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Siebenter Band.
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282 Die deutsche Nationalversammlung.

derte vor allem den Besitz der streitigen Gebiete, und versprach, wenn es recht mäch-tig geworden, sie wieder herzugeben. Und solch ein Anerbieten, nur auf die poli-tische Unerfahrcnheit berechnet, hielten nicht wenige wackere Männer für aufrichtigund unfehlbar, weil die acht Polen, die ihrerseits zur Anwendung jedes wirksamenMittels allerdings berechtigt sein mochten, die unverbürgte Zusage beigefügt hatten,daß der künftige Staat Polen mit demokratischen Einrichtungen auferbaut werden !

und die Gleichberechtigung der Nationalitäten zur Grundlage erhalten solle. Der !

polnischen Sache waren die Demokraten dadurch gewonnen, die Nationalen wenig-stens nicht entfremdet.

Indessen ging neben der Bitte schon die halbverhüllte Drohung einher. Die-selben Abgeordneten des polnischen Nationalausschusses legten zu gleicher Zeit eineförmliche Verwahrung ein gegen die Aufnahme der 12 deutschen Vertreter aus Po-sen ins deutsche Parlament und griffen so unmittelbar in dessen Gerechtsame ein.

ES fand sich auch ei» Parlamentsmitglied, das sofort und ohne weiteres auf Aus-fchließung jener Vertreter antrug: Vcncdey.

Über die Zulassung der 12 Abgeordneten hatte zunächst der Wahlprüfungsaus-schuß zu berichten. Dieser, da er an den Wahlhandlungen und Vollmachten nicht-Widergesetzliches fand, mußte sich für die Zulassung aussprechen; er schlug jedochvor, daß die Zulassung nur als einstweilige gelten sollten, bis die Vorfrage: ob dieEinverleibung deutscher Bezirke PosenS in das Bundesgebiet rechtmäßig geschehen sei,ihre Erledigung gefunden habe.

Nerreter aus Fraustadt, ein trefflicher Redner, hielt dafür, es sei kein genügen- 'der Grund, weshalb für die Wahl der Abgeordneten aus Posen nicht sogleich dieendliche Gültigkeit ausgesprochen werden sollte. Die Abgesandten eines polnischen ^Nationalausschusses, ohne Vollmacht ihrer Nation, seien zur Einlegung von Verwah-rungen nicht berechtigt. In den deutschen Bezirken Posens finde man 400000 ßDeutsche und nur wenige'Polen; jene verlangten Aufnahme in Deutschland, mit 1dem gleichen Rechte wie Schleswig: man könne sie nicht hinausstoßen. Thue» manes dennoch, so sei ihnen der Kampf auf Tod und Leben mit den Polen gewiß.

Der Redner war in die thatsächlichen Verhältnisse der ganzen posener Angelegen-heit vorzeitig eingegangen, da doch jene im Augenblick noch gar nicht zur Entschei-dung kommen konnten. Mit Recht wies daher Zitz die Frage auf den streng förm-lichen Standpunkt zurück. Im Parlament gebe es keine Vertreter von Deutschen,sondern von deutschen Landestheilen. Posen sei aber bis jetzt weder durch das Par- -lammt' noch durch die Nationalversammlung dem Deutschen Bunde einverleibt wor-den. Es könne daher, bis dieses geschehe», eine Zulassung poscnscher Volksvertreter,auch nur eine vorläufige, nicht stattfinden.

Mitten in dieser Verhandlung war nian darauf aufmerksam geworden, daß dieganze Frage eigentlich schon durch tz. 7 der Geschäftsordnung entschieden sei, welcher ':bestimmte, daß Abgeordnete, deren Wahl als ungültig angefochten werde, bis zurEntscheidung alle Befugnisse der andern Mitglieder üben könnten. Zwar hatte man 'sbei der Abfassung dieses Satzes keineswegs einen solchen Fall im Auge gehabt, wieer hier vorlag; indessen sprach der Wortlaut so unbedingt für die einstweilige Zu- ^lassung, daß man diese nicht ablehnen, ja daß man sie nicht einmal zur Abstimmung»bringen konnte, da sie nach jenem Paragraphen sich von selbst verstand. Die Frage Müber die endgültige Zulassung ward an den Völkerrechtsausschuß verwiesen. ^

Der Bericht desselben, erstattet von Stenzrl, Professor der Geschichte zu Bres-lau, gab nach einer Zahlung vom December 1843 die Zahl der Polen im Groß-herzogthum Posen auf 790000, die der Deutschen auf 500000 Seelen an. Zuden Deutschen rechnete der Ausschuß, wie auch die Regierung, weil es damals dien-lich war, die posener Juden, 80000 an der Zahl. Der Bericht berührte dann dentiefen Widerstreit, der nie zwischen Polen und Deutschen aufgehört; er führte aus,wie der Pole selbst die staatliche Ordnung, die den Bauer von der Adel-willkür be- ,freite, und ihm sonst viel Tute« brachte, mit Widerwillen empfing, weil st«, von