Band 
Siebenter Band.
Seite
316
JPEG-Download
 

316 Die deutsche Nationalversammlung.

müsse sich der Mehrheit unterwerfen und eine Ausführungsmaßregel beschließen; siemöge den Antrag von Schüler oder den von Eisenmann annehmen; wenn sie dasnicht thue, möge sie erklären, der Abgeordnete Dahlmann sei durch den erhaltenenAuftrag zur Bildung eines Ministeriums auch dazu ermächtigt, die ersten Schrittezur Ausführung zu thun; wolle sie aber das Alles nicht, so beantrage er, die Ver-sammlung solle aus ihrer Mitte einen Vollziehungsausschuß ernennen. -

Es fiel Robert Mohl nicht schwer, diese Anträge zu bekämpfen. Dahlmann,dem es vor seine» neuen Bundesgenossen schon zu bangen anfing, bat und beschworeinen Jeden, die Anträge zurückzunehmen. Mitkermaier meinte, der Ncichsverwescr !möge ein Ministerium, wenn auch nur aus kurze Zeit, zur Vollziehung des Beschlus-ses ernennen. Vogt wußte, diesmal mit dem Takt und der Feinheit des Mannes,der sich dem Besitze der Gewalt schon näher fühlt, dem Abgeordneten Dahlmanndie Pflicht zur Bildung eines solchen vorübergehenden Ministeriums nahezulegen;denn ein einmal gefaßter Beschluß der Vcrsammlnng müsse vollzogen werden. Die-ser Behauptung trat Lichnowsky entgegen: man könne dergleichen nur von Beschlüs-sen sagen, die das Verfassungswerk betreffen; in Angelegenheiten des Kriegs undFriedens sei ein vollziehbarer Beschluß erst dann vorhanden, wenn ein Einverständ-niß zwischen Parlament und Centralgcwall erzielt sei. Dieses Einverständniß fehle, .so lange kein Ministerium da sei, welches sich einverstanden erkläre. Hieran knüpfteer einen nachdrücklichen Tadel gegen Dahlmann, der an einer, wenn auch nicht sehrfesten Säule gerüttelt, und die Last, die auf dieser geruht, nicht übernehmen wolleoder könne. So dauerte das Wortgeplänkel noch eine Zeit lang, und endigte damit, ^daß ein Jeder seinen Antrag zurücknahm, bis auf Eisenmann. Der blieb bei sei- ,ner Meinung, fand aber die gewohnte Unterstützung, keine.

Indessen sollte doch Etwas, irgend Etwas in der dänischen Sache geschehen, jHerr von Reden hatte einen Antrag bereit: Man solle es für eine Pflicht des deut-schen Volks erklären, die Gewähr dafür zu übernehmen, daß die deutsche Schiffahrtfür die im Kriege erlittenen Verluste entschädigt werde. Die Versammlung vernahmmanche Reden, darunter eine treffliche Löwe's, über die Frage, ob dieser Antragdringlich sei oder nicht. Sie entschied für das Nein, mit 238 gegen 216 Stimmen.

Die Sitzung schloß mit einer kleinen Handlung persönlichen Grolls, die na-mentlich gegen Wassermann gerichtet war. Er hatte mit Beckerath und RobertMohl aus dem Versassungsausschuffe scheiden müssen, als sie ins Ministerium ge- 'treten waren; der Verfassungsausschuß hatte Vorschläge zu ihrer Ersetzung am1. Sept. gemacht. Mittlerweile war mit dem Falle des Cabincts auch das Hin-derniß gefallen, das sie von den Verfassungsberathungen ausschloß. Uni ihren Wie-dereintritt in den Ausschuß möglich zu machen, schlug Herr von Rotenhan ausMünchen vor, es solle der Verfassungsausschuß jetzt neue Vorschläge zu seiner Er-gänzung an die Versammlung bringen. Eine nicht große Mehrheit lehnte dieses Zei-chen versöhnlicher Gesinnung von sich ab. Man wählte zu Ausschußmitglieder»Eompes aus Köln, Nicsser, Zell aus Trier, Briegleb aus Koburg, von Rotenhan:also drei vorn linken Centrum, einen von der Rechten, einen von der äußerste»Rechten. Die Wahl war bezeichnend für die Stimmung des Augenblicks; sie deu-tete an, daß das neue Ministerium nur aus dem Schosse der Partei des Würtem-berger Hofs hervorgehen könne.

Aber Tag um Tag verging, ohne daß daS erhoffte Ministerium zu Stand*kam. Und die Augenblicke wurden immer kostbarer, unersetzlicher. Am 8. Sep^brachte der brandenburgische Abgeordnete Nappard drängende Nachrichten aus dc»Herzogthümern in das Parlament. Die schleswig-holsteinische LandeSversamml»'^hatte einstimmig erklärt, sie könne wider ihren Willen nicht aufgelöst noch verlaß*ohne ihre Einwilligung könne weder in der Regierung des Landes eine Veränderndgetroffen, noch die bisher erlassenen Gesetze aufgehoben, noch neue Gesetze erlast*"oder Steuern aufgelegt werden. Schon ging sie kühn daran, ejnen Verfassung^*»'>vurf für Skhleßtvig-Holstein in rascher Berathung anzunehmen. Zugleich hatte *>»