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Die deutsche Nationalversammlung.
zurufen. Indessen wollte und mußte jede Partei die Provisorische Regierung schonen.Mit Preußen mußte man, als mit dem Schwerte Deutschlands, vorsichtig verfahren;auch wußten damals noch Wenige, daß der Minister Baron Arnim ähnliche Andeu-tungen, wie sie Wildenbruch's Schreiben enthielt, in einer Note vom 19. April anGraf Westmoreland, den britischen Gesandten in Berlin, ausgedrückt hatte.
Thatsachen solcher Art suchte Lichnowsky vergebens durch Witz und Redekünstezu entkräften. Aber auch er erklärte, wenn die schleswig-holsteinische Regierung nichteinverstanden mit den Unterhandlungen gewesen, so müsse er über dieselben den Stabbrechen. Jordan aus Berlin, mit der Erklärung, daß er, wenn cS sich um Ehreund Erhaltung des Vaterlandes handle, keiner Partei angehöre, verlangte in Betreffder Dringlichkeit den Übergang zur Tagesordnung, weil bis jetzt nur Gerüchte vor-lägen; jedoch unter dem Vorbehalt, gegen jeden Versuch, die Ehre Deutschlands indieser Frage bloszustelle», sofort thatkräftig einzuschreiten. Zugleich beantragte er,ganz Schleswig auf der Stelle und unwiderruflich in den Deutschen Bund aufzu-nehmen.
Die Versammlung entschied, daß die Anträge nicht dringlich seien; sie nahm denÜbergang znr Tagesordnung an, aber mit Weglassung des Vorbehalts. Sie knüpftedaran, wie Jordan gleichfalls vorgeschlagen, die ausdrückliche Erinnerung, daß in die-ser- Sache gesetzlich ohnehin nur der Reichsverweser im Verein mit der Nationalver-sammlung entscheiden könnte. Die Anträge gingen also zum Bericht an den Völker-rechtsausschuß. Zwei Tage nach diesem Beschlusse begann die Provisorische Central-gewalt ihre Thätigkeit, die zu allermeist sich auf die dänische Angelegenheit richtenmußte. General von Wrangel, wiewol ein preußischer Feldherr, und an der Spitzepreußischer Truppen den Krieg führend, erkannte seine unmittelbare Verpflichtunggegen die Ccntralgewalt so gewissenhaft an, daß er von ihrer Genehmigung seineEinwilligung zu einem Waffcnstillstandsvertrage, den Preußen bereits unterzeichnethatte, abhängig machte. Preußen hatte zwar einen solchen Vorbehalt zu Gunsten desDeutschen Bundes im Lause der Unterhandlungen gestellt, war aber auf das An-drängen Schwedens und Englands hiervon abgegangen, und hatte ihn erst nachherwieder aufgenommen, als der Neichsverweser sein Amt angetreten.
Mittlerweile war eine nur militärische Waffenruhe vereinbart worden. DaSneuernannte Neichsministerium bot dem General von Wrangel alle erfoderliche Ver-stärkung an, um den Krieg, wenn er wieder ausbreche, mit einem Schlage zu Endezu bringen. So erklärte Schmerling am 24. Juli von der Nedncrbühne. SiebenTage später theilte er den weitem Verlauf der Dinge mit. Die Unterhandlungenwaren durch Wrangel abgebrochen worden, hauptsächlich deshalb, weil Dänemarknicht zugeben wollte, daß in den Vertrag die Bedingung aufgenommen werde, dessenGenehmigung dem Neichsverweser vorzubehalten. Denn eine Anerkennung der Cen-tralgcwalt (die hierin unzweifelhaft gelegen hätte), wollte Dänemark keinenfalls aus-sprechen. Die Feindseligkeiten wurden also am 21. Juli aufs neue eröffnet. Herrvon Schmerling sprach seine Hoffnung aus, es werde der Krieg nur kurze Zeitdauern und Dänemark bald nachgebe», wenn es erkenne, daß Deutschland von sei-nem Rechte nicht weichen werde. Der Krieg müsse mit deutschen Ncichstruppcn ge-führt, aber dafür auch die einzelnen Staaten aus der Reichskasse entschädigt werden.
Aber diese Reichskasse war in sehr betrübten Umständen, und erwartete einenInhalt ebenso, wie der Name des Reichs ein Reich, von der Zukunft. An dieserzweifelte man damals nicht. Große Begeisterung ergriff die Versammlung, die Zu-hörer, ganz Deutschland bei dem Gedanken, daß nun zum ersten mal wieder dasdeutsche Volk als Einheit gegen das Ausland stehe. Der NeichskricgsmiNister vonPeucker bestieg nach Schmerling die Rcdnerbühne und verkündete unter stürmischemBeifall, daß allen deutschen Volksstämmcn die Theilnahme werden solle an der Ehre,Deutschlands Waffenruhm auf den Schlachtfeldern des ersten Bundeskriegs zu ver-treten. In kurzer Zeit würden Bundestruppen Östreichs, wie des siebenten, achtenund neunten Bundescorps, zu ihren Waffenbrüdern in Schleswig stoßen und dem