Die deutsche Nationalversammlung. 321
Anschauungen von der Staatskunst und von dem Verhältnisse zu Fremdmächten hieltdieser Redner für das eigentliche Wesen der constitutionellen Ncgierungssorm.
Er verschwieg nicht, welchen Auftrag der Reichsvcrwescr ihm S-geben. -Überin welchem Sinne hatte er ihn angenommen? Darüber gab er die überrasch stAufschlüsse. Er sei für Nichtgenehmigung, hänge jedoch nicht so sehr an seiner un-ficht, als daß er nicht auch mit einem Mittelwege zufrieden gewesen wäre.hab- sich deshalb an Camphansen gewendet, und diesen zu verschiedenen Abänderun-gen, wenn auch nicht in, Malmoer Vertrage, doch be. dessen Ausführung, bereitgefunden. Darauf habe er diese V-rmittelungsplane einzelnen Parteien des Paria-ments vorgelegt; diese aber hätten nicht zugestimmt. Daher se. er letzt wieder fürNichtgenehmigung. Also solle man einfach nicht genehmigen; und damit habe d.e
Aber was wird alsdann Preußen thun? Weiter nichts, «l- dw Munsterwechseln. „Preußen wird sich nicht absondern", sagte der Mann, der die Polmkmit so seltsamer Leichtigkeit handhabte. „Preußen wird nicht für HA ,allein gehen .. -Ich glaube an keinen Krieg deutscher Stämme untereinander. Wir vertreten all-deutschen Stämme. Haben wir denn solche Feindschaft gegeneinander rm Leibe, daßwir so kriegerisch gegeneinander gesinnt wären? ... Niemand droht Krieg, ^etzist Waffenstillstand auf ungeschickte Weise abgeschlossen worden; schließen wir eu nneuen geschickter... Man spricht auch von einem eurvpäiscben Krrege; das giauoeein Anderer!... Man macht wol einander grimmige Gesichter; aber zum losschla-gen kommt es nicht gleich." .
Wenn es aber doch dazu käme? Auch da war der Mann nicht v-rlegen. Dasganze Volk würde zur Bewaffnung aufgerufen werden. „Wenn dann Deutsch andzu einem Lager geworden wäre, so würde ich Ihnen auch rathen, es an Schiffennicht fehle» zu lassen, aber nicht auf dem bisherigen Wege für sie zu 2°)
Wurde Ihnen rathen, Schiffe von auswärts zu kaufen, Offiziere von fremden Staa-ten anzuwerben, Kaperbriefe auszustellen. Es sollte mir nicht leid sein, krallig venDänen entgegenzuwirken; und schon mit den ersten sechs Millionen Thalern, wennsie gut verwendet werden, würde etwas Erkleckliches geleistet worden sein."
Je mehr und mehr Herr von Hermann vorrechnete, wie leicht er mit Däne-mark, Preußen, ganz Europa fertig werden wolle, um so häufiger klang, mitten inden Beifall der aufrichtig bewundernden Galerien hinein, das lustige Lachen derrechten Seite. Und als er gar die Schaffung einer wirksamen Seemacht aus demStegreif zu Ende brachte, da kam eine solche Stimmung über die Meisten, daß sieden Redner selbst nicht freiließ, und er unter der Brille hervor unwillkürlich mehrals einmal mitlachen mußte. Die Abgeordneten auf dem linken Centrum sahen ein-ander bedenklich an; und Mancher von ihnen hielt von diesem Augenblicke an eineSache für verloren, die keinen bessern Vorkämpfer aufgestellt hatte.
Schmerling brauchte sich nicht sehr abzumühen, um die Blößen der Hermann'-schen Staat-klugheit aufzudecken. Mit jener östreichischen Gutmüthigkeit des Tons,die den gründlichsten Hohn um so schärfer hervorhebt, gab er Jenem Unterweisungin den Formen der Diplomatie und in den Erfodernissen des Völkerrechts. „Derverehrt- Redner vor mir hat die.Idee geäußert, als ob Verträge und Unterhand.lungen gleich freundschaftlichen Gesprächen abgemacht zu werden pflegen. Er warder Idee, man hätte dem preußischen Cabinet diese und jene Bemerkung machen,diese und jene Auslegung empfehlen sollen; gleich alS ob zwischen Frankfurt undBerlin die Verbindung so zu Pflegen wäre, wie zwischen Frankfurt und Sachsen.Hausen;... und als ob für die Ruhe Deutschlands irgend etwas Ergiebiges durch-zuführen gewesen wäre, wenn dieser Vertrag noch lä*Tage länger herumgezogen,und am Ende doch in der bezeichneten Art zu Stande gekommen sein würdetEs war so der schweren und ernsten Sache eine leider nur allzu heitere Seiteabgewonnen worden; und immer mehr hatte sich bei der Rechten die Überzeugung
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