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Siebenter Band.
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Die deutsche Nationalversammlung.

klar sind, daß wir nicht die glänzende und ritterliche Seite vertheidigen und heraus-kehren? Wir gehorchen aber unserer Pflicht und unserm Gewissen. Unsere Voll-machtgeber, ganz Deutschland mag, über uns urtheilen, wenn wir dieses Opfer brin-gen, dieses Opfer unserer bessern Überzeugung."

Die Galerie zischte; da rief Lichnowsky hinauf: „Das ist noch kein Urtheilvon Deutschland!" Manches Herz fühlte sich seltsam bewegt.

Aber das Urtheil wurde vollzogen, ehe es gesprochen war. Lichnowsky hattedie letzte und schönste Blüte seiner Rede in St.-Paul entfaltet, wie Robert Blum,und die beiden schroffen Gegensätze wurden fast zu gleicher Zeit im Buche desSchicksals gestrichen.

Nach einer markigen Rede Ludwig Simon's, der die Bestrebungen aufdeckte,welche schon seit jener Zeit die überkönigliche Partei der Pietisten, die Partei Ger-lach-Stahl in Berlin verfolgte, schloß man die Verhandlung, indem man nur nochMax von Gagern und Heckscher das Wort gestattete. Max von Gagcrn gab sachlicheErläuterungen, und erklärte sich für den Antrag von Franckc. Aber Heckscher, derdrei Tage lang von allen Seiten angegriffen worden, dem selbst die Rechte vorge-worfen, daß er mitten in einem weltbewegenden Zerwürfniß nur an die Rechtferti-gung seines eigenen Selbst gedacht, Heckscher hatte sich diesen letzten entscheidendenAugenblick ausersehen, um die gefüllte Schale seines Ingrimms über all Jene aus-zugießen, die er selbst aus Gegnern seiner Sache zu Feinden seiner Person gemacht.Die gelbe Blässe des finstern Gesichts, das Krampfhafte in den dunkeln Zügen be-zeugte den innern Aufruhr. Man habe über alles Mögliche gesprochen, nur nichtüber den Waffenstillstand; mit dieser Unwahrheit trat er gleich anfangs hervor.Warum aber dieses geschehen sei? Das beantwortete er damit, daß er unter Solche,die ihn getadelt, besonders Diejenigen rechnete, welchen die deutsche Einheit einDorn im Auge sei, und die planmäßig darauf ausgingen, die Fackel der ZwietrachtinS Volk zu werfen.

Der Vorsitzende Gagern bat ihn, mit Ruhe zu sprechen, die gewiß in seinerSache die beste Stimmung sei. Heckscher aber fuhr fort, das Gesagte wiederholend"„Meine Sache hat nichts zu scheuen; ich trotze allen Anklagen. Es sind Diejenigendarunter, die planmäßig darauf ausgehen, die Fackel der Zwietracht in unser Vater-land zu werfen."

' Hier mußte ernster eingeschritten werden. Gagern fragte, ob er mit diese"Ausdrücken eine Partei des Hauses gemeint habe, da er alsdann den Ordnungsrufverdiene; und nicht minder muthig als verblendet antwortete Heckscher, im tiefste"Tone seiner Stimme: „Ja, das muß ich sagen, das habe ich allerdings gemeint/Eindringlich mahnend sprach Gagern den Ordnungsruf aus. Doch Heckscher ließnicht ab: „Es sind ferner Diejenigen darunter, denen eine Entzweiung mit Preuße"nicht unlieb wäre." Da wuchs aufs neue das Lärmen und Tose»; schon crsch»"das ungestüme Begehren: „Herunter! nochmals zur Ordnung! herunter!" Gager"trat begütigend, mahnend zwischen den Sturm. Heckscher schien wieder Ruhe gt'Wonnen zu haben; allein alsbald wieder entriß das Gefühl fürchterlichster Kränku"sseinem Stolze die Worte: „Das will ich noch hinzufügen: ich hätte nicht geglaubt,daß so wenig Gerechtigkeit und Billigkeit in diesem Hause wäre." Ein ungeheure"Toben durchzog die Paulskirche bis in die äußersten Zuhörerräume; Wigard vtt'langte, es solle Heckscher daS Wort entzogen werden; eine Abstimmung mußte sta^'finden. Noch fand sich eine mitleidige Mehrheit, die dem einst so hoch auf de"Schultern der öffentlichen Gunst getragenen Manne, der nun tiefer und tiefer vtt'sank durch die Schuld seiner starren Rechthaberei, die letzte Genugthuung, die letzteVertheidigung nicht versagen wollte. Aber was er auch als Anwalt seine- Thu"und Denkens sage,, mochte, von jetzt an war es gewiß, daß selbst nach einem Siegder rechten Seite Heckscher nicht mehr Minister bleiben könne. .

Die Berichterstatter hatten daS letzte Wort; Wurm sprach für die Nichtgemb'migung, Stedman für die Francke'schen Anträge. Es gab noch lange- Gerede ub