306 Die deutsche Nationalversammlung.
trägen des Ausschusses bei: Die Anträge in Betreff der Aufhebung des Sundzolls,der Abrufung des östreichischen Gesandten aus Kopenhagen und der Anordnung einerBeschlagnahme aller dänischen Schiffe (die beiden letztem hatte der preußische Gerichts- !Präsident Schiller gestellt) wurden beseitigt. Man wollte, bevor man irgend einen iBeschluß in der Sache selbst faßte, die Thätigkeit des Rcichsministeriums abwartenund scstgestaltete Ergebnisse desselben vor Augen haben.
Dem Reichsverweser war es eine empfindliche Warnung, daß Preußen nichtnur ohne bestimmten Auftrag, sondern sogar ohne rechtzeitig die Genehmigung derCentralgewalt vorzubehalten, jenen ersten Waffenstillstand beinahe zum gültigen Ab-schluß gebracht hatte. Das Rcichsministerium wollte sich nicht zum zweiten maleiner solchen Gefahr aussetzen. Allein Dänemark wollte unter keiner Bedingung dieletzte Entscheidung dem Rcichsverweser überlassen. Da sendete Preußen den Generalvon Below nach Frankfurt, um ftw sich eine Vollmacht zur Abschließung des Wer-trags zu erlangen; es erklärte zugleich die thatsächliche Unmöglichkeit, angesichts derdrohenden Gefahr von Osten und der dringenden Anfoderungen des eigenen Handels, sden Krieg fortzuführen.
Das Reichsministerium erklärte sich am 6. Aug. zur Ausstellung der Vollmacht !bereit, jedoch unter der Bedingung, daß nicht der Entwurf von Malmoe, sondernder auf dem Lustschloß Bellevue am 19. Juli abgefaßte, dem Waffenstillstände zuGrunde gelegt werde. Der letztere Entwurf unterschied sich von dem erstem nament-lich dadurch, daß er festsetzte: es sollten die gesammten schleswig-holsteinischen Trup- i.pen unvermindert in Holstein, in Schleswig aber 3000 Mann deutscher Truppen ^verbleiben, wogegen Dänemark eine gleiche Anzahl auf der Insel Alscn unterhaltendürfe, die jedoch vorzugsweise aus den in Schleswig ausgehobenen dänischen Mann- jschaflen bestehen müßten. Außerdem war die Vollmacht noch an drei andere Be- /!>.dingungen geknüpft: es sollten die Personen, die in die neue Regierung der Herzog- !thümer einzutreten hätten, vor dem Abschluß des Waffenstillstandes ausdrücklichbezeichnet und nur solche Personen ernannt werden, „daß der Bestand und die ge-deihliche Wirksamkeit der neuen Regierung verbürgt erscheine"; es sollten alle bis )zum Abschluß erlassenen Gesetze und Verordnungen, also auch die von der Proviso- !
rischen Regierung herrührenden, volle Kraft behalten; endlich sollten sämmtliche Trup- >
pen in beiden Herzogthümern unter den Befehlen des deutschen Oberbefehlshabersbleiben.
Um diesmal recht sicher zu gehen, sendete das Neichsministerium, was Heckscherder Nationalversammlung am 21. Aug. mittheilte, den Unterstaatssecretär Max vonGagern nach Berlin und den Herzogthümern; es gab ihm den schwierigen Auftrag,die Einhaltung der aufgestellten Bedingungen zu überwachen, mit andern Worten,einen Misbrauch der, ertheilten Vollmacht zu verhüten und überhaupt die Befugnisseder Centralgewalt zu wahren. Die preußische Regierung empfand eine tiefe Mis-stimmung darüber, daß ihr, die fast allein alle Opfer des Kriegs trug, Andere dieBedingungen des Friedens bis aufs kleinste vorschreiben und ihr die Hände ganzund gar binden wollten. Indessen hatte auch schon die Bundesversammlung seinerZeit ausgesprochen, daß ohne vorgängige Anfrage bei ihr Preußen nichts Entschei-dendes beschließen dürfe; allein Preußen machte weder dem Bundestage noch jetzt derCentralgewalt amtliche Mittheilungen über den Gang der Unterssandlungen, und diesenahmen keineswegs eine dem Verlangen des Rcichsministeriums günstige Wendung.
Das Volk in Schleswig-Holstein blieb nicht gleichgültig bei den dunkeln Ge>Nichten über die Verhandlungen der Mächte; es wollte nicht unthätig als Zuschauersein Schicksal entscheiden lassen; es verlangte eine constituirende Versammlung, die -
über die Zukunft der Herzoglhümer bestimmen sollte. Die Provisorische Regierungberief eine solche Versammlung auf den 15. Aug.: sei es, weil sie dem Volkswillennachgeben mußte, oder weil sie durch Beweise der allgemeinen Aufregung die Regie'rungen zu einer gewünschten Entscheidung bringen wollte, oder weil beide Gründe ^zusammenwirkten. So drohten die Verwickelungen unlösbar zu werden. Preußen