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Siebenter Band.
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300 Die deutsche Nationalversammlung.

Angelegenheiten, bei der ganz Europa mitzusprechen berufen war, mit dem Alexander« !schwerte durchgeschnitten. Einige der einflußreichsten Leiter der Versammlung gehör-ten durch Geburt oder Lebensverhältnisse den Herzogthümcrn an. So war es dennnicht zu verwundern, daß die Ungeduld und das beständige Drangen und die Ee- j

ringschätzung der Feindschaft ganz Europas, sonst alltägliche Vorwürfe gegen die ^Männer der Linken, in dieser Sache die Politik der Mehrheit bezeichneten.

Schon am 2. Juni hatten die 10 Vertreter von Schleswig-Holstein, an ihrerSpitze Dahlmann, in der Nationalversammlung den Antrag gestellt, sie möge crklä- ^ren, daß die schleswigsche Sache zum Bereich ihrer Wirksamkeit gehöre, und daßbeim Friedensschlüsse das Recht der Herzogthümer und die Ehre Deutschlands ge-wahrt werden müsse. Der Bericht hierüber wurde gm 8. Juni von Hcckscher er-stattet; er stimmte dem Dahlmann'schen Antrage bei, und verlangte noch außerdem,daß man die Erwartung ausspreche, es werde für die erfodcrliche Verstärkung desdeutschen Heeres in Schleswig-Holstein Sorge getragen werden. General von Wrangelhatte nämlich kurz zuvor seine Truppen aus Jütland und Nordschleswig zurückge-zogen, und es verlautete, daß politische Gründe dieser Maßregel nicht fremd gewesen.

Ehe jedoch der Gegenstand im Parlamente zur Sprache kam, hatte schon die Bun-desversammlung beschlossen (5. Juni), dem General mitzutheilen: „es lägen ihr keineGründe vor, die der Wiederbesetzung der geräumten Landesthcile entgegenstünden";zugleich wurde ihm schleunige Verstärkung zugesagt. Sonnt war der zweite Theildes Ausschußantrags schon zum voraus erledigt. Es war in jenen Zeiten die Weisedes Bundestags, der Nationalversammlung in wichtigen Entschlüssen voranzucilen,und gewissermaßen ein Wettrennen um die öffentliche Gunst zu halten; dann pflegteSchmerling auf die Bühne zu treten und zum Ärger der Linken zu verkündigen:was man hier in St.-Paul verlange, das sei im Taxis'schen Palaste schon abgethan. f

Dahlmann eröffnete die Berathung über den Ausschußbericht am 9. Juni. Er !

schilderte das Verfahren, das einst unter Münch-Bellinghausen's Leitung der Bun-destag gegenüber der Sache Schleswig-Holsteins eingehalten. Als im Jahre 1822die Ritterschaft und die Gutsbesitzer von Holstein sich nach Frankfurt gewendet, habeder vom Bundestag ernannte Berichterstatter sich den Federungen Holsteins günstigausgesprochen; allein eben deshalb habe man den Bericht zurückgelegt. Eine zweiteEingabe der Ritterschaft gestattete Graf Münch-Bellinghausen nicht einmal an dieBundestagsgesandten zu vertheilen, in solcher Weise die gewöhnlichsten Rechtsbegriffeverhöhnend. Mittlerweile wußte Östreich die Abberufung mehrer Bundestagsgesandlenzu bewirken; und als dies geschehen, wurde damals in rascher Abstimmung die hol-steinische Beschwerde zurückgewiesen.

Dahlmann erklärte sich für die Ausschußankräge, obwol sie nach seiner Meinungnicht einmal die Grenzen der Ansprüche erreichten, die Schleswig-Holstein in Wahr-heit zu stellen habe. Francke, früher Präsident der Regierung in den Herzogthü«»lern, äußerte die lebhafte Hoffnung, die sich an das bereits wieder erfolgte Vor-rücken Wrangel's knüpfte, und widerlegte, wie auch schon Dahlmann gethan, diein dem Bericht ausgedrückten Zweifel über das Recht Holsteins auf die nördlichenmehr von Dänen bewohnten Grenzbezirkc Schleswigs. Die Behauptung, daß Nord- ,schleswig mit Dänemark vereinigt sei» wolle, hatte zuerst die dänische Regierung beiden Unterhandlungen zu London im April und Mai aufgestellt. Hierauf hattePreußen sich bereit erklärt, die Entscheidung der Bevölkerung in jenen nördlichen Be-zirken gelten zu lassen. (Note des preußischen Gesandten Bunscn in London vom18. Mai.) Lord Palmerston fand diesen Vorschlag annehmbar (19. Mai), und auchder Bundestag erklärte sich damit einverstanden (30. Mai).

Auf diese Verhältnisse deutete Schmerling hin, da er nach den Vorrednern dieBühne bestieg. Man vernahm von ihm Worte, wie sie ein Vorsitzender des Bun-destags wol noch nie gedacht, viel weniger gesprochen. „Nur mit gerechter Ent-rüstung habe ich vernommen", sagte er. „in welch bedauernswerrher, strafbarer Weist ^von der frühern Bundesversammlung eine Angelegenheit behandelt wurde, die die ge-