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Die deutsche Nationalversammlung.
Vollmacht in die Hände des Reichsverwcsers zurück; und dieser versuchte es nunmit der Partei des Würtcmberger Hofs: er ließ den Abgeordneten von Hermannzu sich entbieten.
Allein wieder vier Tage verflossen, und die Ministerbank blieb noch immer leer.Da wiederholten die drei Parteien der Linken, Donnersberg, Deutscher Hof,Westendhall, den Blum'schen Antrag auf Absenkung von 15 Mitgliedern an denReichsverweser; und wenig fehlte, sie wären diesmal durchgedrungen: denn nur 219Stimmen gegen 208 verneinten die Dringlichkeit (12. Sept.). Sofort stellten Don-nersberg und Deutscher Hof das Begehren : da die preußische Regierung die EinheitDeutschlands und die Nationalehre angetastet habe, solle man die Schriftstücke, diehier zur Prüfung vorliegen, auch au die preußische Nationalversammlung übersenden.Indessen wurde ein noch geringerer Erfolg diesem Antrage, dessen Tragweite leichterkennbar war.
Endlich am 12. Sept. kamen die Ausschußberichte in die Versammlung.Wurm trug im Namen von 12 Mitgliedern der vereinigte» Ausschüsse auf Ver-werfung des Vertrags von Malmoe an; Stedmann für 10 Mitglieder auf Geneh-migung. Arndt, der unter jenen Zwölfen war, trat im Verlaufe der Berathungzu der Gegenseite über; so standen die Stimmen gleich, ein Vorzeichen deS zweifel-haften Ausgangs.
Der 14. Sept. sah den Beginn der Verhandlung. Alles schien bereits ge-sagt, die Gründe schienen bis zum Bodensah ausgeschöpft zu sein; und dennochnahm sie drei volle Tage weg, drei Tage ängstlicher Erwartung für das Parlament,für die überfüllten Zuhörerbühnen und für die Parteien in ganz Deutschland, diesich schon aller Orten regten und erhoben. Von manchen Seiten waren vermit-telnde Anträge gestellt worden; allein keinem derselben schien eine Mehrheit gewiß.Zum Äußersten entschlossen standen dort die Männer der Linken und die sich ihnenjetzt verbündet hatten; standen hier die Rechte und das rechte Centrum, unversöhn-lich Jene wie Diese. Es war nicht nur ein Kampf der Grundsätze, des Rechts undder deutschen Politik; es galt offenbar auch einen Streit um Macht und Herrschaft.Noch nie war der demokratischen Partei die Hoffnung so nahe getreten, die Ent-wickelung der deutschen Revolution in ihre eigenen Hände zu nehmen; darum setztesie Alles an Alles. Und es bedurfte kaum des Sporns, kaum der Anreizung; denndem Volke war allüberall schon längst die Nachgiebigkeit des Parlaments gleichbe-deutend mit dem Untergänge der Frühlingssonne von 1848.
Das Ncichsministeriuni hatte ein Vorgefühl der Gefahr; aber es glaubte, daßsie innerhalb der Räume von St.-Paul beschworen werden könne. Seit dem April1848 hatte die Gewitterschwüle in Deutschland nicht aufgehört; man hatte sich ansie gewöhnt, und ängstete sich nicht mehr, da die dunkeln Wolken zwar angesammeltblieben, aber kein Blitzstrahl aus ihnen niederfuhr. Mit Reden und Abstimmungendachte man die Geschicke zu entscheiden, ohne daß man viel gefragt hätte, ob dieeinzige Macht, die oem Parlament zu Gebote stand, der thatenwillige Theil desVolks, mit einstimmen werde. Die Nationalversammlung konnte auf die Gunstder Fürsten nicht rechnen, und verlor je mehr und mehr die des Volks. Sollte derletzte Schimmer seiner Weihe erlöschen? Sollte er glänzender aufgefrischt werden,ob auch mit Blut? Das war die Frage.
So aber verstand sie Heckscher nicht, der den Vertrag von Malmoe kaum andersbetrachtete, als der Anwalt eine vielverclausulirte Urkunde zu betrachten pflegt, vo«deren Form und Inhalt der Ausgang eines Rechtsstreits abhängt. Er bestieg dirRednerbühne und bewies sehr fertig und haarscharf und gründlich, daß Preußen, daßSchweden, daß England, vor allem aber, daß er, Heckscher, ganz rechtsgemäß gehn«'delt; er bekundete den guten GerichtSredner, aber den kurzsichtigen Staatsmann. Ha/"man denn von Haus aus bezweckt, Schleswig zu erobern? fragte er — Nein; HolsteinsRechte auf Schleswig sollten gewahrt werden; diese wurden zu Malmoe nicht angeta-stet. Man hatte allerdings, fuhr er fort, die Genehmigung des Reichsverwcsers nicht