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Die deutsche Nationalversammlung. .
einer derartigen Bermittelung Freunde zu gewinnen, und so eine Lösung herbeizu-führen, die den Herzogthümcrn günstiger und doch für Preußen nicht unannehmbarerschien. Der Herzog saß selbst als Zuhörer die drei Berathungstage hindurch amFuße der Rednerbühnc, ob nun aus lebhafter Theilnahme an der Entscheidung, oderob vielleicht in der Absicht, durch seine Persönlichkeit aus den Erfolg der Vermitte-lung einzuwirken.
Aber diese Vermittelung ward zurückgewiesen von der einzigen Partei, die einerklugen Rücksicht noch allenfalls zugänglich sein mochte. Auf dem linken Centrumsaßen gewissenhafte Männer, die von ihren Grundsätzen so viel, aber auch nicht mehrhatten opfern wollen, als ihnen zu einer Versöhnung der Rcgierungsgewalt mit derVolksfreiheit unumgänglich nothwendig dünkte; und sie hielten sich überzeugt, daßsie auf dem äußersten Grcnzpunkte dieser Nothwendigkeit angekommen. Auf demlinken Centrum saßen aber auch die Ehrgeizigen, die sich als die unvermeidlichenNachfolger in der Herrschaft ansahen, und denen die Annahme des Malmoer Ver-trags so viel war als eine Verzichtleistung auf die Ministcrstclle. Eine Bekehrungwar bei Jenen, eine Entsagung bei Diesen nicht zu hoffen-
Das konnte man deutlich aus der Rede heraushören, mit der Herr von Her-mann die Versammlung beschenkte. Der Rcichsvcrweser hatte ihn schon fünf Tagevorher zur Übernahme der Gewalt berufen; aber anstatt rasch und kräftig das Ru-der zu ergreifen, hatte er gezögert, hatte er unklare Versuche zur Vorausgewinnungeiner festen Mehrheit gemacht. Es lag die Vermuthung nahe, es sei ihm mehrdarum zu thun, sich ein dauerhaftes Ministerium zu sichern, als den Sieg der Sachedurchzuführen, für die er gesprochen und gestimmt hatte; er wolle erst eine endgül-tige Entscheidung des Parlaments abwarten, anstatt sie hervorzurufen, um dannohne alle Gefährde die Frucht zu pflücken. Herr von Hermann mochte bei seinenAbsichten vielleicht auf die besondere Unterstützung der bairischen Regierung rechnen,die damals den Minister des Auswärtigen, Grafen Bray, nach Frankfurt gesendethatte, um eine Verständigung mit Preußen herbeizuführen. Es war natürlich, daßBaicrn gern gesehen hätte, wenn die Leitung der Centralgewalt in die Hände einesbairischen Ministerialbeamtcn gelangte.
Herr von Hermann war bisher mit einem Ministcrprogramme nicht ans Lichtgetreten; die Aufgabe war ihm zu schwierig, und doch wollte er ihre Lösung keinemDritten überlassen. Jetzt trat er auf, und erklärte, was er gethan haben würde,wenn er Minister gewesen, und wie er handeln würde, wenn er es von nun anwäre. Die Verwickelung war so groß, und doch die Ursachen, that er dem Par-lament zu wissen, so ganz unbedeutend! Der erste Fehler war, daß man die Ge-nehmigung der Centralgewalt und der Nationalversammlung nickt vorbehielt. Derzweite, daß man für „die harmlosen Punkte, um die es sich bei diesem Vertragehandelte", nicht im voraus die Vollmacht der Versammlung eingeholt; denn diesehätte sie gewiß gegeben. Ein anderer Fehler, daß man nicht Max von GagcrNdie Verhandlungen unmittelbar beaufsichtigen ließ. Ferner hätte man zu rechter Zeit— wann, sagte er nicht! — den Vertrag zurückgeben sollen; das wäre sehr leichtgewesen. Er würde der preußischen Regierung auf der Stelle gesagt haben: „DerVertrag kann nicht genehmigt werden." Diese würde sich ohne Zweifel gefügt ha'ben, und die nöthigen Abänderungen wären sogleich und ganz im Stillen abgemachtworden.
DaS war eine staatsmännische Unschuld, wie sie noch nie dagewesen. Gro^Heiterkeit erhob sich auf der Rechten, die mit herzlichster Wonne aufhorchte undaufschaute, wie sich der Minister der Gegenpartei zu Grunde richtete. Und Hrrrvon Hermann ließ nicht ab, bis er das Maß dieser boshaften Freude bis zum äußer'sten Rande gefüllt. Er bewies mit großer Selbstzufriedenheit, daß die Ehre PreU'ßens gar nicht daran hänge, daß es den Vertrag, den es geschlossen, auch unter-zeichne unik besiegele. Der König brauche ja nur die Minister, welche die Unterhan 'lung geführt zu entlassen; dann seien die Nachfolger nicht gebunden. Solch