeln der Regierung. Daher kommt es, daß die meisten national-ökonomischen Schriften den Charakter von Gelegenheitsschriften haben, welche sichgegen einzelne hervortretende Mangel richten, sodaß z. B. nach Ganilh „Italien