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Siebenter Band.
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322 Die deutsche Nationalversammlung.

befestigt, daß man ihr die Zustimmung der Mehrheit im Parlament, aber nicht leichtdas Heft der Regierung entziehen könne.

Am zweiten Tage senkten die Reden von Waih, Giskra und Vogt den Schwer-punkt wieder mehr auf die gegnerische Seite. Waih, in kunstvollem Vortrag, ge-wandt, aber mit absichtlicher Unklarheit des Zwecks, führte die Gründe weiter aus,die zum Theil schon Venedey dargelegt hatte; allein seltsamerweise ließ seine geist-reiche Begründung den nothwendig folgenden und erwarteten Schlußsatz vermissen.Denn, nachdem er die Mangel des ganzen Malmoer Vertrags geschildert, kam er ^am Ende, mit überraschender Auebeugung, plötzlich zu der »»vermutheten Behaup- !tung: man brauche, weil die nachtheiligsten Bedingungen des Vertrags bereits hinfälliggeworden, jetzt doch nicht mehr für die Verwerfung zu stimmen.

Die Rede Giskra's war ein heißblütiger Aufruf an die Ehre und das Vater-landsgefühl. Ein hochgewachsener Mann mit stolzem Haupte und blitzenden Augen,besaß Giskra eine sprudelnde Fülle des Worts, und Gedanken und Bilder drängtenmächtig Und wie unaufhaltsam eilig über seine Lippen, aber das Feuer seiner Redezündete selten und wärmte nie. Denn es glaubten ihm nicht Viele; sie glaubtennicht an die innerliche Wahrheit und die aufrichtige Begeisterung des blonden Ostrci- jchers, den man sich vom Ehrgeize mehr als von der Liebe zu Deutschland bewegtdachte. Von den Bänken der Linken hatte er sich allmälig weiter in die gemäßig-tere Partei hinausgeschoben; aber, obwol noch immer der Opposition zugehörend,zeigte es sich später, daß er zugleich im Verkehr mit Schmerling stand, und in seinerRede den Deutschen, in seiner Thätigkeit den Ostrcicher bewährte.

Eine ähnliche Umwandelung, aber jedenfalls offenherziger und entschlossener ^vollendete an diesem Tage Jordan aus Berlin. Denn indem er für den Waffen- !stillstand auftrat, brach er für immer und aufs vollständigste mit der Linken, obschon ,er ihre Grundsätze diesmal noch reichlich genug in seine Rede einwebte. Er behaup-tete, Alles, was man beim ersten Beginn des Kriegs eigentlich gewollt, habe ma"durch den Malmoer Vertrag allerdings erreicht; aber die Wünsche seien weiter hin-ausgegangen als der anerkannte Zweck. Er tadelte das Verfahren der preußischen ^Regierung ebenso sehr wie das der Neichsminister; aber jene habe wenigstens dieMeinung des preußischen Volks hinter sich. Seit dem „Huldigungsbefehle" sei das >preußische Volk miSstimmt gegen die Centralgewalt. Thaten habe man von diesererwartet; statt dessen sei sie mit einem Verlangen nach kleinlichen Höflichkeiten her- 'ausgerückt. Der Particularismus eines Landes, wie Preußen, habe eine ganz an-dere Berechtigung wie derjenige der Kleinstaaten; diesen könne man nicht brechen,man müsse ihn versöhnen. ^

Vogt schloß die Sitzung mit einigen Andeutungen tiefern SinnS, als man da-mals zugestehen wollte. Preußen verdirbt Alles durch seinen Widerstand gegen dirCentralgewalt und gegen den Fortschritt, meinte er. Hätte Preußen sich und seineKraft der Centralgewalt aufrichtig angeboten, so würde man ihm freiwillig entge'gengetragen haben, was man ihm jetzt Fuß für Fuß bestreiket; man würde ihm aus ^vollem Herzen gegeben haben, was man jetzt mit dem Widerstreben deS Jngrimws >gibt, wenn man überhaupt Etwas gibt. Vogt hatte die aufrauchenden Kaiserplane !im Auge; und gewiß hätte ein inniges Zusammenhalten von Berlin und Frankfurt >nicht wenige der widerwilligen Geister rasch noch besiegt und gewonnen zu einerZeit, wo es noch nicht zu spät war. Allein die preußische Regierung wollte da»große Ganze dauernd gewinnen, ohne dafür vorübergehend kleinere Opfer zu brin-gen. Darum müsse man, selbst auf die Gefahr eines Bruchs hin, die Leidenschaftendie Volkskraft aufrufen.. So sei es zur Zeit der ersten Revolution in Frankreichsieghaft geschehen; „aber"^ sehte er hinzu, „das war auch der Convent, derGroßes konnte, und nur ein Convent kann es!" §

Nun war das letzte Wort plötzlich gesagt. Wer den Waffenstillstand verwarf,der mußte dem Parlament die Bluttaufe des Convents geben. Vincke, der erjRedner am 16. Sept., wußt« aus dieser Mahnung Alles zu folgern, was zur