Die deutsche Nationalversammlung. 3l1
Räumung Einhalt thun, so komme dies der Verwerfung des ganzen Vertrags gleich.Es handle sich also darum, ob man wegen einer militärischen Maßregel von unter-geordneter Bedeutung eine Frage zum voraus entscheiden wolle, welche DeutschlandsEinheit und den Frieden Europas gefährde.
Nachdem man auf solche Weise die Bcsorgniß wegen einer rasch drohendenEntblößung der Herzogthümcr beschwichtigt, ergriff Schmerling das Wort und er-klärte, das Ministerium sei einstimmig darin, daß eine Einstellung der militärischenMaßregel gleichbedeutend sei mit der Verwerfung des Waffenstillstandes, und daßes deshalb über den ganzen Vertrag selbst jetzt schon einen Entschluß aussprechenmüsse. Dieser Entschluß gehe dahin, aus unabweislichen Gründen der Nothwendig-keit nicht auf Verwerfung des Waffenstillstandes anzutragen; andererseits aber, weilPreußen bei dieser Gelegenheit seine Stellung zur Centtalgewalt nicht gemäß demGesetze vom 28. Juni 18ä8 aufgefaßt habe, von Preußen und allen andern deut-schen Regierungen die bestimmte und ausdrückliche Anerkennung des erwähnten Ge-
setzes zu verlangen. , . ,,,
Das Ministerium wollte also die Wunde, die der deutschen Einheit geschlagenworden, geduldig tragen; die Thatsachen, die eine überreichliche Misachtung der Cen-tralgewalt bekundeten, wollte es nicht zurückweisen, und sich dafür mit einer Art vongütlicher Zusage begnügen, die wahrscheinlich nicht einmal geleistet werden wurde,und die keinenfalls für die Zukunft irgend eine schützende Bürgschaft bot. DiesenVorwurf erhob gegen die nachgiebigen Neichsminister, scharf und klar, Heinrich Si-mon aus Breslau der jetzt zum ersten mal die Rednerbühne in St.-Paul betrat.Deutschland, das siegende, soll aus diesem Waffenstillstände als Besiegter hervor-gehen, sagte er Warum? Weil man Rücksichten nehmen will auf das Ausland,auf Ostreich, auf Preußen Aber das Ausland wird keinen ungerechten Angriffauf Deutschlaud wagen, weil dies eine Erhebung der Nation bewirken wurde, wiesie noch nie dagewesen. Östreich ist vollauf mit sich beschäftigt. Sollte aber diePreußische Regierung die Hand gegen Deutschland zu erheben wagen, das ^^kinPreußen würde sie beseitigen. Es handelt sich in dieser Frage nicht um die EhrePreußens, sondern um die Ehre eines preußischen Ministeriums. Unendlich viel istbereits versäumt; soll es nicht zu spät werden, so muß das Parlament an sich glau-den, damit das deutsche Volk im Stande sei, an das Parlament zu glauben. ^
Auch Zimmcrmann aus Stuttgart wollte nicht zugeben, daß selbst im äußer-sten Falle ein Bruch mit Preußen bevorstehe; denn ohne Zweifel werde die preußischeNationalversammlung von dem Waffenstillstände nicht minder schmerzlich berührtwerden, und das preußische Ministerium werde nachgeben oder abtreten müssen.
Der tüchtigste Kämpe des Reichsministeriums, Bassermann, übernahm die schwereAufgabe, nicht den Vertrag von Malmve zu vertheidigen, das hätten damals We-nige gewollt und Keiner gewagt, sondern dessen Verwerfung abzuwenden. Um dies.zu erwirken, scheute er nicht, in Widerspruch zu den Behauptungen Schmerlingsund Peucker's zu treten; denn während diese erklärten, ein Aufschub der'Entschei-dung hindere nicht, daß man nachher die Ausführung deS Waffenstillstandes dennochrückgängig mache, sprach er kühn aus, diese Ausführung habe schon begonnen, s«bemahe eine vollendete Thatsache. Die Gefangenen sind schon ausgewechselt, sagteA ,^°Eade sch^ aufgehoben; die genommenen Schiffe kehren schon heim; dieNordseestaaten ;ubeln über den Waffenstillstand. Daraus folgerte er, ein Befehlzur Einstellung der „weitem Ausführung" des Waffenstillstandes sei wie ein Treu-bruch gegenüber Dänemark, gegenüber den vermittelnden Mächten. „Das Verhält-M Mischen Preußen und uns berührt jene Mächte nicht. Wir haben eS mitPreußen zu thun, und wir werden mit Preußen abrechnen." Dann kam eine ver-ständliche Andeutung, der Waffenstillstand müsse denn doch nicht so nachtheilig sein.„Wir wissen, daß in Kopenhagen ebenso ein Sturm auf die dänische Regierung los-gebrochen ist, weil der Waffenstillstand den Ulttadänen nicht dänisch genug ist, wiehm einr Opposition gegen uns steht, well wir Sie ersuchen, Ihren Hauptbeschluß