Die deutsche Nationalversammlunst. 301
rechlm Wünsche von Deutschland auf sich gezogen hat. Ich, meine Herren, sagemich feierlich los von einer ähnlichen Handlungsweise. Ich kann es laut betheuern,daß ich längst einen Platz verlassen hätte, auf den mich, wie ich hoffe, das Ver-trauen meines Volks und das Vertrauen meiner Regierung hinstellte, wenn ich jevoraussetzen dürfte, daß eine ähnliche Zumuthung mir werde gemacht werden, wiedie damals an die Bundcstagsgcsandtcn crgangenc. Wir wollen hoffen, und ich bines innigst überzeugt, daß die Zeit einer zweideutigen Diplomatie für immer ver-schwunden ist. Von nun an kenne ich nur eine Pflicht der Regierungen, die Pflicht,die wohlverstandenen Interessen der Völker niit aller Kraft zu vertheidigen." Schmer-ling theilte hierauf mit, daß der Deutsche Bund schon vor einiger Zeit den Hain-kurzer Syndicus Banks als Gesandten nach London geschickt und als Grundbedingungeines Friedensschlusses ausgestellt habe, es dürfe kein Theil von Schleswig, wenn nichtdie Bevölkerung eines solchen Theils sich im entgegengesetzten Sinn aussprcche, vonDeutschland getrennt werden. Den Rückzug Wrangells aus Zütland und Nordschles-wig erklärte er für eine Folge des Mangels an Kriegsschiffen; allein diesem Mis-stanoc sei nun durch Vermehrung der Truppen entgegengewirkt worden.
Wilhelm Jordan, damals noch in den Flittcrwochcn seiner Verbindung mit derLinken, fand kaum Ausdrücke, um die Anträge des Ausschusses, das Verfahren derRegierungen, die Beschlüsse des Bundestags mit genügender Schärfe zu tadeln. Injenen Anträgen fand er „das äußerste Gegentheil von Verwegenheit". Bekannt seies, daß Wrangcl's Rückzug keineswegs aus Gründen der Kriegskunst erfolgt sei,sondern daß man ihm höher» Orts befohlen habe, weil England dazu gerathen undckinstland gedroht habe. Aus gleichem Grunde sei die Ausschreibung der Kriegsliefe-rungcn ,n Jutland zurückgenommen, sei von deutschen Regierungen die angeordneteBeschlagnahme dänischer Schiffe wieder aufgehoben worden, während Dänemark alledeutschen Schiffe für gute Beute erkläre. Jordan verlangre, daß der erste Theil desAusschußantrags ganz wegfalle, statt des zweiten aber der Beschluß gefaßt werde,Rechenschaft über die Gründe des Rückzugs und über die Erlassung der den Jutenauferlegten Lieferungen zu federn.
Ähnliche Anträge stellten Männer des linken Centrums, wie Niesser und Gis-kra, jedoch milder in Form und Ausdruck. Sie begehrten nicht „Rechenschaft", son-dern „Aufschluß" über die bisherigen Vorgänge, namentlich über die Veranlassungdes „auffallenden" Rückzugs; sie beantragten einen Beschluß, sofort kräftige Maß-nahmen zu liessen, um die Kriegsthätrgkeit in einer die Ehre der deutschen Truppenwahrenden Weise wieder aufzunehmen und die Dänen voni deutschen Boden zu ver-treiben; endlich wollten sie, daß die Genehmigung des abzuschließenden Friedens derNationalversammlung vorbehalten bleibe.
Nachdem Wurm schon vorher die schlcswig-holsteinische Frage vom allgemeinstaatsrechtlichen Standpunkte aus beleuchtet hatte, machte Friedrich von Räumer»darauf aufmerksam, wie ihre völlige Erledigung mit den Geschicken Preußens im be-drohlichen Zusammenhang stehe. Er legte dar, wie Preußen sowol.die dänischen'als>e ersten englischen Vorschläge für die Bedingungen eines Waffenstillstandes zurück-wicbenn bemüht habe, die ungünstige Meinung Englands umzustimmen;
Vimkc- Palmcrston, als Vermittler, drei von Preußen aufgestellte
Beschluß de Ei.meri^°' ^ Inhalts, daß erstens der König von Dänemark denBeschluß der Euwerleibung Schleswigs urücknehme, und das Recht Holsteins aufunjertluinliclte Veibindung ,,nt Schleswig anerkenne, während die Verbindung derbeiden perzogthumer Mit Danemark sich Mir auf die Herrschaft des oldenburgischenHauses im Mannsstammc beziehe; daß zweitens durch gütliche Verständigung dieTrennung der Finanzen, des Heeres, der Flotte und der Schulden eintreten solle;daß endlich drittens Dänemark in die Ausnahme beider Herzogthümer in den Bundwillige, wobei jedoch dem nördlichen Theile Schleswigs erlaubt bleibe, sich frei undoffen über eine Vereinigung mit Dänemark zu erklären. So, fuhr Räumer fort,habe Preußen das Äußerste für Deutschland zu erlangen gestrebt. Allein Preußen