Die deutsche Nationalversammlung.
313
liche Stimmung habe sich in Bezug auf die Herzogthümer sehr geändert; ,a inSchleswig selbst wolle man der deutschen Truppen los sein, wie aus Anfallen er-helle, die Wrangel amtlich berichtet habe. Das preußische Volk werde, wenn semeRegierung den Waffenstillstand aufreckt halte, ihr laut und kräftig beistimmen.Engel aus Pinneberg hingegen betonte vorzüglich, daß Deutschland besiegt erscheine,und daß die Trennung'Schleswigs von Holstein thatsächlich angebahnt sei. Wasvon dänischen Gesinnungen in Schleswig gesagt worden, das gelte höchstens voneinem kleinem Theile des Landes, von der nördlichsten Grenze.
Zwei Hauprkämpfer folgten ins Gefecht, Nadowitz und Robert Blum. Rado»
Witz versuchte sich an der Führung des Beweises, daß der Waffenstillstand den Be-dingungen des künftigen Friedens nicht vorgreife. Er schilderte die Gefahren eineseuropäischen Kriegs, der aus einem Bruche des Vertrags folgen muffe, und fugtebei, daß auf alle Fälle der Waffenstillstand für Preußen fortbestehen werde. Sonntwürde der Neubau des deutschen Reichs schon beim Beginn in Trümmern fallen.Man müsse den Waffenstillstand genehmigen, zugleich aber die preußische Regierungum Mittheilung sämmtlicher Schriftstücke ersuchen, und zu deren Untersuchung emenM strengen Geheimhaltung verpflichteten Ausschuß ernennen, der über den Waffen-stillstand eine bestimmte Erklärung, also ein Urtheil, aussprechcn solle.
Aber was hätte es Deutschland geholfen, wenn der AuSschuß eine Vcrurther-luiig aussprach? Das ließ Nadowih unerörtert. Und wie erst, wenn Preußen dieEinsicht in die Schriftstücke verweigerte? oder wenn es von denselben die verfäng-lichen mitzutheilen unterließ? Der Antrag von Nadowitz war ein diplomatischerWinkclzug zur Deckung diplomatischer Winkclzüge, und seine Rede trug die blasseFarbe der bemerkbaren Absicht; nie hatte man in den Worten von Nadowitz dieSchärfe und Bedeutsamkeit so vermißt, wie an diesem Tage.
Einer so schwach vertheidigten Sache gegenüber hatte Robert Blum eme umso günstigere Stellung. Es war ihm leicht, aus den frühern Verabredungen zuBellevue nachzuweisen, daß man zu Malmoe weit nachtheiligere Bedingungen ange-nommen, als man zu erlangen im Stande war. Damals war die Genehmigungdes Neichsverwesers vorbehalte»; den vier Mitgliedern der neuen Regierung selbstwar überlassen, den fünften, den Vorsitzenden, zu wählen; die Insel Alsen sollte vonsolchen Truppen besetzt bleibe», die vorzugsweise aus den Herzogthümer« ausgehobcnwären; die Theilung der beide» Lande war aber ebenso wenig ausgesprochen, alsdie Aufhebung der bestehenden Gesetze und Verordnungen; der Waffenstillstand warnur auf drei Monate bestimmt, also die Wintcrzeit, wo die dänische Seemacht nichtschaden konnte, den deutschen Truppen freigegeben, um crsoderlichen Falls Jütlandzu besehen. Die Änderung der frühern Übereinkunft entschuldige man durch dieFurcht vor dem Kriege; aber vor wenig Wochen habe man gesagt, wenn man das .Heer um 340000 Mann vermehre, könne man der ganzen Welt trotzen!. Die Wi-dersprüche, in welche die Minister mit sich selbst und mit ihren frühern Äußerungengerathen waren, wußte Blum eindringlich geltend zu machen; daß Preußen im Na-men des Deutschen Bundes, nicht der Centralgewalt verhandelt habe, galt ihm fürein Verfahren, daS bedrohliche Zwecke habe. Jetzt müsse es sich entscheiden, obDeutschlaud aufgehe oder ob Deutschland preußisch werde.
^eckerath mit seinen milden Redeformen hatte nicht Nerv und Mark genug,um ein entscheidender Gewicht in die ministerielle Wagschale zu legen. Simon ausTrier erklärte, daß der Vertrag von Malmoe nicht rechtsbcständig sei. Die preußischeRegierung habe das Gesetz vom 28. Juni genau gekannt; denn am 4. Juli habe
oer preußische Ministerpräsident von Auerswald in der Nationalversammlung zu Berlinsrklart: „Die preußische Regierung seht voraus, daß die frankfurter Versammlung,mdem sie für die Beschlüsse des ReichsverweserS über Krieg und Frieden ihr Ein-Verständniß verlangt, denselben nicht für alle Fälle a» ihre vorgängige Genebmigunghabe binden wollen, indem dadurch solche Beschlüsse auf eine Weise gehindert und> erschwert werden würden, die Von den verderblichsten Folgen sein könnte " Man habr,