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Siebenter Band.
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Die Wissenschaft der Nationalökonomie.

festgehalten worden; aber die Nationalökonomie wird cS um so entschiedener von sichwegwcisen müssen, je mehr sie sich als Erfahrungswissenschaft begreift. Allerdingshandelt es sich zwar immer um Beziehungen zwischen dem Menschen und den Gütern;allein der Mensch selbst ist eine in der Zeit und in dem Raume wurzelnde Größe,und nirgends existirk er als ein sich gleichbleibendes generelles Specificum. Er istauch mit seinen wirthschaftlichen Bestrebungen, auch mit seinem Verhältniß zu denSachgütern an die Scholle gebunden, auf der er lebt; und wie sehr er auch seine Herr-schaft über sie stärken und ausdehnen kann, ganz von ihr loszureißen, von ihr alseiner nicht gegebenen Größe ganz abzusehen, vermag er nicht. Die geographischenGrundbedingungen der Nationen enthalten ein stillschweigendes aber unbedingtes Vetogegen den Absolutismus irgend welcher wirthschaftlichen Theorie. Es spricht dies auchdie zeitliche Entwickelung in der Geschichte aus, die eine ewig lebendig sich ent-faltende, von Stufe zu Stufe sich erhebende Menschheit trägt, und die in keiner ihrereinzelnen Perioden, auf keinem Gebiete menschlichen Lebens und Webens, statt derEntwickelung in Kommen und Verschwinden, ewig feste Zustände ausweist. Und wieder Mensch überall etwas Concretes ist, so ist es auch das Volk, von dem der Ein-zelne einen Bruchtheil bildet, und das selbst wiederum einen in sich eigenthümli-chen Theil der gesammten Menschheit darstellt. Die Geschichte lehrt überall, daßdie einzelnen Völker ganz verschiedene wirthschaftliche Bestrebungen gehabt haben, daßdiese Strebungen aus verschiedenen Auffassungen der Volkswirthschast selbst hervor-gingen und einen verschiedenen Erfolg hatten, aus keinem andern Grunde, als weileben die Grundbedingungen der wirthschaftlichen Existenz verschieden waren. Ebensozeigt sie die stetige Fortentwickelung dieser Strebungen, und wie stets von einerwirthschaftlichen Culturstufe zu einer höhern vorgeschritten wird. Allerdings bleibtes immer die höchste und schwierigste Aufgabe einer wahren Wissenschaft, dieGesetze der Erscheinungen zu gewinnen, welche ihrem Gebiete zugehörig sind;aber andere sind die Gesetze einer absoluten Doctrin, andere die einer geschichtlichenErfahrungswiffenschaft. Die Letztere wird das Moment der geschichtlichen Ent-wickelung gerade bei ihrem Streben, Gesetze der Erscheinung zu gewinnen, berücksich-tigen, und deshalb Entwickelungsgesetze darzulegen überhaupt zu ihrer Ausgabe ma-chen müssen. Daran reiht sich unmittelbar die richtige Erkenntniß über die Tragweiteder Wahrheiten, welche die theoretische Forschung für das Leben nutzbar zu machensich bestreben kann. Sie können nur unter Bedingungen und EinschränkungenGeltung haben, welche aus den concretcn Lebensverhältniffen hervorgehen. Es kanndieselbe Wahrheit, dieselbe Maxime in der einen Zeit, bei dem einen Volke segen-bringend sein, und in einer andern Zeit, für ein anderes Volk eine verderbliche An-wendung finden. Es ist gleichmäßig Unverstand, wenn man z. B. die mittelalterli-chen Formen des Güterlebcns als einen baaren Unsinn, als eine unglückliche Ver-blendung der damaligen Volker hinstellt, wie wenn man heutzutage, nachdem alleLebensbedingungen der Völker total verändert sind, von einer Rückkehr zu ihnen sichBesserung und Heil verspricht. Und wie es mit ganzen Entwickelungsstufen ver-schiedener Zeiten ist, so ist es auch mit einzelnen Federungen und zwischen verschie-denen Völkern derselben Zeit. WaS hier frommt, bringt dort Schaden; und diethatsächlich auf einen verschiedenen Lebensgrunde erwachsene Lebensweisheit wird durchden contradictorischen Gegensatz, der mit dem Schlachtruf: Hie Wels, hie Waiblin-gen! einen Kampf auf Leben und Tod ausgcfochlen wissen will, nicht erzwungen,sondern sicherlich nur von der über den kämpfenden Parteien erhabenen Betrachtungsichergestellt werden.

Große Wahrheiten, die über ein weites Gebiet neues Licht verbreiten, tretengewöhnlich nur allmälig und bruchstückweise zu Tage. Die vorher bezeichnete Auf-gabe ist in der Wissenschaft der Nationalökonomie noch nicht gelöst, nicht einmal inallen angegebenen Momenten festgestellt. Aber Hinweise auf sie, Anklänge zu ihrsind bei manchen hervorragenden Volk-wirthschaftsgelehrten der frühern Zeit hervor-getreten, und immer bestimmter wird in der neuesten Zeit auf die Nothwendigkeit