Die deutsche Nationalversammlung.
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trag selbst ein Tag vorberaumt werden; allein in Betreff des Nückmarsches-der Trup-pen beschloß sie, wie Waih vorgeschlagen, daß schon binnen der nächsten 24 Stundender Bericht erstattet und berathen werden solle. Damit wäre die Sitzung sofort ge-schloffen worden, wenn nicht Compcs aus Köln eine persönliche Frage angeregt hatte.Es sei überhaupt zweifelhaft, meinte er, ob Minister oder Untcrstaatssecrctärc in denAusschüssen sitzen könnten; allein bei dieser Angelegenheit insbesondere könnte es viel-leicht zur Sprache kommen, ob der Minister des Auswärtigen so gehandelt habe,daß es sich verantworten ließe. Deshalb scheine es, daß Heckscher, bisher Mitglieddes völkerrechtlichen Ausschusses, sich der Berathung und der Beschlußfassung in die-sem Ausschusse zu enthalten habe.
Gegen einen so scharfen Hieb wußte sich Heckscher mcht mit der erfoderlichenGewandtheit zu decken. Er entgegnete, die Mitglieder des Ministeriums könnten inallen Ausschüssen bleiben, nur nicht im Verfassungsausschuß. Was die vorliegendeAngelegenheit betreffe, so vertrete er in derselben nicht sein Interesse, sondern dieSache Deutschlands. Wenn Compes daher „voreilig" sage, es sei ungewiß, ob derMinister seine Handlungen verantworten könne, so werde dieser bei der Berathungund Entscheidung dieser Frage sich nicht zurückziehen. Compes entgegnete mit derkampfgeübten Art eines rheinischen Rcchtsanwalts: „Auf die Gefahr hin, vom Mi-nister nochmals Tadel zu erfahren, muß ich bemerken, daß ich an seiner Stelle esfür angemessen halten würde, aus diesen Ausschüssen entfernt zu bleiben. Wenn derMinister sagt, er sei Deutschlands Vertreter, so sage ich, er soll Deutschland Rechen-schaft geben. Es ist ei» hohler Satz, wenn man sagt: Meine Handlungen sindHandlungen für Deutschland; denn die Handlungen, die der Minister des Auswär-tigen begeht, könnten sehr leicht Handlungen von Heckscher sein."
Gagern half der Sache Heckschcr's zur rechten Zeit nach, indem er bemerkte,daß er erwartet hätte, man werde bei den Berathungen des Ausschusses eher dieZuziehung als die Zurückweisung des Ministers verlangen. Unter diesem Einflüsselehnte die Versammlung es ab, Heckscher von den Berathungen des Ausschusses aus-zuschließen; von der Beschlußfassung erklärte er sich freiwillig enthalten zu wollen.Die Versammlung trennte sich in nicht geringer Aufregung. Der Groll wendetesich zumeist gegen Heckscher; dem Minister des Auswärtigen lud man bereitwilligstden größten Theil einer Schuld auf, die nicht sowol ihm gebührte als vielmehr demunsicher» Verhältnisse der Centralgewalt zu den deutschen Regierungen und zu ganzEuropa. Aber wie er selbst sein Ich immer so schroff voranstellte, so hielten sichjetzt die Abgeordneten an seine Person fast noch mehr als an die Sache. Gewißhatte er Recht, jene Äußerung von Compes eine voreilige zu nennen; aber sein herberTon zeugte stets mehr von der Rechthaberei als von dem ruhigen Selbstbewußtsein.Das linke Centrum, dessen Gewicht damals die Wagschale der Abstimmungen hoboder senkte, reizte er auf so «»bedachtsame Weise zur Erbitterung auf, daß der Grollgegen die Sache eins schien mit der entschiedenen Abneigung gegen seine Person.Unter so ungünstigen Zeichen begann die Verhandlung des 5. Sept.
Dahlmann erstattete den Bericht im Namen der beiden Ausschüsse. So vieleseines Lebens hatte er an die Sache Schleswig-Holsteins gesetzt; er hatte sur^ mit Festigkeit, für das Recht seiner Heimat mit der Liebe des Jung-^ und dem E sie ^ gestritten; und in der deutschen Bewegung des
Jahres 1848 suhlte er unbewußt mehr das Mittel heraus, Schlesw.g-Holstems viel-jähriges Streben zu einem, wennschon nicht mehr ganz gesetzlichen Ziele zu führen,als daß er darin einen mächtige,, Versuch der Heilung anerkannt hätte, den Deutsch-land im Großen und Ganzen an sich „.achte. Wenigstens erschien er so der Beob-achtung unbetheiligter Dritter. Nun sollte das fast schon Gewonnene wieder ver-loren gehen oder doch die Gefahr des Verlustes unabweisbar nahe an das deutscheGemüth herantreten. Das war der Punkt, wo selbst der gemäßigtste Schleswig-Hol-steiner tödtlich verwundbar sein mußte. Dahlmann beantragte die Einstellung derM Ausführung des Waffenstillstandes ergriffenen militärischen und sonstigen Maß-